Kann das wirklich eine gelungene Parodie sein, wenn der einzig richtige Lacher am allerwenigsten mit Edgar Wallace zu tun hat?
„Neues vom Wixxer“ gestaltet sich in seiner Präsentation nicht mehr so fahrig wie der erste Teil und bindet einige Elemente ein, die einer kleinen Hommage gleich kommen.
Das ist charmant, wird auch flott erzählt, ist aber leider selten witzig.
Im Mittelpunkt stehen einmal mehr Bastian Pastewka und Oliver Kalkofe, die als Very Long und Even Longer einen neuen Wixxer jagen. Die Spur führt sie zum Aristokraten David Dickham (Joachim Fuchsberger) und dessen Tochter Victoria, mit der Even Longer ein heimliches Verhältnis hat. Doch schon bald stellt sich der erste Mord ein und auch Very Long steht auf der Todesliste des Wixxers.
Die Leute um Kalkofe können sich drehen und wenden wie sie wollen, eine ordentliche Parodie rund um die alten Edgar Wallace Filme scheint mir schon deshalb nahezu unmöglich, weil einige Originale (die mit Eddie Arendt) bereits selbstparodistische Züge aufweisen. Wirklich viel kann man dabei nicht herauskitzeln, außer eben einige Storyelemente lose aneinanderreihen, damit man zumindest noch die klischeebedingten Abläufe wieder erkennt.
So ist der Inspektor natürlich heimlich mit der Tochter liiert und schwankt zwischen Angst und Hochachtung gegenüber dem Vater. Einen Bruder hat er auch, doch der war schon immer erfolgreicher. Und wenn es um die Jagd auf den Killer geht, vernachlässigt man schon mal den Kollegen, der sich zwischenzeitig alleine mit dem Wixxer herumschlagen muss.
Und die Identität des Killers unter der Maske? Wird mit Sicherheit nicht auf den ersten Blick geklärt werden.
Ein leichtes Schmunzeln entsteht immer dann, wenn Reminiszenzen in den Vordergrund treten. Wenn ein ehrwürdiger Fuchsberger in Hinblick auf seine früheren Einsätze als Inspektor mit Heinz Drache verwechselt wird, Chris Howland als Diener („Ich komme aus Deutschland“) die Pforte eines Anwesens öffnet und sich in einer düsteren Nacht ein weiß gekleidetes Klaus Kinski Double aufmacht, um eine Falle zu präparieren.
Dazu eine Nonne (Judy Winter), die mehr zu wissen scheint und ein Sir John (Wolfgang Völz), der immer die Ruhe weg hat.
Doch leider wiederholen sich einige Ideen, die man bereits aus dem ersten Teil kennt. Nun wird nicht mehr ein Schloss in Schwarzweiß gehalten, jetzt ist es ein Kloster. Erneut wurde eine unnötige Bullet-Time-Szene untergebracht und Hatler (Christoph Maria Herbst) fungiert nicht mehr als Butler, sondern als Leiter einer Psychiatrie. Leider wird letzterem etwas viel Screentime zugesprochen, das Ganze verkommt zwischenzeitlich zu einer überkandidelten Hitler Parodie.
Gelungen sind da eher einige absurde Übersteigerungen, denn man hat es innerhalb einer Minute Laufzeit tatsächlich geschafft, Szenen aus „Exorzist“, „Green Mile“ und „Schweigen der Lämmer“ zu einer grotesken Situation zu vermengen. Daneben wirkt ein Kindergeburtstag in der Pathologie nur nett, ebenso wie die Einbindung der berühmten Karte der „Drei Fragezeichen“ (mit Sicherheit Pastewkas Idee) oder ein Schnellkurs im Benehmen.
Schwächer bis ganz platt fallen durch die Bank sämtliche Wortspielereien („Schief-Inspektor“) aus.
Den humoristischen Höhepunkt bringt aber eine ungeahnte Sequenz mit Werbeunterbrechung für Klingeltöne, SMS und einer riesigen CD-Sammlung („Wenn sie jetzt anrufen, erhalten sie von uns eine Handvoll Sand“). Da kommt zwar klar „Kalkofes Mattscheibe“ zum Vorschein, bringt aber für einen Moment komplett frischen Wind in das Geschehen.
Obgleich das ja nicht wirklich lahmarschig abläuft oder sich mit unnötigen Szenen aufhält.
Im Gegenteil, das Tempo ist fast konstant hoch und wird durch diverse Cameos und Gastauftritte noch deutlich kurzweiliger gestaltet. Da tauchen sogar totgeglaubte Gestalten wie Frank Zander, Bernd Clüver oder Vader Abraham (auch wenn man auf das ewige Schlumpf-Lied hätte verzichten können) auf.
Das birgt einen ähnlichen Fun Faktor wie Ottos Zwerge: Bekannte Gesichter, mit denen man nicht gerechnet hat, gestalten das Geschehen abwechslungsreicher.
Die bekannten Gesichter agieren bei alledem auf höchst unterschiedlichem Niveau:
Kalkofe ist zwar kein Darsteller, verkörpert den Trottel aber nach wie vor gut. Pastewka ist ein nuanciert agierender Comedian, der es versteht, mit einfachen Gesichtsausdrücken das Publikum zu erheitern. Oli Welke fällt überhaupt nicht auf, Tramitz` Figur ist komplett unnötig, aber Herbst ist gut wie immer. Völz, Fuchsberger, und Howland sind ohnedies über jeden Zweifel erhaben, nur die Damen agieren hier durch die Bank unterirdisch. Judy Winter ist noch brauchbar, doch Sonja Kirchberger ist bereits schlimm, während Christiane Paul als Victoria Dickham nahezu jede Amateurleistung unterbietet.
Doch was bietet „Neues vom Wixxer“ dem Publikum im Zuge deutscher Komödien?
Manchmal ist das Treiben so hirnlos wie die Bully-Parade, zuweilen bleibt der Wortwitz auf dem Niveau einer der letzten Otto Filme stecken. Doch manchmal erreicht man tatsächlich die „internationale“, nicht so berechenbare Pointiertheit einer Abrahams/Zucker Produktion zu ihren besten „Nackte Kanone“ Zeiten.
Das Projekt ist also ausbaufähig und eine Steigerung gegenüber dem ersten Teil ist bereits auszumachen. Ein dritter wird gewiss folgen, bei dem zu hoffen bleibt, dass man sich den alten Wallace Streifen inhaltlich (soweit möglich) noch stärker annähert und ein paar der bereits angestaubten Gags im Keller lässt.
6 von 10