Und weiter gehts im Kino-Comedy-Jahr 2007 und zwar mit der neusten Oliver Kalkofe-Interpretation alter Edgar Wallace-Filme namens "Neues vom Wixxer". Nachdem das deutsche Komödienkino dieses Jahr ja doch recht mau angelaufen ist und mit "Die Aufschneider" eher Langeweile als Brüller zu bieten hatte, bahnt sich mit dem neuen Kalkofe vielleicht schon jetzt das große Highlight deutscher Comedy 2007 an, denn Bullys animierter "Lissy"-Streich wird sicher nicht an seine alten Filme anknüpfen können und "Neues vom Wixxer" steht seinem Vorgänger dagegen wirklich in nichts nach. Denn auch wenn es dieses mal mitunter unglaublich flach zugehen soll, am Ende hat man sich doch die Schenkel blutig geklopft vor Lachen.
"Neues vom Wixxer" ist im Grunde eine genauso liebevolle Homage und Abrechnung mit den alten Edgar Wallace-Klassikern, wie schon der Vorgänger. Wieder einmal haben die Drehbuchschreiber Kalkofe, Welke, Pastewka alles richtig gemacht, um das anvisierte Zielpublikum 90 Minuten königlich ablachen zu lassen. Das fängt schon bei der Geschichte an, die man besser und passender gar nicht hätte weiterspinnen können, auch wenn sie natürlich das Niveau einer Blödelgeschichte nie verläßt. Unsere beiden Inspektoren Very Long und Even Longer haben gerade erst den Wixxer zur Strecke und ins Kitchen gebracht, da taucht bereits ein neuer Wixxer auf, noch gefährlicher und tödlicher als sein Vorgänger. Und natürlich fackeln Long und Longer nicht lange, um erneut der Spur des Wixxers zu folgen, die sie dieses mal zum schmierigen Lord Dickham bringt, der mit der ganzen Sache doch äußerst stark verwickelt zu sein scheint. Und Zeit ist Geld, oder in diesem Fall sogar Leben, steht doch Longers Partner Very auch auf der Todesliste des Mörders. Werden es unsere beiden sympathischen Kommissare schaffen, den neuen Wixxer aufzuhalten?... Gut, diese Frage ist natürlich überflüssig, denn an ein fehlendes Happy End würde sowieso niemand glauben. Dennoch ist die Story durchaus spannend, bietet einige nette Wendungen und bietet einen Wixxer, den man am Anfang sicher nicht vermutet hätte. Das Fehlen jedweder Logik ist dabei natürlich klar, aber wenn stört das bei dieser Art Film schon? Das absolute Ah und Oh sind bei einer Komödie die Gags und in dieser Hinsicht funktioniert das Gezeigte einfach nur wunderbar.
Ja, was der Zuschauer hier geboten bekommt, ist wirklich Blödelhumor von der allerbesten Sorte, was vor allem daran liegt, dass die Macher nie etwas anderes vorhatten, als diese Art von Humor und die genau deshalb so bravourös zündet. Wieder einmal wird alles was beim guten E. Wallace nicht Niet- und Nagelfest war, durch den Kakao gezogen. Da wird zitiert was das Zeug hält und veralbert was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Egal ob Hexer oder Peitschenmönsch, ob Fuchsberger oder Flickenschildt, es wird persifliert, dass sich die Balken biegen. Oft flach, manchmal bissig, aber immer das Ziel genau ins Auge gefasst und ins Schwarze getroffen. Man kommt einfach aus dem Lachen nicht mehr heraus, wenn man sich z. Bsp. die ominöse Todesliste des Wixxers anschaut, ein trotteliger Inspektor den Sand aus verschiedenen Urnen schön säuberlich auseinanderfegt, dabei ein Kalauer den Nächsten jagt und die Dialoge wie "Wer schief geht, wird schief angeschaut, Chief Inspektor!" einem nur so um die Ohren fliegen. Sicher manches mag manchmal wirklich etwas arg flachgebügelt sein und so einige schwer verdauliche Blindgänger (Die Klaus Kinski-Verarsche in Form von Chucky Norris ist hier z. Bsp., im Gegensatz zum Original, komplett gegen die Wand gefahren worden) gibt es auch. Aber alles in allem ist dieser Wixxer wieder genau das, was man als Fan des ersten Films sehen will, auch deshalb weil auf den sonst so beliebten Fäkal-Humor wieder nahezu durchgehend verzichtet wurde.
