Review

Alle Jahre wieder kommt uns Hollywood mit einem High School- oder College-Romantic-Comedy-Movie und dann müssen wir entscheiden, ob wir uns dem gängigen amerikanischen Geschmack mal wieder anpassen wollen.
Auch "Natürlich blond" fällt in diese Kategorie, eine knuddelige Patchworkdecke aus verschiedenen College- und Jugendkomödien zusammengebastelt und mit ausreichend unterhaltsamen Pointen eingedeckt, um aus dem Meer der Mittelmäßigkeit ein gehöriges Stück herauszuragen.

Wo hier geklaut wurde, ist offensichtlich. Der ganze Film kommt zunächst her wie eine flotte Neuauflage von "Clueless", wo die Titelfigur ebenso herzensgut und funktionell wie realitätsfern war und einen Stil zu Markte trug, von dem einem allein bei der Farbwahl die Brille beschlägt. Sitzengelassen vom arroganten Freund gibt unsere Hauptfigur Elle (treffender Name für jemanden mit einem Abschluß in Modemarketing) jedoch nicht auf, sondern springt gleich in die nächste Neuauflage der Fish-out-of-Water-Story, wo sie als Blondchen mehr oder minder gut im steifen Harvard aneckt. Natürlich will sie der Freund auch jetzt nicht, seine Neue ist `ne Zicke und die Professoren sind schrecklich gemein, doch der Film hält sein Tempo beachtenswert aufrecht, um schließlich für das Schlußdrittel in einer Kopie des Judd-Nelson-Films "Karriere mit links" zu münden, wo ebenfalls ein Frischling zum Juristenschlager wird.

Wer angesichts dieser dreisten Plotklauerei jetzt fragt, weswegen man sich diese Bastelei überhaupt antun sollte,
der kann beruhigt werden. Zum einen sind sämtliche Übergänge relativ fließend gelungen, denn ein konstantes Tempo war wohl oberstes Ziel. Dann ist das gesamte Geschehen tatsächlich verhältnismäßig witzig. Zwar erkennt man diverse Bausteine der Story aus hunderten anderer Filme und auch die Vorhersagbarkeit feiert Triumphe, doch ein Strauß sympathischer und veränderbarer Typen und eine überraschende Menge wirklich guter Witze und Sprüche sorgt für beständige gute Laune.
In Fahrt hält den Film auch die Tatsache, daß Elle zwar optisch fehl am Platz zu sein scheint, aber ihr Aussehen und Verhalten keinesfalls Entsprechung in ihrer Intelligenz finden. Hochbegabt und unterschätzt, das macht hier das Wesentliche der Story aus.

So ist denn auch der Erfolg des Films an der deutlich ausformulierten Botschaft zu erklären, die besagt, daß man trotz aller äußerlichen oder von der Umwelt angenommenen Mängel stets nur auf sich selbst und seine Talente und nicht auf andere Meinungen vertrauen sollte, wenn man was aus sich machen will. Freiheit zur Selbstbestimmung, das kommt bei den gequälten US-Teenagerseelen natürlich hervorragend an und es spricht nichts dagegen, wenn sich auch die Deutschen in diesem Film heimisch fühlen.

Wer will, darf natürlich herzlich meckern, dies sein weder neu noch innovativ und eventuell tiefschürfend, aber darauf kommt es dem Film auch nicht an. Positive Grundeinstellung auszustrahlen und zu unterhalten ist der Wille und dazu ist "Legally Blonde" durchaus in der Lage.

Das liegt nicht zuletzt an einer gut aufgelegten Reese Witherspoon, die so richtig unter Dampf spielen darf, inclusive Mimik und Grimassen, sowie ein paar Kostümen, die den Designern die Fußnägel aufrollen werden.
Der Rest des Casts ist durchweg gut aufgelegt, vor allem Selma Blair ("Eiskalte Engel") gelingt es, unter ihrer Zickigkeit nach und nach Tiefe aufblitzen zu lassen.

Natürlich haben es sich die Macher nicht nehmen lassen, a la Wayne Campbell das Mega-Happy-End zu stricken, daß so quietschig rosarot (oder nadelstreifen-sachlich) gerät, daß es schon wieder als Satire zu verstehen ist. Wenn es etwas zu meckern gibt, dann diese vollkommen blauäugige Weltsicht und die Tatsache, daß "Natürlich blond" natürlich nicht lange vorhält.
Aber vielleicht dürfen wir auch noch mal zwei Stunden zur Weltflucht ins Kino, ehe uns die Realität wieder einholt. Dafür reichts allemal. (7/10)

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