Review

Die mahnende Stimme grollt durch den Trailer, daß wir uns für die finalen dreißig Minuten von "The Beast Within" auf etwas gar Schreckliches gefaßt machen müssen und schweigt sich in der Folge aus - so müssen Horrorfilme angekündigt werden, um die Fans rollig zu machen.
Um so verwunderlicher, daß "Das Engelsgesicht - Drei Nächte des Grauens", obschon Gegenstand übelster Zensurhetze in vergangenen Zeiten wegen angeblicher Härten, inzwischen zu den fast vergessenen Beiträgen der klassischen Slasherwelle zwischen 1978 und 1983 gehört.

Damals horchten noch alle auf, wenn es um Vergewaltigung, Kannibalismus und Leichenschändung ging - rückblickend muß man sagen, daß die Aufregung mal wieder auf Nichtkenntnis basierte.
Dabei ist "The Beast Within" eigentlich gar kein direkter Slasher, was wie ein Psychothriller rund um einen genetisch mordgeilen Teenager anfängt, entwickelt sich später mehr und mehr zu einer Art Besessenheits- oder noch besser Reinkarnationsthriller, allerdings mit unüblichen Härten. Das alles wird auch ganz und gar nicht selbstzweckhaft serviert, sondern, und das macht eine besondere Qualität aus, in einer ungewöhnlichen Stimmung rund um die Mysterien einer Kleinstadt, die wohl mit ungut oder ungemütlich am besten beschrieben ist - hier läuft von der ersten Szenen an alles irgendwie falsch und das Omen des dicken Endes kreist mittels Vollmond über allem.

Dabei spricht der Trailer recht, wenn er auf die letzte halbe Stunde hinweist, denn die erste Stunde ist, ungeachtet aufgebauschter Presse eigentlich ziemlich ruhig. Der Zuschauer wird relativ flott ins Geschehen gestürzt, nach dem unangenehmen Ausflug in die 60er (von der Vergewaltigung sieht man außer ein paar nackten Brüsten und einem grunzenden Gesellen im Off und seinen Klauenhänden eigentlich nichts) und per flottem Schritt wird Michael schon von Alpträumen gepeinigt und stürzt alle Ärzte in Verzweiflung und Ratlosigkeit.

Philippe Mora, der Regisseur, ist bis heute nicht eben durch besondere Leistungen aufgefallen (er führte bei einigen Howling-Teilen später noch Regie) und auch wenn die Atmosphäre recht bedrohlich und ungut rüberkommt, ist er kein Könner in Sachen Tempo und Schlüssigkeit. Zu langsam und zäh entwickelt sich die Backstory rund um die Geheimnisse der Vergangenheit, um Michael ein paar Gelegenheiten zum Morden zu geben, daß man irgendwann nach Infos schreien möchte, während alle damit beschäftigt sind, lauter als die anderen zu schweigen.
Dazu wirkt es nicht unbedingt logisch, daß sich sowohl Mom wie Dad geradezu rührend um ihr Herzchen kümmern und schwer daran arbeiten, komplett zu ignorieren, daß man es offensichtlich mit einem schizophrenen Psychopathen zu tun hat, der stets und ständig stiften geht, um dann freundlich zurück zu kommen, während irgendwo ein Gemeuchelter auftaucht.
Paul Clemence, der hier den Teenager gibt, spielt sich allerdings in den Augenrollszenen wirklich die Seele aus dem Leib, was leider für den Rest des Casts nicht gilt, da herrscht geradezu mediterrane Siesta an allen Fronten.

Einen besonders schlimmen Fall von beidseitiger mentaler Blindheit muß übrigens Katherine Moffat als blondes Seelchen abliefern, die minutenlang einen schon fast sabbernden Irren vor sich hat, der mit seinem zweiten Ich kämpft und dennoch dessen Aufforderungen zur Flucht im Schneckentempo und auch noch widerwillig nachkommt. In diesen Minuten rettet einen nicht mal der ausgezeichnete Unruhescore von Les Baxter, der die Atmosphäre stets am Laufen hält.

30 Minuten vor Schluß geht dann tatsächlich die Luzie ab, dann fliegt die Kuh - heute kräht danach vermutlich kein Hahn mehr, aber die schier endlose Sequenz, in der Michael mit Grollen und Zähnefletschen langsam zum Matschkopfmonster mutiert, während alle aufpassen, daß niemand die Wand hinter ihnen klaut, hat wirklich Klasse vom Feinsten, auch wenn man die rasende Wildsau noch etwas drastischer hätte durchs Dorf treiben können. Damals war es state-of-the-art und auch wenn es bei genauer Betrachtung eigentlich keine große Überraschung ist, was passiert und der Film ständig an die Zuschauer große Portionen Wissensvorsprung austeilt, während alle anderen Figuren sich taub und blind (und die Ärzte noch dazu doof) stellen, die Vorstellung das in einem dunklen Kino geliefert zu bekommen, ist schon irgendwie hinreißend.

Ergo gibts härtere und schlimmere Filme als diesen Monstermix, dessen Hintergründe erst im Showdown auf die Schnelle zusammengefügt werden, aber er hat so seine Qualitäten und hält seine Stimmung durch. Würde "The Beast Within" narrativ nicht so gewollt lahmen, wärs sicherlich ein Klassiker geworden. Dennoch ist eine Sicht Pflicht. (6,5/10)

Details
Ähnliche Filme