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Basierend auf einem Theaterstück stellt sich "Frankie und Johnny" als hervorragende Milieu-Komödie und als realistisch-unterhaltsameres Gegenstück zu dem späteren "Pretty Woman" dar, der ebenfalls von Garry Marshall inszeniert wurde.

Dabei ist der hier vorliegende Streifen sicherlich der sperrigere Film, wenn auch unter dem Strich der bessere, denn er besitzt den nötigen realistischen Anspruch und einen solchen Charme, der nicht nur auf der Niedlichkeit seiner Hauptdarstellerin beruht (wofür Julia Roberts nun aber auch nichts kann), sondern auf seiner wunderschönen Bildsprache.

Es sind die eher unterprivilegierten Ecken Manhattans, die dieser Film schildert, der zwar im Fokus die Liebesgeschichte zwischen dem Ex-Knacki-und-jetzt-Imbißkoch Johnny und der beziehungsscheuen Bedienung Frankie schildert, jedoch genügend Filmminuten auch auf die Personen der Umgebung, Chef und Kollegen, sowie Familienmitglieder verwendet. Darüber hinaus gibt es reichlich Großstadtmilieuschilderung, wenn es auch die normale Mittelschicht (bzw. untere Mittelschicht) ist, die sich hier durchs Leben schlägt.

Mit wunderbarer Geduld und Freude am Zeigen widmet sich der Film den Charakteren, beleuchtet sie von vielen Seiten und spannt sie in Rededuelle der charmant-geschliffenen Art, von der Vorgeschichte über die erste Begegnung, die Annäherung, das erste Rendezvous, das Gemeinsam-miteinander-Versuchen, das Scheitern und den Neuanfang.

Marshall beschönt nichts, denn seine Bilder sind wenig farbig, oft schmuddelig oder heruntergekommen, rauh und lebensnah, doch steckt in ihnen die gewisse Lebensfreude, die eine positive Wirkung auf die Zuschauer hat. Übrigens kann kein "Pretty Woman" mit der Szene des ersten Kusses zwischen Pfeiffer und Pacino mithalten, wenn im selben Moment hinter ihnen die Klappe eines Blumentransporters hochgezogen wird und beide in einem Meer aus bunten Blüten zu stehen scheinen.

Neben Trauer und Freude, vielen Aufs und Abs gibt es hier kein größeres Drama als den Verlust des Vertrauens in sich selbst und andere, so daß der Höhepunkt zum Schluß auch der Stillste der Filmgeschichte sein dürfte und sehr anrührend nebenbei.
Pacino ist dabei ein unermüdlicher Unruheposten, positiv, aktiv, gern redend und hoffnungsloser Idealist, trotz seiner Vergangenheit. Wunderschön die Szene, in der er sich eine Hure aufs Zimmer holt, nur damit er in jemandens Armen einschlafen kann, ganz ohne Sex. Pfeiffer dagegen spielt unerhört detailliert die beziehungsscheue Kellnerin, die viele Möglichkeiten ausgelassen hat und keine Fehler mehr begehen will, was gerade ihr größter Fehler werden könnte. Zum Knutschen die Besetzung des Imbisses mit einem Prä-Pretty-Woman Hector Elizondo als kinderreicher Familienmensch und Besitzer und diversen verknitterten und angeschlampten Kolleginnen, sowie total schrägen Stammgästen. Nathan Lane ist überaus knuddelig als schwuler Bruder von Pfeiffer.

Wer also von blankpolierten Love-Stories die Schnauze voll hat und trotzdem reine Unterhaltung fürs Herz haben möchte, gönne sich diese ausgezeichnet umgesetzte Geschichte, die in ihrem spröden, herzlichen Charme beinahe ersäuft. Meine ungeteilte Sympathie. (8/10))

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