Das ist er also. Argento's grandioser Film: "Terror in der Oper". Hoch gelobt wird dieser Film, als Argento's Bester bezeichnet und allgemein sehr verehrt. Doch mich vermochte der Film nicht allzu sehr beeindrucken.
Die Story: eine Opernsängerin fällt durch einen Unfall für eine Vorstellung aus. So setzt man kurzerhand die Zweitbesetzung "Betty" ein. Doch es scheint wie ein Fluch zu sein: seit sie im Opernhaus singt, geschehen dort grausame Morde, die allem Anschein nach sogar mit ihr in Verbindung stehen...
Fangen wir also mal mit der Story an. Viel gibt diese hier nicht her. Der Grundgedanke ist jener, dass ein Mörder die eingesprungene Betty mittels eines Klebestreifens mit Nadeln, welcher unter ihrem Auge fixiert ist, dazu zwingt, ihm beim Morden zuzusehen. Betty sagt darüber nichts, weil sie das Geschehene kaum verarbeiten konnte. Finde ich für meinen Teil ein bisschen wenig nachvollziehbar, aber naja. Einen größeren Handlungsspielraum und etwa Detektivarbeit gibt es hier so gut wie gar nicht. Die Sachen passieren einfach, es wird nicht weiter darauf eingegangen. Die Idee mit den Raben fand ich aber sehr gut.
Die Optik. Bekannt ist Argento ja vor allem für seine brillanten Bilder in den Filmen. Was mir noch aus seinem ersten Teil der Mütter-Trilogie vorschwebte, erkannte ich hier leider nicht wieder: die Verwendung von Farbfiltern. Tatsächlich spielt das ganze größtenteils in der Oper, die aber aufgrund alter Gemäuer und der Kulisse äußerst unheimlich wirkt.
Hier kann ich gleich weitergehen zu den Morden: die fand ich von der Optik her sehr spannend und zugleich faszinierend umgesetzt. Da wird in Großaufnahme und fast schon Zeitlupe mit Messern, Scheren und was einem Killer sonst noch so in die Hände fallen kann, gemordet. Eben dieses Augenmerk auf die Morde hat mir besonders gut gefallen. Die fast schon legendäre Szene mit der Pistole und dem Türspion ist einfach nur brillant: da schaut eine Frau verängstigt durch das kleine Guckloch und bekommt durch jenes im nächsten Moment eine Kugel durchgejagd. Jedoch nicht etwa so wie bei Saw 2 - hier geschieht dies äußerst langsam und der Weg der Kugel durch die Tür hindurch wird ebenfalls gezeigt. Einfach nur klasse. Ansonsten muss ich jedoch sagen, dass ich die Beschlagnahme etwas überzogen finde, auch wenn der Plot des Films doch sehr in die Psyche geht und eigentlich relativ krank ist. Insgesamt waren das glaube ich 4 bis 5 Morde. Dass sogar dem gekürzten Tape die Verbreitung in Deutschland untersagt wurde, finde ich noch viel unsinniger.
Eben schon bei der Beschreibung des Türspion-Mordes angesprochen sind die Bilder bzw. die Kameraführung. Hier hat man einsame Spitze geleistet. Die Kamera fährt manchmal dermaßen schnell, aber dennoch ruhig, nicht verwackelt oder gar hektisch, durch alte Gemäuer, dass man wirklich Angst bekommt. Besonders hervorheben möchte ich hier eine Szene, in der man aus der Sicht eines Rabens schaut, welcher gerade kreisend durch die Oper fliegt. Diese Szene wurde mittels einer extrem komplizierten Kranmechanik gelöst. Im Punkt Kameraführung muss man Opera also deutlich loben - ich habe noch nie einen solchen Film mit solch genialen Kamerafahrten gesehen. Nun gut, weiter im Text.
Auch Musik ist die meiste Zeit im Hintergrund zu hören, während es bei einigen Morden Heavy-Metal Musik ist (was der Szene meiner Meinung nach den zusätzlichen "Kick" und Adrenalinstoß verlieh), sind es in den anderen Szenen dann fast immer Opernwerke, die im Hintergrund laufen. Das erzeugte meiner Meinung nach noch zusätzlich eine gewisse Eleganz bei den Fahrten durch die Operngemäuer. Als Heavy-Metal-Fan hätte ich mir aber durchaus ein bisschen mehr solcher o.g. Szenen gewünscht - fand ich ziemlich klasse und habe ich ebenfalls so noch nicht gesehen.
Nun zu den Schauspielern. Die fand ich mittelmäßig bis gut. Definitiv keine Oskarleistung, aber dennoch relativ überzeugend. Am besten fand ich Bettys schauspielerische Leistung in jenen Szenen, in welchen sie zum Zuschauen der Morde gezwungen wurde - man konnte hier förmlich mitfühlen was in ihr abging.
Zuguterletzt den Schluss. Der erstreckt sich in zwei Parts... Einmal die Vorstellung des Mörders und... Naja, den anderen Part möchte ich mal lieber nicht vorwegspoilern. Geboten wurde uns hier leider ein Mörder, auf den man als aufmerksamer Zuschauer rein gar nicht hätte kommen können. Der Zusammenhang ist zwar relativ logisch, kommt aber in der entscheidenen Szene lediglich als Erzählung und wirkt daher etwas plump. Der zweite Finalpart ist dafür äußerst spannend und wirklich gut, es gibt nochmal eine relativ spannende und fiese Wende. Volle Punktzahl verleihe ich dem Ende aber nicht.
Fazit: Teilweise sehr krasser und spannender Horrorthriller, der jedoch zwischendurch immer wieder in langweiligen Szenen stecken bleibt. Besonders gut sind hier jedoch die Morde und die Kameraführung allgemein. Das Ende ist dann mittel bis tendenziell eher gut.
7,5 / 10 Punkten