Vier Gangster im Italien der 70er Jahre erbeuten eine Tasche mit Lohngeldern, verlieren auf der Flucht einen der Ihren, nehmen Geiseln, wechseln schließlich das Fluchtfahrzeug mit erneuter Geiselnahme und sind fortan auf der Flucht. Was sich nach routinierten Krimi anhört, entwickelt sich zu einem stringent erzählten Psychodrama zwischen den einzelnen Akteuren, deren gemeinsamer Mikrokosmos sich fast den ganzen Film lang auf einen hellblauen Opel-Kombi beschränkt.
Altmeister Mario Bava inszenierte hier einen Film, dessen ganze Handlung vom Spannungsverhältnis der Fahrzeuginsassen untereinander bestimmt wird. Der Anführer der Gangster, der sich Doc nennt, hat bald mehr Mühe mit den beiden eher unterbelichteten Mittätern auf der Rückbank (die der weiblichen Geisel in ihrer Mitte an die Wäsche wollen) als mit dem Fahrer Ricardo, einem älteren Mann, der ein kleines Kind dabei hat das er vorgeblich schnell zum Doktor fahren muß. Doch je weiter die Flucht dauert, je sicherer sich die Gangster auf einer wenig befahrenen Landstrasse wähnen können, desto mehr sieht der Doc seine Autorität untergraben. Wie werden sich die Geiseln verhalten, wenn man in einen Stau gerät? Verhilft ihnen ein Auffahrunfall zur Flucht? Wie lange reicht das Benzin noch, und muß das kleine Kind im Auto nicht schnell zu einem Arzt? Genügend Zutaten für einen spannenden Thriller. Die Darsteller (die 3 Gangster z.B. sind bekannte Gesichter aus Western bzw. Giallos) spielen jederzeit absolut überzeugend, Erzähltempo und Kameraschnitt sind ebenso wie die deutsche Synchro der Story angemessen und lassen den Zuseher geradewegs "mitfahren".
Geschickt vermeidet Bava die graphische Darstellung heikler Szenen: Da muß Maria, die weibliche Geisel zur Strafe für einen Fluchtversuch zwar vor den Gangstern das Höschen runterlassen und pinkeln, da erklärt "32" seinen Gangsternamen mit der Präsentation seines entsprechenden Körperteils und schließlich muß auch von der Waffe Gebrauch gemacht werden, dennoch findet diese Gewalt fast nur im Kopf des Zuschauers statt. Ein wenig hellrotes Kunstblut unterstreicht die jederzeit dominante Mimik und Rhetorik. Das Filmende hat dann noch eine fiese kleine Wendung parat, die einem ein Schmunzeln abnötigt...
Rabid Dogs wurde erst Jahre nach Drehschluß veröffentlicht - ob und inwieweit der Film noch größere Veränderungen durch den Regisseur erfahren hätte, sofern ihn dieser noch vor seinem Tod fertiggestellt hätte, vermag ich nicht zu beurteilen. Mir persönlich ging das Erreichen des Fluchtpunktes inkl. Showdown und der nochmalige Fahrzeugwechsel etwas zu schnell - dennoch bleibt der Eindruck eines sauber inszenierten, kleinen aber feinen Thrillers - 7/10 Punkten.