Mit „Angst“ lieferte der österreichische Regisseur Gerald Kargl 1983 ein erschreckend authentisches, auf dem Fall des kranken Mörders Werner Kniesek basierendes Psychogramm eines psychisch derangierten Mannes ab, der direkt nach seiner Haftentlassung wahllos auf der Suche nach seinen nächsten Opfern ist und diese in einer Familie findet, die er in deren Villa überfällt. Der dokumentarische Stil verzichtet auf großes Brimborium und zeigt die Geschehnisse aus der Sicht des Mörders – der aus dem Off seine eigenen Taten und seinen Gemütszustand kommentiert. Die minimalistische Beschränkung auf die Perspektive des Mörders wird zu einem beängstigenden, beklemmenden Martyrium für den Zuschauer, das meilenweit von üblichem Unterhaltungskino entfernt ist, woran die schauspielerische Leistung Erwin Leders einen großen Anteil hat. Der besondere Kniff ist dabei die hervorragende, progressive Kameraarbeit, die die Subjektivität auf die Spitze treibt. Auch vor der expliziten Darstellung von Gewalttaten wird nicht zurückgeschreckt, was „Angst“, untermalt von einem interessanten Synthesizer-Soundtrack, insgesamt zu einem schwereren Brocken als andere Serienmörder-Filme macht, der erst einmal verdaut werden will. Großartiges, ambitioniertes, österreichisches Independent-Kino, das den Zuschauer eiskalt erwischt und nachhaltig zu verstören vermag.