Versuchter Mord an der eigenen Mutter: 4 Jahre Knast. Der darauf folgende Mord: 10 Jahre Knast. Kaum wieder in Freiheit verspürt ein Mann noch immer augenblicklich den Drang, Menschen zu töten. Zielstrebig sucht er die Gelegenheit und findet diese in Form einer abgelegenen Villa, in der er drei Personen als Geiseln nimmt und beginnt, diese zu quälen... Fast schon nüchtern kommentarlos abgelichtet wirkt dieses Psychogramm eines verstörten Menschen, regelrecht ernüchternd beschreibt Robert Kargl seinen Protagonisten, der in Grundzügen auf dem authentischen Fall Werner Kniesek aus Salzburg basiert. Mit einer sehr bewegten Kamera, die oftmals an der Hauptfigur klebt, ähnlich, wie es später in "Pi" oder "Freeze Frame" zu sehen ist, und einer Überstimme, die emotional sein Leben resümiert. Ein trauriges, armseliges Leben mit asozialen Kindheitserlebnissen, die sich in der Gegenwart als Sadismen eines Gewalttäters manifestieren. Der eruptive Ausbruch dessen ist ein Schockerlebnis, wie man es nicht alle Tage sieht, was die Realitätsnähe angeht, das gleiche gilt für die Opferwahl, eine ältere Frau, ihre Tochter und ihr behinderter Sohn. Seine Rache für all die ihm widerfahrene Pein trifft offenbar willkürlich seine Opfer in einem eigentlich wohl behüteten Mittelstandsgefüge, ähnlich, wie es in "Funny Games" der Fall ist. Nicht nur zartbesaitete Gemüter bekommen einen Eindruck von der Angst vor solch einem Übergriff, denn eigentlich beschreibt "Angst" auch die des Täters vor sich selbst, vor dem inneren Schweinehund und der Lust am Töten, ohne tiefergreifend philosophisches Motiv. Konsequent aus seiner Sicht erzählt zwingt Gerald Kargl den Zuschauer dazu, die Sichtweise eines derangierten Triebtäters einzunehmen, ein harter Stoff, der nahe am Geschehen und der authentisch wirkenden Person umgesetzt ist. So besteht der Reiz dieser deutsch-österreichischen Produktion auf minimalistischer Ebene in der erschreckenden Nachvollziehbarkeit der Figur und seinem entgleisten Schicksal, die gleichzeitig in ihrer Vorgehensweise fast schon grotesk hemmungslos wirkt. Die Performance von Erwin Leder (der Maschinist aus "Das Boot") als innerlich aufgewühlter und erregter Mörder in Aktion ist fast schon die halbe Miete, zudem untermalt von einem klasse Synthiescore Klaus Schulzes, einst Pionier bei "Tangerine Dream". Die direkte, unmittelbare Darstellung von solchen sexuell motivierten Gewaltverbrechen in der Nähe von "Mosquito - Der Schänder" oder auch der späteren "Henry - Portrait Of A Serial Killer und "Schramm" ist sicher nicht jedermanns Sache und wird einige Betrachter vor den Kopf stoßen, ein vordergründiger Splatterfilm ist das allerdings mitnichten, sondern ein Psychothriller mit wenigen, blutigen Horrorelementen. Für seine Entstehungszeit zweifellos ein Meilenstein des österreichischen Genrekinos, der auf die üblich groß angelegte Moral verzichtet. Wie angenehm unangenehm.
Fazit: Angst als Triebfeder eines Serienmörders kann wunderbar in seiner herben Art als mulmig-beklemmendes Gefühl auf den Zuschauer umschlagen. 9/10 Punkten