Review

Opera zählt zweifelsohne zu den Meisterwerken des Dario Argento. Diese gewaltige Bildästhetik und die grandiose, unverkennbare, progressive Kameraarbeit sind ganz große Filmkunst, die musikalische Untermalung ist bombastisch, selbst die Stücke aus dem Metal-Bereich wurden hier weitaus stimmiger eingesetzt als beispielsweise bei „Phenomena“, und die Atmosphäre zieht den Zuschauer unweigerlich in ihren Bann. Im Verlauf der Handlung dieses spannenden Horror-Giallos fällt die arge Gefühlskälte der Protagonisten auf, insbesondere der Bettys, die sich der Zuschauer zunächst nicht zu erklären vermag und in Anbetracht der grafisch hervorragend umgesetzten Gewaltakte unangebracht erscheint. Erst durch diverse eingestreute Rückblenden aus Bettys Gedankenwelt und den umstrittenen, häufig kritisierten Epilog scheint es Anhaltspunkte für sie zu geben, die durch das Ende wiederum (vermeintlich?) ad absurdum geführt werden. Für den Schlusspunkt von „Opera“ habe ich meine eigene, wacklige Interpretation, die ich hier aber nicht verraten möchte, allein schon, um nicht zu spoilern. Dieser musste nicht ganz zu Unrecht oftmals als Beweis für Argentos Wirrheit und seine Unfähigkeit, schlüssige Drehbücher zu schreiben, herhalten – bestand er doch entgegen des Rates des Verleihers auf den Beibehalt dieser Sequenz, die selbst, wenn sie einer kritischen Hinterfragung standhalten sollte, „Opera“ als Gesamtwerk irgendwie unrund erscheinen lässt. Das ist schade und mein größter, im Prinzip aber auch einziger Kritikpunkt. Schade ist auch, dass es neben einem längst vergriffenen Bootleg zum jetzigen Zeitpunkt keine deutschsprachige „Opera“-Veröffentlichung auf DVD oder BluRay gibt – ein weiteres Indiz für den sträflichen Umgang hierzulande mit dem Erbe des großen europäischen Kinos.

Details
Ähnliche Filme