Zumal auch auf die alten Werte des Vorgängers nicht verzichtet wurde. So darf der wunderbare Christoph Maria Herbst z. Bsp. auch dieses mal wieder den guten alten schnauzbärtigen Hatler spielen, dass es nur so eine Freude ist. Mehr noch als im ersten Teil zieht er dabei seine Vorlage durch den Kakao, weit besser wohl als wie es manch anderem Hitler-Persiflierer in letzter Zeit gelungen sein dürfte. So sind Dialoge wie "Ich habe kein Verständnis für ihre Nazi-Methoden", aus dem Mund Hatlers zwar ebenfalls flach, aber für einen Brüller immer noch mehr als gut zu gebrauchen. Und wenn Hatler dann bei einem Karaoke-Festival "I did it my Way" singt, und Herbst sein ganzes Können und Wohlwollen in die Performance hineinlegt, dann schäumt das Comedy-Faß manchmal fast schon über, ähnlich schon wie bei seiner Szene im ersten Teil, als er zu Hasselhoffs "I been looking for freedom" Sport treibt. Ja, Herbst ist auch dieses mal wieder eines der absoluten Glanzlichter des Films. Hinzu kommt dann auch wieder die Idee eines Nonnenklosters im ähnlichen Stil wie "Black/White-Castle" aus dem ersten Film, in dem sich das Treiben wieder nur in schwarz/weiß abspielt, abgesehen wenn mal eine Hochzeit bevorsteht und das Schloss per Schalterumlegung dann doch in Farbe erstrahlt, nur um diese Möglichkeit wieder in einem grandiosen Gag zu verwursten. In Schwarz/Weiß sehen halt doch alle Bombendrähte gleich aus!
Aber auch an einigen neuen Ideen mangelt es nicht. So wird der Streifen z. Bsp. mittendrin mal von einem gar herrlichen Werbeblock unterbrochen, in dem Kalkofe, ganz in alter Mattscheibe-Manier, über die Werbewelt von heute herzieht. Hat zwar mit dem Film im Grunde überhaupt nichts zu tun, zieht aber ungemein wohl noch mit die größten Lacher an sich. Oder auch die Menge von selbstverarschenden Cameo-Auftritten, die dieses mal noch weit zahlreicher sind, als schon beim Vorgänger. So kriegt Kalkis bester Freund Achim Menzel natürlich wieder einen herrlich selbstironischen Aufritt geschenkt, den Even Longer nur mit einem kühlen "So etwas Scheußliches habe ich noch nie gesehen" abtut. Oder Roberto Blanko und Bernd Clüver als Bodyuards namens "Der Puppenspieler von Mexiko" und "Der Junge mit der Mundharmonika", Roger Willemsen, der in "Schleim Life" eine gar herrlich schreckliche CD-Sammlung an den Mann bringen will und Hella von Sinnen, ebenfalls in einer herrlichen Mini-Rolle. Es ist doch verwunderlich, aber mindestens auch genauso schön, wie viele von Kalkis (früheren) Opfer anscheinend doch über sich selbst lachen können und ihm hier einen Auftritt spendieren, der ihnen selbst mitunter wohl nicht wirklich gut tun dürfte! Oder etwa doch?
