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Wieder einer dieser Streifen, die als kleiner „Mindfuck“ auf TV-Niveau durchgehen.
Wenn man bereits einige ähnlich gelagerte Beiträge gesehen hat, wird man aufgrund bezeichnender Verhaltensweisen der Hauptfigur recht schnell auf eine entsprechende Erklärung schließen können. Das macht „Visions“ jedoch nicht minder unterhaltsam, denn letztlich setzt er dem Betrachter genügend symbolische Szenen vor, die es zu entschlüsseln gilt.

Mit den Worten „Es wird alles gut“ lernen wir Hauptfigur Danika (Marisa Tomei) kennen.
Sie ist Mutter von drei Kindern und führt ein beschauliches Leben mit Ehemann Randy (Craig Bierko). Doch mit der Zeit zerren Visionen und Alpträume an ihr, die anschließend scheinbar real werden. Sie verliert ihren Job als Bankangestellte, hat Angst, dass ihre Kids auf die schiefe Bahn geraten und ihr Mann sie betrügt. Schließlich landet sie auf der Couch der Psychiaterin Evelyn (Regina Hall), die bei der Entschlüsselung ihrer „dunklen Gabe“ helfen soll…

Was den Aufwand und diverse Schauwerte der Produktion betrifft, sollte man nicht allzu viel erwarten. „Verwöhnte“ Zuschauer werden bei der Erscheinung von toten Kindern, einem abgetrennten Kopf im Kühlschrank und einem explodierenden Schulbus sicher eher gelangweilt dreinschauen. So bleibt einem jedoch auch mehr Raum für die Sezierung einzelner Rätselelemente, man konzentriert sich stärker auf symbolische Aspekte und die Beziehungen innerhalb der Familienmitglieder.
Auch wenn es einem die zeitversetzte und in sich oft verschachtelte Erzählweise nicht immer leicht macht, so verliert man jedoch zu keiner Zeit den Faden.

Schließlich fügt sich ganz zum Ende nahezu alles lückenlos zusammen und man wird verstehen, was es mit einem vermissten Mädchen auf sich hat, mit einer Obdachlosen, der hübschen Freundin des Sohnes und der Funktion der Psychiaterin.
Zwar bleiben kleinere Fragen (toter Hund im Pool) ein wenig unbeantwortet im Raum stehen, doch der komplette Kontext erschließt sich und lässt sogar weitere Interpretationsmöglichkeiten zu, die im Kern nicht weniger logisch erscheinen.

Allerdings hätte man an der Inszenierung ein wenig mehr Raffinesse gewünscht. Mehr als eine handwerklich saubere Kameraarbeit ohne visuelle Schnörkel ist leider nicht auszumachen, und weder der Hauptschauplatz (Haus der Familie), noch die Darsteller (Tomei, Bierko und Hall agieren nicht besser als passabel) können dem Ganzen sonderliche Glanzpunkte bescheren.
Zwar geht die Handlung innerhalb der etwa 75 Minuten recht kurzweilig vonstatten, doch etwas wirklich Markantes bleibt im Endeffekt nicht hängen.

Dies bildet letztlich auch das größte Manko des Streifens. Denn die Story ist durchaus durchdacht und clever konstruiert, wenn im Endergebnis auch nicht sonderlich überraschend und ohne wirklichen Aha-Effekt ausgestattet.
Doch die verschiedenen Merkwürdigkeiten lassen den Zuschauer bis zum auflösenden Finale miträtseln, vorausgesetzt, man ist aufgrund verschiedener Zeitsprünge und Wechsel zwischen Vision und Realität konzentriert bei der Sache.
Vielleicht gibt es am Ende gar keine übernatürliche Erklärung und vielleicht sollte es den einen oder anderen dann nicht mehr wundern, warum Regina Hall (geboren 1970) als 28jährige Psychologin verkauft wird.

Für Zuschauer, die beim Psycho-Drama gerne Rätsel entschlüsseln, könnte „Visions“ also ein Blick wert sein. Erfahrene Konsumenten, die sich bereits eingängiger mit Erklärungen zwischen Vision und Realität beschäftigt haben, sollten allerdings kein wuchtiges Aha-Erlebnis erwarten, sondern „nur“ solide Kost zum Mitdenken.
6,5 von 10

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