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Das der skandinavische Filmraum des Öfteren seine Nase vorne hat, wenn es um das europäische Grusel- und Spannungskino geht, dürfte eigentlich hinlänglich bekannt sein. Man denke nur an Filme wie "Nachtwache", "Spiel der Angst" oder "Dark Woods", welche allesamt mit zum skandinavischen Höhepunkt der europäischen Schauderwelle gehören. Und das nun nicht unbedingt aufgrund von irgendwelchen ausgefuchsten Ideen oder Geschichten, sondern es ist einfach die Inszenierung, die manchmal so derart präzise auf den Punkt gebracht wird, dass eiskaltes Gruseln einfach garantiert ist. So auch im neusten Slasher aus Norwegen, "Fritt Vilt". Eigentlich ein Slasher wie jeder andere, der aber aufgrund seiner Umsetzung, für Freude unter den Genre-Fans sorgen wird.

Auch "Fritt Vilt" kann nicht unbedingt mit einer ausgefuchsten Story aufwarten, sondern bedient sich in diesem Punkt an den üblichen Ideen und Klischees, die das Genre so mit sich bringt. Wieder einmal sind es mehrere Jugendliche, die in die Fänge eines rachesüchtigen Verrückten gelangen, der seine Wut, über ein 20 Jahre zurück liegendes Ereignis, an ihnen auslässt. Denn eigentlich wollte die Truppe aus fünf Jugendlichen zu einer Snowboarding-Tour in die norwegischen Berge aufbrechen, bereits am ersten Tag bricht sich einer von ihnen allerdings das Bein und die Freunde müssen nun notgedrungen in einem abgelegenen und verlassenen Hotel übernachten. Doch schon bald merken sie, dass sie nicht alleine sind. Denn in diesem Haus dürstet jemand nach Rache und diese müssen die Mädels und Jungs nun am eigenen Leib spüren... Verlassene Häuser, unerwartete Gäste und ein blutrünstiger Killer, der Rache für etwas nimmt, mit dem die Opfer eigentlich gar nichts zu tun haben, dass sind bekannte Ideen und Phrasen im Slashereinerlei, die man schon des Öfteren zu Gesicht bekommen hat. Innovationen, Logik, Sinn und Verstand sind deshalb natürlich kaum auszumachen, alles driftet auf bekannten Pfaden und Wegen vor sich hin. Doch die Wege haben es in sich.

Denn obwohl die Geschichte (wie so oft im Genre) nicht viel hergibt, verstehen es die Norweger dennoch, für wunderbare Spannung und eine knackige Atmosphäre zu sorgen. Wie es sich für einen spannenden Film gehört, dreht sich die Suspense-Schraube langsam aber beständig, um am Ende dann in einem Finale zu münden, das sich gewaschen hat. Sprich in den ersten Minuten passiert noch nicht wirklich etwas gruseliges, dafür werden aber die Figuren soweit ausreichend dem Zuschauer näher gebracht, dass er für sie so etwas wie Sympathien entwickelt und somit dann, wenn es wirklich losgeht, auch mit ihnen mitfiebern kann. Dafür sind die Teenies hier allesamt auch wirklich nicht unsympathisch geraten, sondern könnten durchaus aus dem Freundschaftskreis der eigenen Jugend entsprungen sein. Auch wenn sie natürlich ebenfalls Klischees bedienen, so sind sie dennoch nicht allzu unrealistisch gezeichnet worden, weshalb man am Ende eben mit ihnen mitzittert. Und das ist schon einmal ein Großteil, der zur Miete beiträgt.

Aber auch die Atmosphäre ist regelrecht beißend geraten. Angefangen bei der Kulissenauswahl der tief verschneiten Berge, in dessen Mitte sich plötzlich ein regelrechtes Haus des Schreckens aufzeigt, welches mit seinen verwinkelten Gängen, schon beim bloßen, groben Anblick, für ein Knistern in der Luft sorgt. Dann natürlich der subherbe Einsatz allerlei kühler und trister Farbfilter, die zu jedem Zeitpunkt exakt die Stimmung erzeugen, welche in dieser oder jener Szene gerade erwünscht ist. Auch wenn es manchmal schon ein wenig deprimierend wirken mag, denn der Streifen ist wirklich nahezu durchgängig in diese tristen Farbschemen gefasst, so wirkt sich dieser Punkt positiv auf die Atmosphäre aus, wie kein anderer. Und quasi als "Abrundung" kommt dann noch der beängstigend gut komponierte Score von Magnus Beite dazu. So muss das sein!

Gore-Freaks werden dagegen wohl nicht so ganz auf ihre Kosten kommen, denn der schmale Personenkreis von gerade einmal fünf (potenziellen) Opfern sowie einem Killer, schränkt schon einmal die Quantität in Sachen Kills gehörig ein. Dafür sind die wenigen Schlitzereien aber doch recht heftig geraten, denn eine Spitzhacke durchs Herz eitert nun einmal recht schwer raus. Leider wurden zwar auch einige digitale Blutspritzer dazwischen gemixt, doch wirklich stören tun diese dann doch nicht. Denn auf die Blutszenarios kommt es hier eben doch nicht so ganz an.

In Sachen Darsteller sieht es dann allerdings genauso durchwachsen aus, wie in den Slasherfilmen im Rest der Welt. Sprich auch die norwegischen Teenies hier sind nicht wirklich gut, können aber für Genre-Verhältnisse doch noch als "zufriedenstellend" bezeichnet werden. Für das ganz große Kino müssen zwar wirklich alle Gesichter noch etwas üben, aber für einen kleinen Horrorfilm passt das Gezeigte schon ganz gut.

Fazit: "Fritt Vilt" bietet somit alles in allem beste norwegische Slasherkost, die zwar in Sachen Story wirklich keinerlei Innovationen anzubieten hat und mitunter auch ein Genre-Klischee nach dem Anderen durchkaut, aufgrund seiner gekonnten, eiskalten und mitunter wirklich beißend atmosphärischen Umsetzung aber dennoch für wohlige Schauer, auf den Rücken sämtlicher Slasherfans, sorgen kann. Nimmersatte Genrefans werden also bestens bedient, aber auch gelegentliche Schlitzerfreunde dürften hier dran ihren Spaß haben. Nur Gore-Freaks sollten ihre Erwartungen zurückschrauben und sich vielleicht doch eher woanders umschauen. Freunde gepflegter, atmosphärischer Spannung greifen dagegen bedenkenlos zu!

Wertung: 7,5/10 Punkte

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