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Was kommt dabei heraus, wenn sich die Produzenten von „I Know What You Did Last Summer“, „Urban Legend“, „Disturbing Behavior“, „Stir of Echoes“ und „The Ring“ zusammentun? Mitnichten ein guter Teenie – Mysteryhorrorfilm, sondern ein halbfertiges Konglomerat von Genreversatzstücken, die so einfallslos zusammengekleistert worden sind, dass selbst der unerfahrene Zuschauer sich nach spätestens 20 Minuten zusammenreimen kann, wie der Hase läuft. Wohl auch ein Grund, warum „Soul Survivors“, trotz des üblichen Teenieslasherpostermotivs, das übrigens die Hauptdarstellerin in den Hintergrund rückt (!!), seinerzeit links liegen gelassen wurde.

Horrorregisseur Stephen Carpenter („The Dorm That Dripped Blood”, „The Kindred”), gleichzeitig auch Verursacher des unterfordernden Drehbuchs foltert sein Publikum ab der ersten Minute mit seiner arg einsilbigen Inszenierung, die ständig so trist und unheilschwanger auf das Gemüt drückt, als würde es einen Preis für die depressivste Optik geben.

Cassie (extremly sweet: Melissa Sagemiller, „Love Object”, „Life on the Ledge”) zieht es zusammen mit ihren Freunden Matt (Wes Bentley, „American Beauty“, „The White River Kid“), Sean (Bens Bruder Casey Affleck, „200 Cigarettes“, „Gerry“) und Annabel (Eliza Dushku, „True Lies“, „Wrong Turn“) von zuhause weg an den Campus, weswegen ein letztes Mal gemeinsam auf die Kacke gehauen wird und zwar auf einer Gothic-Party in einem verfallenen Kirchengebäude mit lauter skurrilen Figuren, die bis in die Sadomaso-Szene hineinreichen. Wie es bei Jugendlichen in dem Alter so ist, spielen die Hormone verrückt. Cassie küsst, quasi zum Abschied, ihren Ex Matt, das sieht ihr derzeitiger Freund Sean, der ohnehin unter der baldigen Trennung leidet. Anstatt sich auszusprechen, fahren alle vier darauf nach Hause. Doch auf dem Heimweg kostet ein schwerer Unfall Sean das Leben...

Solche tragischen Vorfälle sind bekanntlich nicht leicht zu verdauen und weil Cassie auch noch eine schwere Kopfverletzung davontrug, scheint bei ihr bald alles aus dem Ruder zu laufen. Carpenter, der die angedachte Cleverness mit seinen viel zu offensichtlichen Hinweisen selbst um die Lorbeeren bringt, fiel abseits der Prämisse dann auch nicht mehr viel ein und so regieren sich wiederholende Szenen, bei denen man wirklich am Verstand von Cassie zu zweifeln beginnt. Man muss, wenn man, gepackt von Angst und Paranoia, sich vorzugsweise gern nachts allein in Bibliotheken, dunklen Gassen, Friedhöfen und Schwimmbädern, die sich bekanntlich für maskierte Killer ja nur so anbieten, herumtreibt schon ganz schön eine an der Waffel haben.

Obwohl immer noch leidend und schwer gezeichnet wechseln ihre Gemütszustände im Nu, wenn der fürsorgliche Ex Matt, sie auf Zuruf im Traumdelirium mal tüchtig durchpimpert (Gut, kann jedem mal passieren, dass man den toten Freund mit dem lebendigen Ex verwechselt) oder der Wohnung eben mal ein neuer Anstrich verpasst wird und man mit Freundin Annabel so gar kein bisschen plakativ mit Klamotten unter die Dusche hüpft um die Nippelalarmglocke zu läuten. Ja, das macht Spaß und zwar nicht nur dem Zuschauer!

Die Logik geht hier bereits früh über Bord, denn besonders rückblickend offenbaren sich bezüglich des Anfangs so einige Fragen, die der Film nie klären könnte. Grandios hierbei, neben den ultrapeinlichen Beziehungssülzeinlagen, immer wieder derbe Ungereimtheiten, wie Matt, der sich, aus unerfindlichen Gründen einfach mal eben den Zimmerschlüssel von Cassie nachmachen lässt, ohne dass sie mal auf die Idee kommt, nach dem Grund zu fragen. Sich an diesen vielen inhaltlichen Fehlern hochzuziehen, kann hier richtig Spaß machen.

Irgendwann taucht der tote Sean dann prophetisch wieder auf, um ihr zur Seite zu stehen, Father Jude (hatte wohl vorher ein paar Valium eingeworfen: Luke Wilson, „Best Men“, „Old School“) leistet seelischen Beistand und Freundin Annabelle verhält sich nicht nur aggressiv-abweisend, sondern gleichzeitig auch sehr suspekt. Albträume wie Halluzinationen häufen sich, so dass auch der letzte Zuschauer zugewunken bekommt, dass hier noch ein Schlusstwist zurück gehalten wird, der im Grunde alle überraschen soll.

Auch die, wenn auch optisch ansprechenden, Darstellerinnen vermögen hier nicht Interesse zu erzeugen. Dafür wurden sie schlicht mit zu eindimensionalen Charakteren ausgestattet und mit platten Dialogen abgestraft. Die abstrusen Verhaltensweisen erschweren zusätzlich, dass hier Sympathien entwickelt werden.


Fazit:
Bös’ misslungener Mysterythriller, der dank der grandiosen Fehlinszenierung Stephen Carpenters keinerlei Spannung erzeugt, sondern den Zuschauer Richtung Fernbedienung schielen lässt. Die unterdurchschnittliche Darstellerriege und das katastrophal unterentwickelte Drehbuch mit seinen Logikpatzern lassen leicht auf fehlende Ideen rückschließen. So bleibt „Soul Survivors“ ein arg strapaziöses Filmchen, das hin- und hergerissen zwischen Drama und Mystery kein Interesse weckt und inhaltlich kaum eine vernünftige Story erzählt. Die Schlussmessage gibt obendrauf dann noch den Zuckerguss. Hiervon sei ernsthaft abgeraten...

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