Inhalt:
China um die vorletzte Jahrhundertwende. Das marode Reich der Mitte befindet sich in der End-Phase der manchurischen Qing-Periode, als die Kaiserin-Witwe Tsu Hsi (aka Cixie) (Wong Wai-Fan) starrsinnig auf einem konservativen Kurs beharrt, jede Reform ablehnt, und die Eunuchen- und Beamten-Clique die innere Fäulnis die den Palast befallen hat, forciert und den Staat lähmt.
Während eines wieder verschwenderischen Fest-Mahls offenbart die Kaiserin-Witwe jedoch dem Befehlshaber der Garden, Liu Jing Tian (Walter Tso), dass Diebe aus der kaiserlichen Schatzkammer Goldbarren im Wert von 2 Millionen Tael entwendeten!
Sie gibt den Befehl aus, innerhalb von nur 10 Tagen das Gold wieder zu beschaffen, und die Diebe entsprechend zu bestrafen.
Liu Jing Tian beauftragt seinen fähigsten Mann mit dieser schwierigen Aufgabe..., Leng Tian-Ying (Chen Kuan Tai), den "Killer Constable", gerecht gegenüber seinen Männern, kompromisslos gegenüber seinen Gegnern. Ein Mann, der keine Gefangenen macht..., was ihn in den eigenen Reihen auch nicht ganz unumstritten macht.
Mit 5 Kämpfern (u.a. Chiang Tao, Gam Sai-Yuk, Gam Biu) macht sich Leng auf den gefahrvollen Weg..., durch ein geschundenes Land, mit niedergebrannten Dörfern und voller Elend und Armut. Bei ihren Ermittlungen geraten Leng und seine Männer in den einen oder anderen Hinterhalt..., und werden alsbald dezimiert...!
Fang Feng-Jia (Ku Feng) ist der Anführer der Räuber-Truppe, und stellt Leng Tian-Ying eine Falle.
Es kommt zum Kampf, und Leng kann verletzt und mit knapper Not entkommen.
Er erreicht auf dem Pferd seines Widersachers eine einfache Hütte..., und die Bewohnerin ist die junge, blinde Xiao Lan (Yau Chiu-Ling). Sie ist die Tochter von Fang Feng-Jia, und hält Leng für einen Freund ihres Vaters...., der alsbald ebenfalls die Hütte erreicht!
Vor dieser, kommt es zwischen den Männern zu einem gnadenlosen Kampf..., Leng scheint seinen Gegner zu besiegen, doch diesem gelingt es, zu entkommen...!
Bei der Verfolgung trifft Leng einen letzten Überlebenden seiner Männer..., dieser opfert sich für seinen Befehlshaber, als die beiden in einen Hinterhalt maskierter Bogenschützen geraten. Die Identität dieser Bogenschützen bleibt zunächst im Dunkeln..., und Leng kann sich in eine vermeintlich leere Hütte retten.
Doch dort befindet sich auch der schwer verletzte Fang Feng-Jia!
Dieser liegt im Sterben...., und offenbart Leng, wer der wahre Dieb des Goldes ist...
Da wird auch diese Hütte von den Bogenschützen überfallen..., und mit Feuer-Pfeilen in Brand geschossen!
Fang kennt einen geheimen Schacht, durch den Leng vor dem Feuer sicher ist...., zeigt diesen Leng, der zuvor versprach, sich um die blinde Tochter Fang´s später zu kümmern, falls ihm das möglich sein wird.
Als das Feuer erloschen ist, die Bogenschützen abgezogen sind, eilt Leng zum wahren Dieb des Goldes...., und dieser befindet sich im Palast der Qing in Beijing!
Um diesen Mann zur Rechenschaft zu ziehen, muss Leng zuerst dessen Leibwache ausschalten..., die vom äußerst gefährlichen, rot gewandten Ba Jia (Yuen Wah) angeführt wird....!
Ein brutaler Show-Down auf Leben und Tod steht bevor..., ein blutiges Drama nimmt nunmehr seinen Lauf..........
Fazit:
Im Jahre 1980 drehte der Regisseur Kuei Chih-Hung diesen außergewöhnlichen, starken Eastern voll düsterer Bilder, brüchiger Figuren und blutiger Kämpfe für die Studios der Shaw Brothers...., weitestgehend Outdoor und abseits der bunt-surrealen Sets dieses legendären Studios.
Verbranntes Land...., verelendete Dörfer...., Menschen die nur überleben wollen, Angst und Gewalt.
Kuei Chih-Hung zeichnet hier ein düsteres Bild über jenes China, dass am Ende der manchurischen Qing-Periode nur noch ein Schatten früherer, glanzvollerer Epochen war.
