Review

Wer kennt es nucht: man ist auf eine Neuveroffentlichung total scharf und findet dann nach circa 10 Minuten Spielzeit irgendeinen Grund, der einen kapitulieren und den betreffenden Film jahrelang in der Schublade vergessen lässt. Bei Mario Bavas "Wild Dogs" war ich schon ob seines Status als ehemals verschwundenes Werk und der Mitwirkung Luigi Montefioris scharf auf den Streifen. Montefioris ließ mich lustigerweise dann aber abbrechen, wobei das eher ein Problem der DEUTSCHEN Lokalisierung war: bei aller Liebe, aber Jens Wawrczeck auf den Maneater geht gar nicht!

Jetzt holte ich den Film aber doch nochmal hervor und merkte: nicht nur geht Jens Wawrczeck auf Maneater stimmlich sehr gut, nein, der Film ist auch noch dafür, dass er zu 90% aus Autofahrt besteht ziemlich gut und zurecht 1997 vor dem cineastischen Vergessen gerettet worden. Schade nur, dass Bava das auf dieser Welt nicht mehr miterleben durfte.

Als Fernsehfilm konnte man den Streifen auch "Der Doktor und das liebe Mistvieh" nennen, denn besagter Doc - hier ein Gangster, kein Arzt - hat den ganzen Film über alle Hände und Waffen voll zu tun, um seine Mitstreiter, den Messerscheinger Bistura und den triebhaften 32, nach einem misslungenen Raubüberfall im Zaum zu halten.

Drei Geiseln - eine wahllos eingefangene Frau sowie ein älterer Herr mit schwerkrankem Kind im Gepäck - sollen den Dreien die Flucht ermöglichen. Und tatsächlich kommen sie mit Hilfe der Drei relativ zügig voran, während man innerhalb des Wagens aber immer nur ein Wort, ein falsches Zucken, einen verdächtigen Blick von der nächsten Eskalationsstufe der Situation entfernt ist: jede Chance auf Rettung, jede Fluchtmöglichkeit könnte sich als Streichholz im fahrenden Pulverfass erweisen. Als ob die Insassen nicht bereits genug Explosionsgefahr mit sich bringen...

Bava verschwendete keine Zeit: im Intro werden wir in in farblich verfremdeten Bildern direkt in den Überfall hineingeboren und kommen so schnell auch nicht mehr raus. Und so ekelhaft sich die Geiselnehmer um den Doktor auch nachher entpuppen, so sehr fiebert man zumindest hier, aber auch an späteren Stellen mit ihnen. Zumindest, bis Luigi Monefiori und Aldo Caponi mal wieder über die Strenge schlagen und sich die Autofahrt gen Freiheit mit unpassenden Späßen und Rohheiten vertreiben, die immer wieder am Verhängnisvollen vorbeischrammen. Stlevio Cipriani gibt bei der Reise den depressiven Ton an und macht auch auf Klangebene klar, dass hier so gut wie nichts gut enden wird und am Ende alle Gangster Klischees hinfällig sind. 

Geiselsituationen im fahrenden Auto hatte ich zuletzt unter dem Motto "Wenn du krepierst lebe ich!" auf dem Fernseher flimmern und auch, wenn der mir etwas besser gefiel, will ich diesen Bava hier nicht missen: 1997, als ein gewisser Wuentin Tarantino seinen dritten Film in die Kinos sandte und seinem bisherigen Werk sei Dank nicht nur das Gangsterkino, sondern auch so mancher Altmeister sein Comeback in die DVD-Regale feiern durfte kamrn die wilden Hunde gerade Reichtum einen gefühlskalten Gegenpol zu den schwarhumorigen "Reservoir Dogs" zu bieten. Dass der Film dies mit Lea Leander ausgerechnet der der Darstellerin der vom Doktor und seinen Schergen brutalisierten weiblichen Geisel verdanken zu haben klingt eigenwillig, scheint aber dafür zu sprechen, dass man an den Erfolg des Filmes glaubte. 

In meinen Augen hat sich das damalige Warten ausgezahlt, nicht nur den Film betreffend: auch in Synchronfragen wurde der Film gelungen übertragen, wobei vor allem "Bstman" Eberhard Haar neben 32 heraussticht. Andere Filme, die gerne den Laien aus der Nebenwohnung des Studios casteten, um in einen Film eine vorher unveröffentlichte Szene zu synchronisieren, konnten sich hier man ein Scheibchen abschneiden, wenn sie sich nicht zu fein oder gar Sprecher nicht so teuer währen. 

Fazit: jeder, der sich für Mario Bava und die Vielseitigkeit seines Werkes interessiert sollte hier einen Blick riskieren. Aber auch Genrefreubde des Poliziotescosollten das hier ganz dringen in ihre Sammlung aufnehmen oder zumindest mal gesehen haben.

Details
Ähnliche Filme