Chris Rock ist bisher nicht als begnadeter Hauptdarsteller in Erscheinung getreten, seine Domäne ist die Stand-Up-Comedy, in Filmen machte er dementsprechend als witziger Sidekick die beste Figur. Insbesondere nach seinem desaströsen Regiedebüt „Head of State“ war von Rock auch als Regisseur nicht viel zu erwarten und umso überraschender kommt mit „I Think I love my Wife“ der Gegenbeweis, beweist eine ungeahnte Vielseitigkeit des Komikers.
Für seinen zweiten Film ließ sich Chris Rock inspirieren vom europäischen Autorenkino und nimmt sich Eric Rohmers „Liebe am Nachmittag“ zum Vorbild. Rock übernahm also alle wichtigen Funktionen, von der Hauptrolle, über das Drehbuch bis hin zur Regie, Produktion und Einflussnahme in allen Aspekten des Films. Das Vorhaben, dem Klassiker eine zeitgemäße Hommage mit eigenem Stempel zu spendieren, geht trotz diverser Unzulänglichkeiten beinahe voll auf. Gedreht wurde ausschließlich an New Yorker Originalschauplätzen, nur die kurzen Fahrstuhlszenen entstanden im Studio. Die Drehorte in Manhattan und Brooklyn versprühen ein unwiderstehliches Lokalkolorit, welches dem Film die richtige Würze gibt. Er ist eins mit seiner Stadt, dem Schauplatz der Handlung, dem Zuhause seiner Figuren.
Der Plot ist schnell erzählt, in seiner spartanischen Konzentration auf das Innenleben der Figuren aber sehr interessant. Der erfolgreiche Richard Cooper ist glücklich verheiratet, doch innerhalb der Ehe herrscht gähnende Leere. Die Ehetherapie ist schon im Gange, das Sexleben ist faktisch tot, Erziehung der Kinder und Beruf füllen beide Partner voll aus. Dann taucht überraschend Richards alte Bekannte Nikki und stellt ihn mit offensichtlichen amourösem Interesse auf eine harte Probe. Darüber hinaus bringt sie ihn in eine missliche Lage nach der anderen.
Schon seine optische Erscheinung lässt erahnen, das sich Chris Rock weg bewegen möchte von seiner Paraderolle des nervigen aber charmanten Plappermauls, deren Charakterzüge nicht zufällig an den von Rock bewunderten Eddie Murphy erinnern. Seine Rolle ist bürgerlicher und bodenständiger angelegt, statt einem Underdog spielt er einen erfolgreichen Wall Street Banker. Er tritt auf mit Brille und Schnurrbart und bemüht sich um Zurückhaltung, was ihm leider nur in Ansätzen gelingt. Als würde er seiner neuen Rolle nicht genug vertrauen fällt Rock immer wieder zurück in seine allseits bekannten Klischeemuster und kann sich auch seine persönlichen Lieblingsscherze, wie den in aller Öffentlichkeit rappenden Klischee-Schwarzen, nicht verkneifen. Schade, denn seine solide Leistung hätte durchaus ohne die eingestreuten humoristischen Einlagen ausgereicht um den Film zu tragen. Alleine schon die sexuelle Spannung zwischen der Hauptfigur und seiner verführerischen Jugendfreundin, sowie die anderen Verlockungen, denen es zu widerstehen gilt, geben genug Zündstoff für einen erwachsenen Humor. Vielleicht hat Chris Rock erzählerisch und inszenatorisch dazu gelernt durch seine eigens kreierte TV-Serie „Everybody hates Chris“, die frei auf seinen Jugenderinnerungen basiert und für die er einige Episoden selbst drehte. Leider verliert er dennoch die gute Geschichte manchmal leicht aus dem Auge und kleinere Längen machen sich bemerkbar, die aber weniger aus dem langsamen Erzähltempo resultieren als vielmehr aus dem nicht ausgeglichenen Humor.
