Fettnäpfchen, Trubel und Chaos: Mr. Bean meldet sich zehn Jahre nach seinem ersten Kinofilm zurück. Leider bleibt es ein uninspiriertes Unterfangen, noch einmal an die großen Erfolge seiner TV-Serie anzuknüpfen, die ihn einst so populär wie beliebt machte.
Über das Prädikat „Nett“ kommt Mr. Beans Chaostour durch Südfrankreich leider nicht hinaus.
Großer Knackpunkt ist die ausgelutschte Story mit typischem Verwicklungshumor. Das Prinzip besteht mindestens seit den biederen deutschen Komödien der Fünfziger und wurde in den Achtzigern durch schrille Slapstick Einlagen mit Didi Hallervorden Filmen erweitert.
„Mr. Bean macht Ferien“ bietet leider kaum etwas darüber hinaus.
Bean (Rowan Atkinson) gewinnt die Reise an die Riviera nebst Camcorder bei einer Kirchenverlosung, doch bereits in Paris läuft überhaupt nichts mehr planmäßig. Er steigt ins falsche Taxi ein, in den falschen Zug, trennt einen Jungen von seinem, im Filmgeschäft bedeutenden Vater und wird alsbald für einen Entführer gehalten. Doch nach einer langen Odyssee über Feinschmeckerrestaurant, Verfolgung mit Fahrrad und unfreiwilligem Auftritt in einem Werbespot, gelangt er über zahlreiche Umwege zu den Filmfestspielen nach Cannes, um die Sache gerade zu rücken.
Mittlerweile wirkt die Figur des Mr. Bean leider ein wenig verbraucht. Neben Atkinsons üblichen Gesichtsverrenkungen finden sich zahlreiche Retortengags aus seiner TV-Serie.
Ob er nun den Rotz einer Auster bei der Tischnachbarin versteckt, einen Jungen mit Grimassen zu erheitern versucht oder sich Hölzchen zwischen die Augen steckt, um wach zu bleiben, - kommt einem alles ziemlich bekannt vor.
Besser funktionieren Szenen wie eine wahnwitzige Verfolgung eines Hühnerbauern (wegen einer Busfahrkarte!) oder der Straßenauftritt, bei der er zu den Klängen einer Puccini Oper dahinschmachtet.
Oft bringen nicht so ausgewalzte Gags eher Erheiterung, wie ein selbst gemalter VIP-Pass oder der Versuch ein tempoarmes Mofa zu klauen. Außerhalb von Atkinsons Figur sorgt Willem Dafoe als selbstverliebter Arthouse Regisseur für Erheiterung, der bei der Aufführung seines eigenen Werkes auch als einziger davon begeistert ist.
Atkinson punktet nach wie vor mit seinen markanten Gesichtsausdrücken und weiß auch als Frau verkleidet die stets passende Mimik einzusetzen. Doch auch das nutzt sich im Verlauf ein wenig ab, obgleich Bean glücklicherweise nur brummelt und grummelt und uns längere Sätze erspart bleiben.
Obwohl das Erzähltempo relativ hoch ist und sich eine Situation episodenhaft an die nächste reiht, bleiben kleine Durchhänger nicht aus. Wahrscheinlich, weil man von der Serie eine wesentlich höhere Gagdichte gewohnt ist, die erst mit dem Finale ansatzweise erreicht wird.
So nerven nach einiger Zeit die wackeligen Camcorderbilder dann doch ein wenig und schöpfen vor allem nicht das Potential aus, welches man im Zusammenhang mit ihm und seiner Tollpatschigkeit erwartet hätte. Auch der russische Junge Stepan (solide gespielt von Max Baldry) und die Französin Sabine (eine hübsche Emma de Caunes) weisen im Zusammenspiel mit Atkinson eher charmante Momente auf, jedoch kaum welche, die Lacher hervorrufen. Dafür sind die Figuren zu bieder, wie eben die komplette Geschichte.
So verschafft einem Mr. Beans (offenkundig endgültig letztes) Abenteuer zwar flüssige Unterhaltung und beschwingte Laune, doch die großen Lacher bleiben aus, weil einem kaum etwas Neues geboten wird und viele Gags vorhersehbar ablaufen.
Zudem fehlt mir persönlich Teddy ein wenig und damit verbunden, die etwas schwarzhumorigeren Momente.
Fans der Figur und der Serie sollten also nicht viel mehr erwarten, als ein Aufguss bewährter Zutaten. Das ist zwar charmant und man mag das Treiben auch irgendwie, doch ein Gagfeuerwerk sieht eben anders aus.
Knapp
6 von 10