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Dieser „Kulturfilm“ von Schauspielerin (DER HEILIGE BERG, DIE WEISSE HÖLLE VON PIZ PALÜ) und Regisseurin (OLYMPIA) Leni Riefenstahl handelt den sechsten Reichsparteitag der Nationalsozialistischen Partei von 1934 in Nürnberg ab. Der Streifen beginnt mit der Ankunft von Hitler mit dem Flugzeug und seiner Fahrt ins Hotel, wobei er von begeisterten Menschenmassen bejubelt wird; des Nachts findet eine Kundgebung statt. Am nächsten Tag bereiten sich die Menschen auf die Eröffnung des Reichsparteitages vor (hier sieht man unter anderem das Meer von Zelten, in welchem die Leute untergebracht sind, und ein paar muskulöse junge Männer mit nacktem Oberkörper beim Arbeiten und Raufen). In der Luitpoldarena findet indes die Eröffnungszeremonie statt; Rudolf Hess spricht als erster, es folgen Goebbels, Rosenberg, Streicher, etc. (Von diesen werden aber jeweils nur die markigsten Sätze präsentiert; Göring ist auch anwesend, kommt aber nicht zu Wort.) Dann kommt Hitler dran, der sich an 50'000 Arbeiter des Reichsarbeitsdienstes wendet, diese wiederum führen einen kleinen Sprechgesang vor (ein Höhepunkt des unfreiwilligen Humors). Der Tag wird ausgeläutet mit Fackeln und einer Parade der SA.

Den dritten Tag beginnen wir mit einer Rede des Führers zur Hitlerjugend, in der er von dieser unter anderem Friedfertigkeit fordert (hab selten so gelacht); als nächstes gibt’s eine Demonstration der Wehrmacht mit Kavallerie und Panzer, abends wieder Fackelschein und eine Ansprache Hitlers an die Parteimitglieder. Am letzten Tag erleben wir mit, wie Hitler zusammen mit Himmler und SA-Chef Viktor Lutze vor den Augen von 150'000 SS- und SA-Soldaten an einem Denkmal zum Ersten Weltkrieg einen Kranz niederlegt und dann zu den Männern spricht (Inhalt der Rede ist der Verrat Röhms, welcher in der „Nacht der langen Messer“ gerächt wurde), es folgt eine Fahnenweihe. Danach eine grosse Parade von Militär und Partei vor der Frauenkirche am Hauptmarkt; den Abschluss des Reichsparteitages bildet eine Rede Hitlers in der Luitpoldarena.

TRIUMPH DES WILLENS versucht alles, um den Zuschauer zu beeindrucken und tatsächlich bleibt einem bei den riesigen Menschenmassen, die Hitler zujubeln, den gigantischen Truppenverbänden, die streng nach geometrischen Mustern aufmarschieren und den megalomanischen Kulissen beinahe die Spucke weg. Die Kameraarbeit ist hervorragend und fährt alles auf an dynamischen Kamerabewegungen, Luftaufnahmen, Vogelperspektiven und Nahaufnahmen, was die technischen Möglichkeiten hergeben (es wurden zum Beispiel Teleobjektive eingesetzt, zu der Zeit noch etwas Neues). Ausgezeichnet auch, wie der Schnitt und die Filmmusik genau aufeinander abgestimmt werden (auf der Tonspur sind neben klassischen Stücken wie Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ und einigen Märschen auch ein paar launige Gesänge zu finden, so zum Beispiel das berüchtigte Horst-Wessel-Lied). Machbar war dies alles, weil Riefenstahl auf die Unterstützung Hitlers persönlich zählen konnte (der wird dann auch als Produzent genannt!), also ordentliche finanzielle Mittel und ein Team von 120 Leuten, darunter 36 Kameramänner, zur Verfügung hatte. Kein Wunder, dass der Streifen filmästhetisch wegweisend war und das Kino bis heute beeinflusst (was auch nicht weiter schlimm ist; die ästhetischen Mittel an sich sind neutral und gehören nicht allein den Nazis).

Allerdings wird das relativiert durch die völlig versaute Dramaturgie und die ungeheure Redundanz des Filmes: Es folgt Rede auf Rede und Aufmarsch auf Aufmarsch (einen Voice-Over dazu gibt es übrigens nicht), wir hören und sehen ständig den gleichen Quatsch, bis TRIUMPH DES WILLENS in seinen beinahe zwei Stunden Laufzeit immer mehr zu einem lächerlich aufgeblasenen Exerzizium an Langeweile wird und schlussendlich nur noch nervt. Er demontiert sich auch selbst durch sein unverhohlenes, unfreiwillig komisches Pathos (ganz gross, wie gesagt, der Reichsarbeitsdienst – „Wir pflanzen Bäume!“) und eher erheiternd (wenn auch auf eine zynische Weise) ist es, wenn beispielsweise Hitler von der Jugend Friedfertigkeit fordert oder die NSDAP in ihren Anfängen als verfolgte Minderheit darstellt. Natürlich regt auch sein Gekrähe und das seiner Schergen an sich zum Lachen an; wie sie da die Gesichter verziehen und ihr kaum verständliches Gerülpse von sich geben, wirken sie wie cholerische kleine Hosenscheisser.

Inhaltlich ist der Streifen, das versteht sich von selbst, höchst bedenklich. Da wäre zum einen der besinnungslose Führerkult, der hier auf allen Ebenen zelebriert wird: Bereits im schriftlichen Kommentar am Anfang wird Hitlers Machtergreifung als „deutsche Wiedergeburt“ gefeiert (nach 16 Jahren „deutschen Leidens“); der Kerl ist beinahe durchgehend im Zentrum des Geschehens, er erledigt den grössten Teil des Geredes und immer wieder wird uns vorgekaut, er allein verkörpere das Volk und werde Deutschland wieder zur Grossmacht machen. Ferner wird der ganze Blut-und-Boden-Unsinn verbreitet und dass, wer ein anständiger Deutscher sei, auch ein Nationalsozialist ist. Freilich wird weder explizit gegen die Juden gehetzt oder von Krieg geredet, aber ein latent fremdenfeindlicher Ton ist spürbar und kriegerisches Vokabular allgegenwärtig.

Alles in allem ist TRIUMPH DES WILLENS sicherlich historisch interessant (natürlich vor allem dann, wenn man sich mit der Geschichte des Dritten Reiches etwas auskennt), von der Ästhetik her bahnbrechend und aufgrund seines lächerlichen Pathos wegen zumindest den einen oder anderen Lacher gut, allerdings vom dramaturgischen Aufbau her total verkorkst, mit der Zeit unheimlich langweilig und zudem ein übler Propaganda-Streifen, der für gefährliches Gedankengut wirbt. Ein kapitaler Drecksfilm.

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