Review

Ein Polit-Militär-Thriller aus den vereinigten Staaten, der nicht sofort einen Würgereflex bei politisch interessierten Menschen auslöst, ist im vergangenen Jahrzehnt ja schon fast eine Rarität, aber Peter Bergs „Operation: Kingdom“ schafft das scheinbar Unmögliche und bindet damit sogar ein breites Publikum an sich, ohne extrem spekulativ zu sein: eine reife Leistung.

Abseits von den bekannten Brennpunkten Iran, Irak und Afghanistan wird die überall in diese Länder übertragbare Grundsituation hier in Saudi-Arabien angesiedelt, dem immer noch zentralen Umschlagpunkt für in den Staaten benötigtes Öl. Das Auseinanderbrechen in zwei Klassen, die abgehoben herrschenden Königsfamilien und das inzwischen religiös und antiamerikanisch motivierte Volk (oder Teile davon) bringen die Nation in einen Zwiespalt, der hier in einem brutalen, aber um so realistischeren Anschlag mündet.

Wie man es von reellen terroristischen Akten kennt, führt der Film den Zuschauer direkt in die Kampfzone, in der zwei Attentäter eine amerikanische Siedlung unter Feuer nehmen, die Flüchtenden zu einem Polizisten locken, der sich dann in die Luft sprengt – um die nun folgende Rettungsaktion für einen noch größeren Anschlag zu nutzen. Die Unkontrollierbarkeit und Dimensionen sind damit schon realistisch abgebildet.

Dagegen steht nun die amerikanische Reaktion, die darin besteht, sich eben nicht einmischen zu können oder zu sollen, es jedoch zu wollen, was allerdings durch die höheren Kreise abgelehnt wird, worauf sich ein FBI-Team selbständig zu einem Wochenausflug trickst und erpresst, was einer der wenigen Schwachpunkte des Films ist.
Denn weder würde das FBI Auslandstrips machen, noch klingt das Druckmittel wirklich überzeugend, aber irgendwie muß man die Handlung ja in Gang bringen und die Kritik an die obere Politklasse kommt so etwas subtiler herüber.

Das daraufhin gebildete Vier-Personen-Team ist dann ein Grüppchen von Spezialisten, die natürlich sowohl patriotisch als persönlich (einer der Toten war ein Freund) motiviert sind. Prompt stößt das Quartett dann auf die typischen Probleme der Amerikaner in solchen Ländern: generelle Feindseligkeit, Unbedarftheit, mangelnde technische Ausrüstung, Restriktionen und Vorgesetzte, die für den Ermittlerjob eigentlich ungeeignet sind, abgesehen von ihrem Kontaktoffizier Al Ghazi, der zwar gläubiger Moslem, aber unpolitisch ist. Damit hat man dann die Verbindungsstelle, um beide Seiten bei der Aufklärung unter Beobachtung zu nehmen.

Berg bleibt recht hart an der Realität, das Team um Jamie Foxx, Jennifer Garner, Jason Bateman und Chris Cooper hat von nun an vornehmlich mit der eigenen Arroganz, geschlechtlichen Probleme, Emotionalität und einer allgemeinen unpassenden Lockerheit zu kämpfen, alles verstärkt durch die allgegenwärtigen Sprachprobleme, da niemand arabisch spricht (auch dies leider ein gewollter Schwachpunkt).
Gleichzeitig rollt schon die nächste Anschlagswelle an und das Ziel sind natürlich die Amerikaner.

Es ist mehr als erfreulich, wie Autor Carnahan so ziemlich alle Seiten wenigstens ein wenig abdeckt: er schildert die Instruierung der Fanatiker im Familienkreis, zeigt Al-Ghazis Privatleben, visualisiert die wachsende gegenseitige Freundschaft auf der Basis von fachlichem Respekt, zeigt die realitätsferne Dekadenz der Herrschenden, die stete Gewaltgewahr und die strukturellen Probleme. Dabei wird dankbarerweise nichts schwarz-weiß gemalt, allerdings stellt sich der Ermittlungsfall als relativ einfach heraus, wenn die Logistik erstmal bereinigt ist.

Das jedoch führt erst recht zu Gewaltausbrüchen, dem Ausheben einer kleinen, aber unwichtigen Terrorzelle; dem sofortigen Aufbauschen derselben als großen militärischen Erfolg in dem Bemühen, die Amis heim zu schicken (ausgelöst allerdings von einem Landsmann, der eigene politische Interesse vertritt) und zu einem weiteren Terroranschlag auf die Gruppe, die in einem größeren Showdown mündet.

So perfekt anfangs die Situation beider Seiten geschildert wird – für das große Actionfinale fällt alles ein wenig auseinander. Der Anschlag auf der Autobahn führt zu einer Verfolgung in ein gefährliches Viertel, dann zu einem monströsen Straßenkampf, während die Fanatiker auf die Schnelle versuchen, eine Videohinrichtung durchzuführen, während das Team langsam näher rückt.
Hier wirkt der Film dann doch etwas gedrängt und will zu viel auf einmal, zählt die Unterhaltung und Zuschauerfreundlichkeit ein bißchen mehr – und dann werden leider auch einmal die falschen dramaturgischen Entscheidungen getroffen, wer nun überlebt und wer nicht – was aber hier jetzt nicht diskutiert werden sollte.
Dennoch ist dieser halbstündige Showdown außerordentlich spannend inszeniert und sehr gewalttätig, nicht zelebriert, sondern mit brutaler Bestialität ausgeführt, wenn aus der Not der Lebengefahr brutal draufgehalten wird. Ferner sind in dem Handlungsstrang rund um den Terrorführer hier noch einige denkwürdige Szenen enthalten, an die man sich trotzdem noch lange erinnert.

Der Film schließt dann mit einer Bestandsaufnahme, die nur symbolisiert, daß sich Amerikaner und die religiös motivierten Gruppen in ihrer Bereitschaft zur Durchsetzung nicht sonderlich unähnlich sind – und das die Saat der Gewalt in einer Spirale in dieser Form vermutlich so weiter gehen wird, wenn sich nichts grundlegend ändert und das, ohne falsche Lösungsansätze, ist schon ein bemerkenswertes Statement.

Ein wichtiger und sehr intensiver Film, der seine Botschaften nicht versteckt, der bei allem filmischen Realismus am Ende jedoch noch ein wenig mehr dorthin hätte gehen können, wo es wirklich weh tut. Dennoch: 7,5/10.

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