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Es ist ja ganz nett, den in Kindertagen liebgewonnenen Mr. Bean mal wiederzusehen - wobei man nie vergessen sollte, dass sein Darsteller Rowan Atkinson nicht nur der augenrollende Clown sein kann, sondern sich mit intelligentem Wortwitz ebenso profiliert hat. Doch das nur so nebenbei. Insgesamt zeigt der Film, dass sich die Figur ein wenig verbraucht hat. Ob noch weitere Auftritte folgen werden und das sinnvoll ist, dürfte fraglich sein.

Der neue Film unterhält meistens einigermaßen, lässt aber ziemlich nach gegenüber dem deutlich respektloseren, grotesken "Bean - The Movie". Während dort noch fröhlich Essen in der Küche explodierte und ein geschmacklich fragwürdiger OP-Eingriff von Mr. Bean ausgeführt wurde, lässt hier allenfalls die Szene mit den Meeresfrüchten Erinnerungen an solche Traditionen aufkommen. Allerdings wurde an dieser Stelle eindeutig auf Szenen aus der Serie zurückgegriffen, wenn die Szene im Film auch ein wenig übersteigerter ankommt. Ähnlich wie im ersten Film wurden die Kapriolen von Mr. Bean hier mit einer sentimentalen Familiengeschichte verknüpft. Ging es in "Bean - The Movie" noch darum, dass sich der Kurator eines amerikanischen Museums wegen Bean mit seiner Familie verkrachte, bis Bean am Ende die kitschige Versöhnung mit fröhlich-unbefangen ausgestrecktem Mittelfinger absegnen durfte, trägt er nun die Schuld daran, dass ein russischer Junge von seinem Vater getrennt wird, der zu den Filmfestspielen von Cannes eingeladen ist. Dass Mr. Bean dann als vermeintlicher Entführer gesucht wird, ist reichlich albern konstruiert. Diesem holzbeinigen Verwicklungshumor stehen manche herrlich absurden Einfälle gegenüber, wie der im II. Weltkrieg spielende Joghurt-Werbespot (inkl. Mr. Bean als Wehrmachtssoldat!) und Mr. Beans hemmungsloses pantomimisches Schmachten zu "O mio babbino caro" aus Giacomo Puccinis Oper "Gianni Schicchi". Der Familienschmacht scheint der Tribut an das typische amerikanische Komödienpublikum zu sein, schade. Was sehr schnell zu nerven anfängt, ist Mr. Beans Angewohnheit, mit seiner neuen Videokamera alles und in erster Linie seine eigenen Grimassen aufzunehmen, was in epischer Breite gezeigt wird. Klar, dass das noch eine Rolle im Laufe der Handlung spielen wird, und wenn man erfährt, dass der Weg zum Filmfestival von Cannes führt, wird sich jeder denken können, dass... muss ich es erwähnen?

Im ersten Film wurde die Welt der Kunstmuseen auf den Arm genommen, nun ist der Autorenfilm mit seinen grenzenlos selbstverliebten Machern an der Reihe, die einem allesfressenden Intellektuellenpublikum ihre selbsttherapeutischen Wackelkamerafilme vorsetzen und damit die Programmkinos zukleistern. Verkörpert wird ein besonders unverfrorener Vertreter dieser Spezies hier von Willem Dafoe. Ich muss gestehen, als in der Cannes-Szene der betreffende Film vorgeführt wurde, war ich fast der einzige im recht gut gefüllten Kino, der gelacht hat. Dafoe macht seine Sache wirklich gut, ebenso die bezaubernde Emma de Caunes als Nachwuchs-Schauspielerin, die eine unerwartete Verbindung zu Mr. Bean aufweist. Das Ende des Films ist zwar wiederum recht sentimental, doch auch sehr sympathisch und von mediterraner Unbeschwertheit.

Der Film ist im ganzen einen Besuch wert, da er zwar streckenweise etwas albern oder kitschig ist, aber einige wunderbare Szenen grotesken Humors enthält.

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