Rowan Atkinson als Mr. Bean wurde in den 90er Jahren sicher vielen durch seine unglaublich gute Reihe an Kurzgeschichten im Vorabendprogramm der ARD bekannt. Bean agierte hierbei als leicht tollpatschiger, grimassenschneidender, stummer Junggeselle, der seinen Alltag meist allein verbringt und groteske Situationen meist derart umständlich meistert, dass es einem die Tränen in die Augen trieb. Zudem hatte er auch eine leicht schwarzhumorige Schlagseite, die den Spaß noch erhöhte. Er schuf damals viele Klassiker, die man sich – vielleicht nicht mehr ganz mit der Begeisterung von damals – immer noch gerne ansieht. Man erinnere sich nur an seinen Kinobesuch, der Sprung vom Zehner im Schwimmbad, die Mittagspause auf der Parkbank oder auch das Weihnachtsessen.
Atkinson hat in der Komödie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" eine Nebenrolle und in dem Film "Mord im Pfarrhaus" fast eine Hauptrolle und in "Johnny Englisch" mimt er einen trotteligen Agenten. Doch seine Paraderolle ist Mr. Bean.
Der Erfolg bescherte uns einen ersten Kinofilm im Jahre 1997. Wie soll es anders sein, verschlug es ihn damals in die Staaten, wo er natürlich für Chaos sorgte. Dem Film wurde eine Art Amerikanisierung unterstellt und man mochte den sabbelnden Bean nicht unbedingt akzeptieren. Er hat aber zweifellos seine Stärken.
Im Jahre 2007 folgt nun der zweite abendfüllende Streifen. Bean kommt nach Frankreich, genauer gesagt möchte er nach Cannes an den Strand. Er hat die Reise bei einer Tombola gewonnen. Die Reise dorthin ist der rote Faden des Filmes.
Leider macht man hier genau den gleichen Fehler wie beim ersten Kinofilm: Es werden einige Sketche, die aus der Fernsehserie bekannt sind, in den Film übernommen. Wenn einem in so vielen Jahren zu einer Figur wie Bean wirklich nicht mehr genug neue Gags einfallen, dann ist das schon ein Armutszeugnis. Für Neueinsteiger sicherlich kein Manko – obwohl die Sketche teils langweiliger und liebloser umgesetzt wurden, z. B. der Restaurantsketch – aber für alte Hasen einfach ein Ärgernis.
Bean allein reicht nicht. Er lernt unfreiwillig einen russischen Jungen kennen, indem er unabsichtlich den Vater des Jungen am Bahnhof zurücklässt, sodass der Junge allein im Zug sitzt. Sie bleiben zusammen bis Cannes. Alles extrem konstruiert und vorhersehbar. Sämtliche Fettnäpfchen, die vielleicht vor zwanzig Jahren für einen Lacher gesorgt hätten, haben die Größe eines Vulkankraters, sodass der Film wirklich über die gesamte Länge ohne jegliche Überraschung auskommt.
Unser Held hat neben der Reise auch noch eine Videokamera bei der Tombola gewonnen. Er macht damit ständig Aufnahmen, meist grinst er mit verdrehten Augen in das wackelige Objektiv. Sehr nervig.
Rowan Atkinson gibt den Mr. Bean exakt wie in der Fernsehserie nur ohne Teddy, dafür aber mit einer Stimme, das man am liebsten davonlaufen möchte. Sein abwechselndes Quäken und Brummen ist nur schlecht.
Das Niveau der Gags erreicht nicht mal Otto-Waalkes-Niveau. Die Gags, wenn man sie so bezeichnen möchte, sind sehr flach und ehrlich gesagt, glaube ich nicht mal, dass die allerkleinsten Zuschauer diesen Film lustig finden. Achja, von einem "Gag" zum anderen vergeht viel Zeit. Bei der Arie aus Puccinis Oper, zu der er wie ein betrunkener Irrer die Lippen bewegt, wird man einfach nur noch traurig. Da kann auch ein Willem Dafoe nichts retten.
Fazit: Erschreckend – und in der Form doch nicht erwartete – schwache Komödie, die zu keinem Zeitpunkt zu überzeugen weiss. Ein kleines Sammelsurium abgestandener schlechter Gags und Slapstickeinlagen, das einem auch zu dem Schluss kommen lassen, dass die Zeit des Mr. Bean einfach vorbei ist. R.I.P., Mr. Bean. Vielen Dank für viele tolle Stunden mit deiner TV-Reihe, aber das war ein Film zuviel.
2/10