Review

Er verbreitet mehr depressive Stimmung als durch spannende Szenen Gänsehaut zu erzeugen, - darauf sollten sich auf jeden Fall Zuschauer einstellen, die in Joshua einen zweiten Damian zu finden hoffen. Übersinnlich ist hier rein gar nichts und obwohl die Geschichte an sich einen recht intelligent ausgeklügelten Stoff hervorbringt, muss man übermäßig lange auf mitreißende Szenen warten.

Und mit Klischees geizt die Umsetzung auch nicht: Joshua ist bereits rein äußerlich das Abziehbild eines Wolfes im Schafspelz: Schwarzes Jackett, weißes Hemd, Krawatte, dunkler Scheitel und stechend kleine Augen. Die meiste Zeit läuft er mit dem Gesichtsausdruck eines Michael Ballack beim Siegtreffer gegen Österreich bei der diesjährigen Euro durch die Gegend und verbreitet damit kaum Schrecken.
Es ist mehr die perfide Art seiner Spielchen, die seine Eltern Brad und Abby seit der Geburt des Schwesterchens in den Wahnsinn treiben.

Dieser Schrecken verbreitet sich jedoch sehr schleichend, für meinen Geschmack zu gemächlich. Sicher wird bereits beim gemeinsamen Klavierspiel mit dem Onkel Joshuas isolierte Situation deutlich, die Eifersucht auf das Neugeborene, die Unsicherheit gegenüber den Eltern. Doch lange Zeit wähnt man sich eher in einem ereignislosen Familien-Drama als in einem Psycho-Thriller. Immer wieder Szenen mit der psychisch angeschlagenen Mom, die 17 Jahre ihres Lebens bei Therapeuten verbrachte (offenbar ohne deutlichen Erfolg, wie einige genervte Zuschauer bald feststellen müssen), Dad mit seinem Job als Banker mit Blick auf die Börse unter Druck, Druck ablassend beim Squash, während Joshua – zumindest für den Betrachter sichtbar – nichts weiter unternimmt, als unvermittelt in einem Zimmer aufzutauchen, so als Leitmotiv am Rande.

Zu lange wartet man auf mitreißende Szenen, die sich vermehrt gegen Ende finden. Man spürt förmlich, wie das Skript mit aller Mühe auf ein sich entladendes Finale hinarbeitet, Schock – oder Grusel-Elemente weitgehend außen vor lässt, nur um zum Schluss die Bombe platzen zu lassen, deren Nachhall dann doch nicht allzu lange anhält.
Dank überaus routinierter Inszenierung, welche angenehm altmodisch und doch versiert ausfällt (schlüssige Farbgebung wie etwa bei der Klavierszene vor Eltern-Publikum), ruhige Einstellungen ohne unnötige visuelle Schnörkel, muss man zumindest auf dieser Ebene keinerlei Abstriche machen.

Inhaltlich geht es jedoch spätestens mit dem unglaubwürdigen Vorgehen einer Kinderpsychologin bergab, die Joshua ganz schnell überzeugt, ohne dass die die entsprechenden Schritte einzulenken weiß. Zwar nimmt die Atmosphäre an Dichte zu, die bis dato durchschnittlichen Darstellerleistungen geraten in deutlich überdurchschnittliche Bahnen, doch immer wieder lassen kleine Unglaubwürdigkeiten keine durchweg gegebene Schlüssigkeit zu. Vielleicht auch, weil man Joshua bei Durchführung seiner Pläne nie zu Gesicht bekommt, sondern am Ende mit den Resultaten konfrontiert wird, - so ist der Gesamteindruck der Glaubwürdigkeit abhängig davon, inwieweit Jungdarsteller Jacob Kogan den Zuschauer zu überzeugen weiß. Die Charakterisierung, die über einen unterkühlten Neunjährigen, der Emotionen allenfalls nur den Erwachsenen nachäfft, nicht hinaus kommt, vereinfacht es nicht unbedingt.

Und so entsteht ein recht zwiespältiger Eindruck: Inszenatorisch überaus souverän, darstellerisch treffend besetzt und ordentlich performt, doch inhaltlich mit deutlichen Schwächen behaftet, sowie erzählerisch streckenweise zu ausladend und lahm.
Zumindest lernen wir daraus, dass ein Teufelskind nicht immer gleich Kreuze vom Kirchdach telepathieren muss, um Aufmerksamkeit zu erlangen, manchmal wird eine teuflische Veranlagung mit mehr Nähe zur Realität geboren, als man zunächst vermuten mag…
Knapp
6 von 10

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