Serienmörder gibt es wie Sand am Meer der Kinolandschaft, aber spätestens seit der Figur des Hannibal Lecter von Thomas Harris scheint es möglich, dass diese abseits klischeehafter Stereotypen eine eigene, faszinierende Persönlichkeit aufweisen können. Der titelgebende „Mr. Brooks" fällt in letztere Kategorie. Und man glaubt es kaum: Kevin Costner ist für ihn die Idealbesetzung.
Nach längerer Pause geht wieder der „Daumenabdruckmörder" um und ermordet ein Pärchen in flagranti. Ein Voyeur (Dane Cook, erst kürzlich in „Der Glücksbringer" im Kino) beobachtet das Geschehen und fotografiert den Täter, Evan Brooks (Kevin Costner), einen bekannten Firmenchef, bei dem Doppelmord und verlangt von ihm, ihn bei seinem nächsten Mord mitzunehmen, sonst würde er die Fotos weitergeben. Polizistin Tracy Atwood (Demi Moore), die sich gerade mit einem langwierigen Unterhaltsstreit mit ihrem geschiedenen Mann herumplagt, ermittelt.
„Mr. Brooks" erzählt diese beiden Handlungsstränge mit Fokus auf die Taten des raffinierten Mörders, räumt aber Demi Moore viel Raum ein. Dabei fällt eine ausdifferenzierte Charakterisierung der Figuren auf: Evan ist ein von Dämonen besessener Süchtiger, der nicht gegen seinen Trieb ankommt (als sein Alter Ego: William Hurt) und Tracy setzt die Scheidung so sehr zu, dass sie Gefahr läuft, Probleme im Job zu bekommen. Diese beiden dramatischen Handlungsstränge überschneiden sich später abgesehen von dem Krimineller-Jägerin-Verhältnis - inwiefern soll hier aber nicht verraten werden. Insofern ist „Mr. Brooks" eine gewisse Originalität und Faszination nicht abzusprechen: Der Film seziert das Innenleben seiner beiden Hauptfiguren, der Plot wirkt aber gerade gegen Ende zusehends überladen. Brooks´ schwangere Tochter mit ebenso mörderischer Neigung kommt zu Besuch und ein entflohener Sträfling macht Jagd auf Tracy. Diese beiden Nebenhandlungen verkomplizieren die Story um das Verhältnis von Lehrer und Schüler (Voyeur und Killer) sowie der klassischen Detektivgeschichte, die aber immer wieder ein paar überraschende Wendungen bereit hält. Einige überlange Dialoge konterkarieren dabei den Anspruch, diese vielen Dinge gleichzeitig oder nacheinander abzuhandeln. Die ungenierte Brutalität und die Blutrünstigkeit des Films laufen jedoch auch der Seriosität zuwider, die durch den raffinierten Plot und bemerkenswerte Darstellerleistungen (besonders von Kevin Costner) geschaffen wird. Deswegen: Intelligent: ja, prägnant oder analytisch: nein. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Fazit: Spannender Thriller, der eine große Faszination ausübt angesichts der Raffinesse des Plots und des Killers, aber sich gegen Ende im eigenen Handlungskonstrukt verheddert. „Mr. Brooks" ist ein gut gespieltes, stark psychologisiertes Drama, aber versucht gleichzeitig auch durch Brutalo-Elemente ein reißerischer Thriller zu sein - was misslingt. Leider etwas schade um den originellen Ansatz.