Auch die anderen Charaktere entsprechen nicht den gängigen Rollenmustern, allen voran Independent-Ikone Steve Buscemi. Ausgerechnet diesen skurrilen Charakterkopf als Womanizer des Films zu besetzen geht gegen die Konventionen an und beweist, dass Erfolg, Ausstrahlung und Selbstsicherheit weitaus wichtigere Faktoren sind als ein Model-Gesicht. Buscemi spielt sichtlich erfreut gegen seine eigenen Rollenklischees an und versieht seine Figur mit einer unverschämt sympathischen Gehässigkeit, die sich erst im Verlauf der Handlung entfaltet. Die beiden wichtigen Frauenfiguren werden äußerst unterschiedlich gestaltet, Gina Torres meistert ihre Rolle als Ehefrau mit genau jener kühlen Zurückhaltung, die man sich auch von Rock gewünscht hätte. Kerry Washington dagegen macht zuerst den Eindruck purer Eyecandy-Staffage, kann sich in ihrer Rolle aber auch noch entfalten und spielt eine Frau mit starker Persönlichkeit, die nur den Eindruck eines reinen Lustobjektes macht, weil sie für die Hauptfigur vor allem eines ist: eine Versuchung. Dieser subtilen Charakterentwicklung steht leider eine teilweise unmotivierte Nummernrevue mäßig getimter Gags gegenüber, die in ihrer einzelnen Qualität allesamt überdurchschnittlich daherkommen. Man merkt, welches Fach immer noch die Königsklasse des Machers ist, so wirken einige Szenen wie die Verfilmungen von Rocks Stand-Up Nummern.
Über die gesamte Laufzeit ist das zentrale Thema die Verlockung, aus dem sicheren Leben auszubrechen, eine moralische Entscheidung, mit der Hauptfigur Richard bis zum Schluss ringt. Und nach dem Abspann ist ein Fehltritt ebenfalls nicht ausgeschlossen. Den Wert der ehelichen Treue hinterfragt „I Think I Love my Wife“ ohne Zynismus und ohne Scheu vor aufrichtigen Gefühlen, die ganz ohne Rührseligkeit auskommen.
Das Bekenntnis zum harmonischen Familienleben wird gerade im Bereich der Komödie gemeinhin als langweilig dargestellt, zynisch verspottet oder aber, im anderen extrem, harmonisch verklärt. So erscheint die Quintessenz zunächst konservativ und altbacken, bei näherer Betrachtung erschließt sich aber die Ehrlichkeit, die dem Film zu jeder Zeit anhaftet. Das übliche Handlungskonstrukt einer romantischen Komödie bleibt außen vor während der Plot scheinbar erstarrt, werden die Protagonisten mit essentiellen Grundsatzfragen konfrontiert und die Entscheidung für die Familie erhebt der Film keineswegs auf einen sicheren Sockel.
So werden die Schattenseiten der Ehe weitaus deutlicher heraus gestellt als deren Vorzüge und ein endgültiges Versprechen auf emotionale Sicherheit gibt es nicht. Jede Ehe ist von unzähligen äußeren Faktoren stetig bedroht und man muss sich immer wieder neu entscheiden für seinen Lebenspartner. Verliert man das Interesse, dann kann das Leben schnell in Langeweile erstarren. Die Ehe wird also dargestellt als dauerhafte Herausforderung, deren Vorzüge aber die abverlangte Mühe entlohnen. Das Glück der eigenen Kinder und des Ehepartners wird genauso wichtig wie das eigene Glück und gerade die schwierigen Zeiten beweisen oftmals den Zustand der Beziehung. Alles nichts neues, was Chris Rock uns zu erzählen hat, aber die Verpackung kann durchweg gefallen, bedenkt man die künstlerische Ambition.
Fazit: Chris Rock gelingt eine heitere Komödie mit durchaus vorhandener, vielschichtiger Betrachtung der Institution Ehe. „I Think I Love my Wife“ ist ein gut geschriebener und inszenierter, vor allem aber in seiner Grundaussage und Weltanschauung absolut ehrlicher Film. Und das ist schon so viel mehr als man erwarten durfte…
07 / 10