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Nach dem Mord an seiner Mutter sitzt ein österreichischer Komplettpsychopath (ERWIN LEDER) seine Zuchthausstrafe ab und monologisiert über die Angst als Triebfeder für alles. Nach der Entlassung formuliert er dem Zuschauer seinen ersten Gedankengang: Mord an einer Frau. Der Versuch, eine Taxifahrerin zu strangulieren schlägt fehl und so bricht der Mann in eine abgelegene Villa ein, wo er auf die abwesenden Einwohner wartet. Als diese, eine junge Frau, ihr geistig zurückgebliebener und an der Rollstuhl gefesselter Bruder, sowie die alte Mutter nach Hause zurückkehren, beginnt ein Kreislauf aus körperlicher und psychischer Gewalt gegen die Wehrlosen..
Schnitte wie hektischer Atem oder kranke Gedankenstöße, und eine Kameraführung die stellenweise in der Froschperspektive oder auch mal mittels ad absurdum geführter Subjektivität an der Hauptfigur klebt, lassen dem Zuschauer keine Zeit zur Erholung. Düster-verdreckte Kameramalereien im Stil anderer wahnsinniger Filmhexer aus unserem Nachbarland, wie ULRICH SEIDL (Tierische Liebe, Der Busenfreund) oder dem frühen MICHAEL HANEKE, erzeugen ein Gefühl schieren Unbehagens. Das bei Filmschaffenden allerorten recht unpopuläre Stilmittel des Voiceovers – hier in der Form des inneren Monologes – macht einen Großteil des Reizes von ANGST aus. Unbarmherzig fressen sich diese Bandwürmer immanenter Mordgedanken und angstpsychotischer Dsytopien in die Hirnwindungen des Zuschauers und finden ihre kongeniale Figurierung in ERWIN LEDERS Darstellung eines schlussendlich verletzten wie auch gehetzten Menschen, basierend auf der wahren Geschichte des Salzburger Mörders WERNER KNIESEK. Gehetzt, auf der Jagd nach der Verwirklichung des Idealbildes eines perfekten Mordes. LEDER hat bei WOLFGANG PETERSENS Neuen Deutschen Brüllepos DAS BOOT mitgespielt und dürfte jüngeren Horrorfans durch seine Mitwirkung im idiotischen Ledermantelwerbespot UNDERWORLD bekannt sein, wo er den Wissenschaftler auf Seiten der weinerlich windelnden Werwolfswichslinge spielt. Regisseur GERALD KARGL ist nach dem, immerhin bereits vor 22 Jahren veröffentlichten ANGST seltsamerweise nicht mehr in Erscheinung getreten. Mysteriöse Erscheinungen.
Urteil:

Wer sich für österreichisches Wahnsinnigenkino oder die Serienkillerthematik im Film erwärmen kann, soll hier zugreifen. ANGST ist der Film, der dem guten JÖRG BUTTGEREIT einmal ein Double Feature mit seinem SCHRAMM versaut hat. Wenn es ein Prädikat für einen Film gibt, dann dieses.

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