Neben der ungemein hohen Humorkomponente ist es aber auch die Inszenierung, die wieder einmal herausragend ist. Hier steckt wirklich unglaublich viel Liebe an Edgar Wallace und seine Verfilmungen drin, die man hier in jedem Frame spürbar merkt. Angefangen bei den grandiosen Kulissen, die einen mit einen Schlag gleichmal 40 Jahre zurück setzen. Egal ob es das alte London, das schwarz/weisse Kloster oder Hatlers Irrenanstalt ist, die Ausstatter lebten bei der Kulissengestaltung wirklich durchgehend ihre Liebe und Verbeugung vor den alten Wallace-Filmen aus, so dass man als alter Fan dieser Filme nur Wohlgefallen daran finden kann. Dazu die stimmige Ausleuchtung mancher Szenen, geschickt gesetzte Kamerafahrten und Schnitte, sowie die tolle und höchst atmosphärische Musikuntermalung, von Harald Schmidts Hofkomponist Helmut Zerlett, sowie der Gruppe Madness. Hier wurde wirklich durchgehend saubere Arbeit abgeliefert, dem "Wixxer"- und "Wallace"-Fans eigentlich nicht genug dank zollen können.
Und auch die Darstellerleistungen können sich sehen lassen, wenn auch leider nicht durchgehend. Pastewkas Performance des Inspektors Very Long jedenfalls ist wieder einmal nur so eine Freude und beweist einmal mehr, dass er zur absoluten Elite der deutschen Comedy-Szene gehört. Schon in der letzten Zeit ist er ja des öfteren sehr positiv aufgefallen, man denke nur an seine geniale Comedy-Serie "Pastewka". Dieses Talent und diese Freude am Beruf, lebt er auch hier wieder spürbar aus. Hinzu kommt ein alt gewordener aber nicht minder unterhaltsamer Wolfgang Völz, sowie Joachim Fuchsberger, der sich dieses mal nicht nur köstlich selbst durch den Kakao zieht, sondern gleichzeitig auch das Feuer wieder entfachen kann, was er als Inspektor bei den wahren Wallace-Filmen schon kräftig geschürt hat. Und natürlich darf auch Christoph Maria Herbst nicht vergessen werden, der einfach noch einmal lobend erwähnt werden muss, sowie Christian Tramitz, der ebenfalls Spaß macht.
Oliver Kalkofe ist dagegen auch dieses mal noch kein wirklicher Schauspieler, auch wenn sich seine Performance gegenüber dem Vorgänger schon um einiges gebessert hat. Wirklich negativ fallen da eher die Damen ins Gewicht, als da wären Christiane Paul, als peinliche Lords-Tochter Victoria, Sonja Kirchberger in einer wirklich unsagbar schlechten Performance als Lady Dickham und Judy Winter, die von dem Dreiergespann zwar noch die beste Leistung abliefert, aber ebenfalls bei weitem nicht an ihre früheren Leistungen heranzukommen vermag. Schade eigentlich!
Fazit: Auch der zweite Wixxerfilm ist wieder einmal deutsche Comedy, sowie man sie sich nur wünschen kann. Angefangen bei der Geschichte, die clever weitergesponnen wurde und durchaus auch für so manch spannende Szene gut sein kann, sowie einige nette Wendungen parat hat. Dann der Comedy-Part, der zwar hier und da etwas unter Flachheit zu kämpfen hat, aber selbst diese noch auf eine absolut komische und schenkelklopfende Art und Weise präsentieren kann, dass man den ein oder anderen Blindgänger da locker übersehen kann. Abgerundet von einer unglaublich detailverliebten Inszenierung, sowie einer Darstellercrew, der man den Spaß an diesem Projekt nur zu jeder Sekunde ansehen kann. Auch wenn Kalki immer noch kein wirklicher Schauspieler ist und die weiblichen Darstellerinnen dieses mal allesamt austauschbar sind, so kann man dem Team Kalk-Welk-Pastew(ka) doch nur zu diesem geglückten Sequel gratulieren, das die Fans des Original definitiv rundum überzeugen wird.
Wertung: 8/10 Punkte