Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung des Bootleg-Labels DMC!
"Terror in der Oper" ("Opera", alternativ: "Im Zeichen des Raben", nicht zu verwechseln mit Argentos "Das Phantom der Oper", 1998) ist ein künstlerischer Horrorfilm von Dario Argento aus dem Jahre 1988. Der Regisseur verbindet hier Motive des klassischen Schauerromans "Das Phantom der Oper" von Gaston Leroux mit den Stilelementen des Giallo.
Neben elektronischer Musik und viel Metal ist unter anderem Maria Callas zu hören.
Als eine berühmte Operndiva einen Unfall erleidet, hat die junge Zweitbesetzung Betty ihren großen Auftritt im Opernhaus von Parma. Doch Betty hat einen mörderischen Fan. Nach der Premiere von Macbeth wird sie von einem Unbekannten geknebelt und gefesselt und muss mit ansehen, wie ihr Freund qualvoll und bestialisch abgeschlachtet wird. Der Mörder befestigt kleine Nadeln an ihren Augen, so kann Betty die Augen bei der Tat nicht schliessen, ohne sich dabei ernsthaft zu verletzen. Doch es bleibt nicht bei dem einen Mord, immer und immer wieder schlägt der Killer zu, dessen Motiv in der Vergangenheit Bettys zu suchen ist. Schließlich wird der Killer entdeckt, aber das Entsetzen ist noch lange nicht zu Ende...
Das Bootleg von DMC, auf das sich die Kritik bezieht, ist eine Frechheit. Abgesehen von diversen Tonstörungen während des Films und fehlender Untertitel bei den im englischen Originalton hinzugefügten Szenen, fällt vor allem die Gestaltung des Covers negativ auf. Unter Verwendung des Original VHS-Cover-Motivs fiel dem Designer nicht auf, auf der Rückseite Inhalts- als auch Stabangaben der beiden Argento-Werke "Opera" und "Das Phantom der Oper" miteinander vermischt zu haben, was folglich nicht nur die Inhaltsangabe teilweise verfälscht, sondern auch Hoffnungen auf Schauspieler weckt, die in "Opera" überhaupt nicht mitwirken. Die Bildqualität dagegen ist auf einem erträglichen Niveau.
Argentos Werk selbst ist inszenatorisch ein Leckerbissen für Fans des Maestro und lebt von seinen raffinierten Kameraeinstellungen, den unvergleichlichen Bildkompositionen, der ausgefeilten Effektarbeit von Sergio Stivaletti, der prunkvollen Atmosphäre des Opernhauses und seinem ungewöhnlichen Soundtrack.
Leider verlässt sich Argento bei diesem Film zu sehr auf seinen künstlerischen Inszenierungsstil und verliert dabei die Handlung aus den Augen, für die er als Drehbuchautor mitverantwortlich war und bei der er des öfteren seinen Thriller "Phenomena" zitiert.
Funktionierte bei dem drei Jahre zuvor entstandenen Giallo noch die phantastische Komponente in Bezug auf ein Mädchen, das durch ihre telekinethischen Fähigkeiten Kontakt zu Insekten aufnehmen kann und einem Schimpansen, der den Mörder seines Herrchens identifiziert und mit einem Rasiermesser aus Rache tötet, so hat sich die Theamtik im Umfeld eines Opernhauses ausgereizt und wirkt nicht nur deplaziert, sondern unglaubwürdig. Die Idee, dass Raben den Täter inmitten von hunderten Zuschauern einer Opernvorstellung ausmachen und ihm aus Rache dafür, dass er mehrere ihrer Art getötet hatte, ein Auge auspicken, ist kein dramaturgischer Kniff, sondern lediglich auf einen weiteren blutrünstigen Effekt ausgerichtet, von denen "Opera" einige zu bieten hat.
Bei der filmischen Umsetzung der Morde bleibt Argento seinem Inszenierungsstil treu und komponiert rauschhafte Bilder von unglaublicher Intenisität und Brutalität, bei der das Töten der Opfer zu hämmernden Heavy-Metal-Sounds zelebriert wird. Verstärkt werden diese Szenen noch dadurch, dass Hauptprotagonistin Betty während der Morde unfreiwillig Zuschauerin ist, ihre Augen vor den Greueltaten aber nicht verschliessen kann, da ihr sonst durch Nadeln die Augen ausgestochen würden, die ihr zuvor vom Mörder an die Augenlider geklebt wurden.
Die Morde sind leider auch die einzigen Höhepunkte von "Opera", auch wenn der gesamte Film die Handschrift seines Regisseurs trägt. Der Film erreicht nicht einmal im Ansatz die Klasse oder Raffinesse von Argentos Meisterwerken wie "Profondo Rosso", "Tenebrae" oder "Phenomena". Begleitet von unendlichen Arien, die sich wie Kaugummi durch dieses Werk ziehen und zusammen mit Claudio Simonettis Score und den Heavy-Metal-Nummern eine gewöhnungsbedürftige Mischung ergeben, kämpft sich der Zuschauer durch eine langweilige Handlung und von Mord zu Mord. Unzählige Verweise auf Argentos frühere Werke oder die vielen Stilelemente des Giallo wie der maskierte Killer oder die schwarzen Handschuhe können nicht darüber hinweg täuschen, dass mit "Terror in der Oper" eines der langatmigsten Werke Argentos vorliegt.
Es heißt, der Regisseur habe während der Dreharbeiten improvisiert. Das mag durchaus zutreffend erscheinen, verstärkt aber noch vielmehr den Eindruck, als sei der Film am Reißbrett und ohne Drehbuch entstanden.
Vom schauspielerischen Unvermögen der Hauptdarstellerin einmal abgesehen, wirken viele der Szenen und der Dialoge einfach nur unsinnig und unglaubwürdig. Das Verhalten von Betty nach unzähligen Morden, deren Zeugin sie wurde, ist kaum nachvollziehbar. Das Motiv des Killers und die Art wie es offenbart wird ist an den Haaren herbei gezogen und wirkt lächerlich. Welchen Sinn macht es, in den letzten Minuten, nachdem der Killer bereits identifiziert wurde, die Handlung in die Schweizer Bergwelt zu verlegen? Die beiden Opfer, die hier erneut auf das Konto des Killers gehen, sind nur Mittel zum Zweck, ohne diese völlig unnötige Sequenz voranzutreiben. Stattdessen wird der Killer lediglich in Handschellen abgeführt, auf einen spannenden Finalkampf zwischen ihm und Betty wurde verzichtet.
Den Einfallsreichtum, den Argento in seine Mordsequenzen investierte, vermisst der Zuschauer beim Rest der Handlung. Zwar können die blutigen Effekte von Sergio Stivaletti überzeugen und auch die Idee, den Schuss durch den Türspion durch den Verlauf der abgefeuerten Kugel zu filmen, verdient Hochachtung. Doch dies sind nur wenige Höhepunkte, die aus einem Film noch lange keinen guten Film machen.
3 von 10 Raben!<!-- KRITIK -->