Review

Die Plausibilität muß daheim bleiben, wenn man „Mr.Brooks“ wirklich genießen will.
Filme über Serienkiller waren noch nie unbedingt und bibelfest den Realitäten des wahren Lebens verpflichtet, aber Bruce A.Evans zweite Regiearbeit treibt den Unsinn auf die Spitze – und liefert einen mehr als ungewöhnlichen Film ab, der auch noch erinnerungswert und unterhaltsam ist.

Hier wird dann auch nicht die Jagd auf einen Serienkiller zelebriert, wie sonst üblich, sondern der zwanghafte Mörder ist das eigentliche Subjekt der Handlung. Doch daraus wird kein zerstörerischer Trip in die Abgründe einer krankhaften Psyche, sondern ein fast schon absurder Reigen, der nicht selten komödiantische Anklänge findet.

Wer hier der Mörder ist, macht schon eine Schrifteinblendung dem geneigten Publikum klar und wenn dieser dann auch noch von Saubermann Kevin Costner persönlich gespielt ist, muß man einiges erwarten. Costner gibt in dieser filmischen Abstrusität den mit einer Familie gesegneten, etwas trocken-langweiligen Fabrikanten Earl Brooks, in dessen Innenleben es rumort.

„Meine Name ist Earl und ich bin süchtig!“, stellt er sich bei einem Treffen der anonymen Alkoholiker vor – nur trinkt er nicht, sondern muß zwanghaft Leute umbringen, um sich richtig gut zu fühlen. Und weil die Hingabe zu Gott nichts bringt, muß er sich ständig mit seinem mörderischen Alter Ego auseinander setzen, in Gestalt eines rabenfiesen William Hurt, den allerdings nur er sein kann und der beständig seine inneren Triebe echot.
Vor Jahren hat Earl aufgehört, jetzt konnte er mal wieder nicht anders und hat ein Pärchen gemeuchelt – nur daß er diesmal beobachtet und fotografiert wurde.
Doch was im ersten Moment nach Zwangslage und Kesseltreiben aussieht, entpuppt sich als immer schräger werdende Monstrosität: der ihn scheinbar erpressende Voyeur will an seinen Taten teilnehmen, die ihn verfolgende Polizistin laboriert mehr mit einer teuren Scheidung und einem weiteren Serienkiller, der es auf sie abgesehen hat und das scheinbar kein Wässerchen trübende Töchterlein hat offenbar ein paar von Daddys schlechten Seiten geerbt...

Wunderdinge sollte man von dieser prekären Ausgangssituation nicht erwarten – allerdings wie geschickt die vielen Handlungsstränge miteinander verknüpft werden, um dann in einem vielschichtigen Finale aufgelöst zu werden, hat schon echte Klasse im Zeitalter der Megashowdowns.

Rabenschwarz und zielstrebig auf dem Haarnadelgrat zwischen Witz und tödlichem Ernst schwankend, bleibt Earl trotz mancher verzweifelten Minute immer Herr der Lage, auch wenn er einige Entscheidungen über den Fortgang seines Lebens dann doch operativ an Ort und Stelle treffen muß...

Costner arbeitet mit sparsamer (man kann auch fast sagen, kaum vorhandener) Mimik diese für ihn äußerst ungewöhnliche Rolle ab, in der er als Soziopath, der immer die Sympathien auf seiner Seite hat (weil er bis auf seinen Trieb sein Leben geordnet und unter Kontrolle hält) glänzen kann; nicht zuletzt, weil er sich mit mit einem oscarverdächtigen William Hurt die Bälle zuspielen kann.

Dennoch bleibt noch reichlich Platz für etwa die lang entschwundene Demi Moore, der trotz Nebenrolle genauso viel Tiefe gegönnt wird. Dagegen fällt der mordgeile Dane Cook leider aufgrund mangelnder Erfahrung etwas ab, vor allem aber auch, da seine Rolle in diesem komplizierten Geflecht immer sehr oberflächlich bleibt.

Von Perfektion zu reden, wäre aber zuviel der Ehre – zwar reibt man sich vor Überraschung immer wieder mal die Augen, doch das Erzähltempo ist einfach über weite Strecken zu schleppend und uneben, mischt melancholische Monotonie mit kurzen, krachenden, überlauten Schieß- und Actionparts, als müßte man die Zuschauer wach halten, um dann wieder das vermeindliche Schneckentempo einzunehmen.

So wirkt „Mr.Brooks“ insgesamt einfach nicht durchgegart, möglicherweise zehrt Bruce A.Evans hier aber auch einfach zu stark an seiner guten Ausgangsidee, leidet aber an mangelndem Talent für ein A-Klasse-Drehbuch und eine entsprechende Regie.
Daß sich die „Altstars“ trotzdem für die fleischigen Rollen lauthals bedanken werden, ist unbestritten – denn wenn „Mr.Brooks“ auch eine Fantasie ist, wie sie nur im Kino auf zwei Stunden begrenzt vorkommen kann, so bleibt doch unter dem Strich ein Film, an dessen Besuch man sich noch lange erinnert und der dank seines ungewöhnlichen Sujets nicht so einfach im Boden versickert. Hätte man dann noch die Spannungskurve fein getuned, wäre daraus der Geheimtip des Jahres geworden.
Eine Empfehlung für ungewöhnliches Unterhaltungskino bleibt aber trotzdem. Mit Lorbeerkranz und Schärpe. (7,5/10)

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