Diese Düsternis...., durch viele dunkle Sequenzen hier visualisiert, Stürme die durch alle Ritzen heulen..., verbranntes Land und nächtlicher Prassel-Regen..., diese Düsternis, dieser bedrückende Grund-Tenor durchzieht Kuei´s Eastern...., ist der wahre "Star" dieses Streifens und sorgt durchweg für eine gewisse Beklemmung beim Betrachter.
Dazu die Gewalt, nächtliche Fights in strömendem Regen und im Morast vor verfallenen Hütten, oder hüfthoch im brandenden Wasser des Meeres vor pittoresker Felskulisse..., und die brüchige Männlichkeit der Helden..., aber was heißt hier Helden? Es gibt hier keine durchweg guten Charaktere..., gleichwohl sich manche hier aufopfern. Die Brutalität fast aller Protagonisten, auch der Hauptperson hier, sie unterstreicht die bedrückende Atmosphäre dieses Eastern. Auch Chen Kuan Tai, der "Killer Constable", passt sich dem an, ein kompromissloser, kalter Kämpfer!
In all dem, in all dieser düsteren Atmosphäre voller Gewalt, zwischen baufälligen Baracken und verbrannter Erde, zwischen der Armut des Volkes und dem Glanz des Hofes, der nur den Zerfall des selbigen kaschiert...., da siedelt Kuei Chih-Hung eine Geschichte an, die womöglich nur Aufhänger ist, für die beklemmenden Bilder, die die Regie dem Betrachter übermitteln möchte.
Eine Story um einen Diebstahl bei Hofe..., die Jagd von 6 Männern nach diesem Gold und dessen Dieben, und dass etwas ganz anderes dahinter steckt, dass die wahren Schuldigen -sich hinter ihren Palast-Mauern verschanzend und das Volk schon lange völlig aus dem Blick verlierend- den Hals immer noch nicht voll bekommen, und sich noch gegenseitig ausplündern müssen.
Diese Storyline behält die Regie im Blick..., und sie wird stringent erzählt.
So bilden denn Story und Bilder eine Symbiose, so wie es Kuei Chih-Hung schon in seinem meisterhaften "The delinquent" ("Shen Chang und die Karatebande", siehe mein Review auf dieser website) gelang.
Chen Kuan Tai, der MegaStar der Shaw Brothers, er hat hier die Hauptrolle inne, und agiert absolut überzeugend! Wie ich bereits erwähnte..., seine Figur ist ein letztendlich einsamer, harter Kämpfer, kompromisslos, kalt fast..., wenngleich so etwas wie eine leichte Läuterung einsetzt. Ausgelöst durch ein junges, blindes Mädchen, dessen standhaften, tapferen Vater..., und mehr noch, als dass Chen die wahren Verbrecher bestraft sehen will!
Chen Kuan Tai erleben die Eastern-Fans hier in einer seiner besten Rollen für die Shaw Brothers..., und er fightet athletisch, kraftvoll und voller knallharter Intensität!
Ku Feng zeigt ebenso eine bestechende Leistung..., und einen dramatischen Kampf mit Chen Kuan Tai in strömendem Regen, im Morast vor verfallener Baracke.
Das Ensemble verdient sich insgesamt eine gute Kritik..., Chiang Tao opfert sich, wirft sich in die Flammen um seinem Befehlshaber zu dienen. Yau Chui-Ling spielt das blinde Mädchen voller Hingabe. Walter Tso ist der Villain im Hintergrund... verschlagen und selbstsüchtig..., wie alle Günstlinge im Dunstkreis der Kaiserin-Witwe, deren Clique an vollen Tischen schwelgt.
Yuen Wah ist im Finale kampftechnisch gefordert und fightet technisch brillant und voller Agilität. Jason Pai Piao ist nurmehr Gast-Star in diesem Eastern.
Die Gewalt untermalt all dies...., denn es ist immer noch ein Eastern.
Harte, brutale, blutige Gewalt, abgeschlagene Gliedmaßen, Blutergüsse..., Fights voller Inbrunst..., Swordplay überwiegt..., aufgehübscht durch KungFu-Tritte und -Schläge. Vor allem das Finale mit einem überragenden Chen Kuan Tai gegen die Garde des Qing-Palastes...., ein blutig-dramatischer, ein verzweifelter Kampf auf Leben oder Tod..., der allem den Kulminationspunkt aufsetzt!
Nun, Sie merken..., es ist ein Eastern, der beeindruckt..., der außergewöhnlich ist, und nicht nur auf die bewährten Standards des Genres setzt.
"Killer Constable" ("Der gnadenlose Vollstrecker") ist eine Produktion der Shaw Brothers, der es gelingt, aus dem gewaltigen Kanon dieses Studios herauszuragen..., etwas was ja nicht sehr vielen Filmen dieser Film-Fabrik gelang, angesichts der Vielzahl an Streifen, die Run Run Shaw zu verantworten hatte.
Lohnt einen Blick....., 9/10!