Oj, da werden sich ganz viele Teenagermädels arg gefreut haben, bei dem was Garry Marshall da zusammengebraut hat. Die Pubertät braucht solche Filme und niemand kann so etwas perfekter künstlich schaffen, als die Leute, die uns schon "Pretty Woman" aufs Auge gedrückt haben.
Und hier kommt das clerasilcleane Hexengebräu für die Pepsi-Generation: unbeachtetes Hascherl mit Kräuselhaar und Brille entpuppt sich europäische Kleinstaatprinzessin und kann sich nicht entscheiden, ob sie die Thronfolge antreten will, weil sie eigentlich nur scharf auf den ersten Kuß ist, bei dem der Fuß flippen soll. Dabei hat sie sich natürlich den falschen ausgeguckt, den wahren Knuddel übersieht sie, ihre häßliche Freundin muß drunter leiden, sie selbst wird komplett optisch umgekrempelt, wobei sie beim Benimmunterricht Chaos anrichtet. Und am Ende macht der tote Daddy alles wieder gut und das Land ist gerettet.
Keine Szene hier, die man nicht laut schon vorher herausschreien kann. Keine Ecken, keine Kanten, nur schön rund und prachtvoll bunt gebacken. Sogar Hector Elizondo ist wieder dabei, schön charmant und leise ironisch im Hintergrund, wie es sich für Marshall gehört.
Nur nimmt die Wirkung ab Erreichen der Volljährigkeit ab, weil Darstellerin Anne Hathaway auch vor ihrem aristokratischen Aufstieg nie wie ein häßliches Entlein aussieht. Die Kräuselpracht wirkt arg bemüht, die Brille schlecht ausgesucht und das Bemühen um die richtige Wirkung spürbar. Und wenn man dann die frischoperierten blonden Blassmäuschen sieht, die ihr angeblich das Leben zur Hölle machen, dann wirken die ungeschickten Ausfälle noch um so gewollter. So erntet man von weiblichen Zuschauern dann auch hämisches Lachen, wenn aus dem Haarwust ein prachtvoll glattes Frisürchen wird und das perfekt geschminkte, rehäugige Etwas, was da nach der Krone greift, veranlaßt wirklich den Ausruf: "Mädel, jetzt erst siehst du scheiße aus!"
So mancher kann mahnen, solche Filme seien arg gefährlich für die heranwachsene Generation, denn in ihm ist genau so viel Realismus enthalten, um seinen Konsumenten später Abonnenten für "Das goldene Blatt" und "Frau im Spiegel" werden zu lassen. Klar, das hier geht volles Brot an die Adresse der Bravo-Leser und sogar die werden die Überzogenheit bemerken und gröhlen, aber später im Bett in ihre Kissen seufzen. Warum denn auch nicht?
Größere Sorgen macht mir da schon die Berechnung, mit der dieses Hochglanzprodukt seine Zielgruppe in die Säle forciert. Ein wenig mehr Einfallsreichtum, vor allem bei der Figurenzeichnung und mehr Ironie hätten nicht geschadet. Gegen diesen Film sieht sogar eine Fake-Satire wie "Clueless" intellektuell clever aus. Und die Anwesenheit von Julie Christie allein (Würde, Anmut und Klasse), macht auch keinen Staat.
Immerhin ist der Zuckeranteil stark reduziert auf die "Bear Necessities", die so ein Film eben braucht. Das bedeutet jedoch Nährstoffverlust bis zur Askese. Aber Teenies wollen ja eh alle schlank sein. (6/10)