Selten fiel es mir so schwer, eine Review über einen Film zu schreiben! ANGST wirkte auf mich beim Schauen mit zwei extrem polarisierenden Eindrücken; Abscheu, aber auch eine gewisse Faszination breiteten sich in meinem Gemüt aus. Auf der einen Seite der zwar perfide, pervers und widerlich wirkende Hauptdarsteller, der aber, ich denke das kann man sagen, ohne jemals im realen Leben einen Psychopathen auf der "Suche nach Fleisch" gesehen zu haben, mit einer nicht in Worte zu fassenden Brillanz und Authensität seinem Charakter ein Leben und einen Wahnsinn einhaucht, dass man sein Schauspiel mit Haut und Haaren frisst. Auch der Kamerastil ist sehr passend, und mitreißend. Im Gegenpol dazu stehen aber wirklich widerliche Szenen, die, kombiniert mit dem intensiven Spiel des Prota-, bzw. Antagonisten, teilweise etwas arg happig sind.
Es macht einfach einen riesigen Unterschied, ob man sich einen MANIAC (William Lustig) oder einen THE HILLS HAVE EYES (Remake, Alexandre Aja) anschaut, in denen zwar, was ihre Visualität angeht, viel stärkere Szenen vorhanden sind, oder ob man es mit einem Film zu tun hat, der praktisch in Echtzeit und ohne jegliche filmische Tendenz einen Psychopathen auf der Suche und bei der Tötung nach Opfern begleitet. Das liegt hier nicht einfach nur an der Optik (Handkamera, Bodycam und teilweise Follow- und Steadycam), sondern an der gesamten Art und Weise, mit der ANGST die authentische Stimmung auf den Zuschauer projeziert.
Zu meckern habe ich eigentlich nur den teilweise etwas überdosierten Synthesizer-Soundtrack, den man sich in 99% aller Szenen hätte sparen können. Ansonsten muss man sagen, dass man eine Thematik wie diese wohl kaum realistischer und stimmiger abdrehen kann.
Keine Punktvergabe, aber ein Geheimtipp für alle Hartgesottenen!