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"Böse, aber doch sehr sympathisch"

Wer Kevin Costner, der momentan allerhöchstens einen Film pro Jahr bringt, in Höchstform sehen möchte, sollte sich "Mr. Brooks - Der Mörder in dir" definitiv nicht entgehen lassen.

Der gute Herr Costner war schon immer ein sehr sympathischer Typ und Schauspieler, der in seinen Rollen meist durchweg überzeugen konnte (Der mit dem Wolf tanzt, Perfect World, Bodyguard uvm.) und immer mit viel Leidenschaft voll bei der Sache war. Nur kann ich mich, außer in "Perfect World", an keinen weiteren Film erinnern, in dem er einen Bösewicht verkörpert hat. Und selbst in "Perfect World", wo er einen Kriminellen (Butch Haynes) auf der Flucht spielt und sogar einen kleinen Jungen entführt, macht er zu keiner Zeit einen unsympathischen Eindruck - man fühlt mit ihm mit und entwickelt große Sympathien für ihn. Genau das trifft auch auf Earl Brooks (Kevin Costner) zu!

Earl Brooks ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein liebevoller Vater und ein hingebungsvoller Ehemann. Doch er hat ein dunkles Geheimnis: Seit Jahren ist er, wie er selbst sagt, süchtig nach dem Morden. Bei seiner letzten Bluttat begeht Brooks' alter Ego Marshall (William Hurt) einen fatalen Fehler, und so wird er fortan von der etwas unorthodoxen Ermittlerin Tracy Atwood (Demi Moore) gejagt.

Auf den ersten Blick klingt die Geschichte wie "schon tausendmal gesehen". Glücklicherweise geht dieser Film etwas anders mit seiner Story um, nicht 08/15-mäßig wie es in vielen anderen Serienmörder-Filmen bereits zuhauf der Fall war.
Langsam aber sicher wird der Zuschauer in die Handlung eingeführt. Ganz besonders viel Wert wird auf die Herantastung an den Charakter des Earl Brooks gelegt: Zunächst lernt man diesen von seiner gutmütigen, liebevollen und hingebungsvollen Familien-Vater-und-erfolgreicher-Geschäftsmann-Seite kennen, ohne großartig erste Hinweise auf sein dunkles Geheimnis zu bekommen - das kommt erst später!

Nachdem Earl Brooks auf einer Versammlung zum "Unternehmer des Jahres" gewählt wurde, fährt dieser mit seiner Frau nach Hause. Auf dem Weg dorthin merkt der Zuschauer zum ersten Mal, dass etwas mit dem sympathischen Mr. Brooks nicht stimmen kann, denn er spricht, statt sich mit seiner Ehefrau zu unterhalten, mit einem unbekannten Mann, der scheinbar auf der Rückbank sitzt. Das Komische daran ist, dass Mrs. Brooks den Mann nicht bemerkt bzw. nicht sehen kann, aber auch nicht hört, was ihr Ehemann von sich gibt.
Der Unbekannte schwafelt irgendwas von einem Pärchen, das in den späten Abendstunden wohl Tanzunterricht hat und Mr. Brooks sollte sich nicht die Chance entgehen lassen, diese auszuspionieren, um sie letztendlich in ihrer Wohnung zu besuchen. Und spätestens an dieser Stelle weiß man, dass etwas Merkwürdiges mit dem Unternehmer des Jahres vor sich geht.

An Spannung ist der Film kaum zu überbieten, denn seine Erzähl- und Darstellungsweise der Charaktere, vor allem die des Mr. Brooks und seines alten Egos Marshall, ist sehr detailiert und zu keiner Zeit langweilig oder dergleichen. Man entwickelt im Laufe des Films sehr viele Sympathien für Costner und seine Rolle, denn Mr. Brooks wirkt nie wirklich böse oder brutal, ganz im Gegenteil, er ist ein sehr ruhiger und ausgeglichener Mensch - er hat halt nur ein kleines Problemchen: Die Sucht zu töten!

Aber nicht nur Kevin Costner verkörpert seine Rolle mit viel Lust, Leidenschaft und Spielfreude, auch William Hurt, der als bitterböses, fieses, aber auch sehr hilfreiches altes Ego Marshall eine sehr gute Figur macht, ist nicht zu verachten. Manchmal schafft er es sogar, der eigentlichen Leitfigur Mr. Brooks die Show zu stehlen, da er ihm nicht nur mit Rat und Tat zur Seite steht, sondern hin und wieder mit einem fiesen Lächeln oder einem finsteren Blick, einer kleinen Geste oder einer ironischen Bemerkung vielmehr als das tut - große Schauspielkunst! Und so erwischt man sich auch schon mal dabei, neben dem sympathischen Mr. Brooks, einen zweiten Sympathieträger gefunden zu haben!

Es ist echt sehr schade, dass dieser Film gerade vom amerikanischen Publikum so wenig Aufmerksamkeit geschenkt bekommen hat und dadurch nur ein sehr geringes Einspielergebnis erzielen konnte. Aber auch ich muss gestehen, dass dieser großartige Psychothriller heimlich, still und leise an mir vorbeigegangen ist - und so konnte sich ein "Blindkauf" zu einem "Glücksgriff" wandeln.

"Mr. Brooks - Der Mörder in dir" ist sehr spannendes, wendungsreiches und von tollen Ideen sprühendes Kino, das unter die Haut geht. Glücklicherweise hebt sich dieser Film dadurch, dass er eben nicht in einem sinnlosen Gemetzel endet, von vielen Artgenossen ab.

Ich kann ihn nur wärmstens empfehlen!

8/10

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