Review

Huuui,da stehen einem die Nackenhaare zu Berge.Erwin Leder spielt den Massenmörder mit einer Intensität,daß man ihm jede Gewaltexplosion abnimmt.Dazu kontrastierend eine Stimme aus dem Off(die diesbezügliche Ähnlichkeit mit "Uhrwerk orange" ist sicher mehr als Zufall),die scheinbar sachlich neutral,aber immer aus der Perspektive des Protagonisten ,den aktuellen Gefühlszustand wiedergibt.
Der Inhalt ist schnell wiedergegeben:Aufgrund seiner Verstellungskünste wird ein Mörder vorzeitig aus der Haft entlassen.Sofort regen sich in ihm sadistische Triebe.In einer alten Villa explodieren seine Gewaltphantasien...
"Angst" ist mehr als ein herkömmlicher Slasher.Sicher absolut nichts für zart besaitete Gemüter,aber auch nicht ohne tieferen Sinn.Die exorbitante Gewalt könnte jeden von uns treffen.Ganz bewußt hat Regisseur Gerald Kargl eine großbürgerliche Villa als Schauplatz gewählt.Die Opfer haben mit dem Täter absolut nichts gemein,sie sind willkürlich ausgewählt und haben sich nichts zu Schulden kommen lassen.Sie sind nichts anderes als Lustobjekte,völlig entmenschlicht,selbst ein Hund hat einen höheren Stellenwert(ausgesprochen zynische Bilder!).Die Gewalt kommt so unmittelbar in jedes gutbürgerliche Wohnzimmer und das macht uns allen Angst.
Der Film lebt ,wie gesagt,erstens von einem grandios aufspielenden Erwin Leder.Immer gehetzt wirkend,lebt er einzig für diesen Rausch der Gewalt.Da ist nichts Durchdachtes,auch wenn dies durch das Voiceover suggeriert wird,über allem liegt dieser fatale Geruch von Angst.Nicht minder großartig ist die Kameraführung.1983 gab es noch kein Dogma und doch zieht Kargl mit seinem Kameramann (der muß Erwähnung finden!) Zbigniew Rybczynski alle Register.Gefilmt wurde vielfach mit der Handkamera,lange Fahrten auf speziell für den Film gebauten Kranen erinnern an Großmeister Dario Argento.Völlig innovativ war eine am Kopf des Schauspielers installierte Kleinkamera,die eine entfremdende Perspektive ermöglichte.Überhaupt,dieses Spiel mit der Perspektive,das ist großes Kino.
Dazu kommt noch als Drittes ein aufputschender Score,der seinesgleichen sucht.Verantwortlich dafür zeichnet Klaus Schulze (Tangerine Dream ).
"Angst" ist auch 20 Jahre nach seiner Entstehung ein verstörender Film,ein Film der in seiner Brutalität schockt.Nach eigenem Befinden würde Kargl den Film heute mit wesentlich weniger Gewalt-Elementen drehen,doch ich glaube "Angst" würde damit um eine Dimension ärmer.Die Geschichte des Salzburger Massenmörders Werner Kniesek ist nun einmal unerträglich und der Film bildet diese in meisterhafter Radikalität ab.Kargl hat sich für diesen Film hoch verschuldet und dieses Herzblut merkt man dem Ergebnis an.Ein lange vergessenes Meisterwerk ist zu neuem Leben erweckt worden.Von mir gibt es 9 von 10 Punkten.

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