Weil die eigentliche Hauptdarstellerin während der Vorbereitungen der Premiere der aufwändigen Neu-Inszenierung von Verdis "MacBeth" (eine Oper, der nachgesagt wird, verflucht zu sein) in der Mailänder Scala wegen eines Unfalls ausfällt, erhält die Nachwuchs-Sängerin Betty überraschend ihre große Chance. Ihr Bühnen-Debüt gerät zum vollen Erfolg, allerdings sieht sie sich im Anschluss der Aufführung den Avancen eines Psychopathen ausgesetzt, der damit beginnt, vor ihren Augen die Mitarbeiter des Opern-Hauses umzubringen... Der 1987er "Terror in der Oper" ist Dario Argentos letztes künstlerisch-kreatives Aufbäumen vor seinem darauf hin folgenden Abstieg in die Mittelmäßigkeit, eine auf die Bedürfnisse des Thriller-Genres hin gebürstete Abwandlung des klassischen Gaston Leroux-Stoffes, an dem er sich zehn Jahre später mit seiner "vorlagentreueren" (na ja...) "Phantom der Oper"-Variante noch kräftig verheben wird. Im Gegensatz zu diesem ist hier inszenatorisch glücklicherweise noch alles in Butter, Argentos Meisterschaft blitzt in der Kameraführung, der Wahl der Blickwinkel sowie den aufwendig gestageten und breit ausgespielten Mord-Szenen permanent durch, so dass man "Terror in der Oper" durchaus als Kulmination seiner Giallo-Phase betrachten kann, auf jeden Fall führt er seine mit "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" begonnene Reihe von Thrillern nach "Rosso - Die Farbe des Todes" und "Tenebre" hier noch einmal zu einem letzten Höhepunkt, der dem Ganzen auch eher gerecht wird, als der 2001 noch nachgeschobene "Sleepless". Doch so formal eindrucksvoll das Ganze auch geraten ist, so sehr hängt der Inhalt wieder einmal durch, wenn sich der Plot da mühselig von einem Set-Piece zum nächsten hangelt, ohne wirklich jemals narrativen Drive zu entwickeln... um kurz vor Schluss dann quasi zum "Blade Runner" des Horror-Genres zu werden, wenn man, nachdem der Mörder enttarnt und tot gewähnt wird, die Opern-Kulisse verlässt und sich für ein ebenso knappes wie unbefriedigendes Finale auf irgendeine Alm in die Berge begibt, was einfach nur unpassend und drangetackert wirkt. Das sinnige Erzählen einer Geschichte ist weiterhin also nicht das Anliegen des Regisseurs, unter diesem Aspekt betrachtet kann die Chose nur verlieren. Hans Schifferle hat in seiner schwülstigen Schwarte "Die 100 besten Horrorfilme" Argentos Filme mal als "Ferraris des Terror-Kinos" bezeichnet... die Umschreibung passt wie die Faust aufs Auge, "Terror in der Oper" ist ebenso schön und elegant wie dem Grunde nach unsinnig, eine Anschaffung, die auf rationalem Weg eigentlich nicht zu rechtfertigen ist. Schlicht pure, Zelluloid gewordene Obsession.
9/10