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Wer meint hinter Dario Argentos "Opera" versteckt sich eine weitere Verfilmung von "Das Phantom der Oper" der hat sich geirrt. Gaston Lerouxs weltbekannten Klassiker aus dem Jahr 1910 verfilmte Argento erst elf Jahre später. Hinter "Opera" versteckt sich nicht direkt ein Giallo, obwohl zahlreiche Elemente des Subgenres vorhanden sind, sondern viel mehr ein simpel gestrickter Horrorthriller. Gerne spielten bei Argento Tiere eine Rolle, hier sind es Raben die gegen Ende sogar den Täter entlarven. Allerdings schreibe ich nicht umsonst "simpel gestrickt", denn storytechnisch sollte man nicht viel erwarten.
Die Sängerin Betty (Cristina Marsillach) erhält die Rolle in "Macbeth", weil die eigentliche Hauptdarstellerin plötzlich einen tragischen Unfall hat. Der junge Regisseur Marco (Ian Charleson) kann ja nicht ahnen, dass ein maskierter Psychopat hinter Betty her ist. Er zwingt Betty mit anzusehen, wie er ihren Freund bestialisch ermordet und bald fallen weitere Menschen aus Bettys Bekanntenkreis dem Killer zum Opfer. Inspector Alan Santini (Urbano Barberini) versucht den mysteriösen Killer zu finden, dessen Mordmotiv in Bettys Vergangenheit liegen muss.

Argento scheint hier wesentlich mehr Wert auf die Optik gelegt zu haben, als auf eine vernünftige Story. So kann man den Mörder hier relativ einfach enttarnen, ziemlich zu Beginn legt Argento eine zu offensichtliche Fährte. Auch das Motiv des Killers, welches mit Bettys Mutter zu tun hat, ist nicht unbedingt plausibel, beziehungsweise wird nur sehr kurz angeschnitten. Kleinere Patzer sind Argento auch bei der Handlungsweise seiner Figuren unterlaufen, die sich teilweise völlig unlogisch verhalten. Doch neben einigen kritischen Aspekten, gibt es auch Glanzpunkte die erwähnt werden müssen. Man nehme nur mal die brillante Optik, bestehend aus fulminanten Kamerafahrten und tollen Lichteffekten. Hätte man die klassische Musik etwas reduziert, wäre es perfekt gewesen. Passend ist die aufdringliche Opernmusik allemal, jedoch gefällt der restliche Score mit der bravurös gesetzten Heavy Metal Musik wesentlich besser. Kein Wunder, denn Claudio Simonetti von Goblin war größtenteils für die Musikuntermalung zuständig. So ist "Opera" optisch und musikalisch ein Sahnestück und übertüncht einige grobe Schnitzer von Argento.

Für die etwas zu lang geratene Anlaufzeit, bleiben mir auch die Figuren zu oberflächlich. Doch mit dem ersten Mord steigert Argento auch das Tempo, zudem kommen die wenigen Morde sehr garstig daher. Betty wird gezwungen dabei zuzusehen, wie ihr Freund mit einem Messer förmlich abgeschlachtet wird, wie in Gialli üblich bleiben die Mordszenen aufgrund ihrer Grausamkeit noch lange in Erinnerung. Doch dazu gehört auch immer die atmosphärische Vorbereitung, die Argento auch hier makellos gelungen ist. Ein besonderer Höhepunkt ist die Attacke des maskierten Killers in Bettys Wohnung mit der anschließenden Flucht durch den Lüftungsschacht. Etwas unglücklich dagegen der Abschluss in der Schweiz mit dem Aufgebot der Polizei.
Die Spanierin Cristina Marsillach (Der Käfig, Liebe ist ein Spiel auf Zeit) zieht sich dabei ordentlich aus der Affäre, obwohl es ihr ein wenig an Mimik und Gestik für diese Hauptrolle mangelt. Urbano Barberini (The 18th Angel, Casino Royale) hingegen macht einen perfekten Job.

Makellos ist "Opera" keinesfalls, aber dank der brillanten Optik sehr effektiv. Fantastische Kamerafahrten und Lichtspiele kaschieren eine etwas schwache Story, die zudem mit dem unlogischen Verhalten seiner Charaktere kämpft. Aber Suspense ist allemal drin, dank der guten Darsteller, der blutigen Effekte und der gruseligen Atmosphäre.

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