Review

"Das Geschenk ist, dass ich nie wieder zögern werde Menschen zu helfen die Hilfe brauchen."

"Jack Ketchum's Evil" ist eine Verfilmung das Buches "The Girl Next Door" von Jack Ketchum welches wiederum lose auf dem 1965 stattgefundenen Vergehen an Sylvia Likens duch Gertrude Baniszewski basiert.

Nach einem tödlichen Unfall ihrer Eltern ziehen die Geschwister Meg (Blythe Auffarth) und die sich auf Krücken stützende Susan im Jahre 1958 zu ihrer Tante Ruth (Blanche Baker) welche bereits durch ihre 3 Söhne überlastet ist. Immer wieder müssen sich die Geschwister Erniedrigungen ihrer Cousins und Tante gefallen lassen. Meg freundet sich mit dem Nachbarsjungen David (Daniel Manche) an, welcher öfter zu Besuch kommt und mit ansehen muss, wie Meg nach weiteren Vergehen von ihrer Tante in den Keller gesperrt wird. Dort erlebt sie unvorstellbare Qualen.

Im Vergleich zum starbesetzten "An american crime", welcher sich ebenfalls mit der Materie beschäftigt, schlägt sich "Jack Ketchum's Evil" wesentlich schlechter.
Die Handlung selbst basiert nicht auf Fakten des Verbrechens von 1965 sondern auf Jack Ketchum's Roman, was natürlich einen anderen Ablauf mit sich bringt, als es in Wirklichkeit der Fall war. Dies muss nichts schlechtes bedeuten. Allerdings zieht sich der Handlungsbogen in den ersten beiden Dritteln wie Kaugummi. Eine gute Möglichkeit zur Charakterisierung... was aber hier nicht genutzt wird. Die meisten Figuren bleiben blass und plump, selbst die Beweggründe der Hauptcharaktere verbleiben teils im dunklen.
Erst im letzten Drittel beginnt die wahre Tortur der gepeinigten Meg, bleibt aber trotz der recht harten Umgangsart vergleichsweise harmlos und wirkt gegen Ende gar erzwungen dramatisiert.

Nicht nur die fehlende Zugänglichkeit zu den Charakteren verhindern eine gute Atmosphäre, auch die viel zu moderne Ausstattung und Umgangston (Kleidung und Halbstarkensprüche) sowie zahlreiche Logiklöcher (zuerst darf keiner von Ruths Jungs Meg auch nur anfassen, aber dann billigt sie ein sexuelles Vergehen) trüben den Eindruck.
Die Misshandlungen an Meg sind definitiv abartiger als an der Hauptperson in "An american crime", werden allerdings nicht drastisch genug bebildert um sich dauerhaft im Kopf des Zuschauers einzubrennen.

Ebenfalls misslungen ist die schauderhafte deutsche Synchronisation. Meg's Stimme ist viel zu leise und unscheinbar, David's Sprecher hat eine zu dunkle Stimme und wirkt unpassend. Manche Konversationen wirken gar ungewollt komisch.

Die meisten Schauspieler sind Neulinge oder bisher allenfalls in Serien zu sehen gewesen, besondere Leistungen sind also weder zu erwarten noch der Fall, bei solch einem Kammerspiel aber unbedingt vonnöten. Nur mit William Atherton, welcher die Geschichte rückwirkend erzählt und bekannt als aufdringlicher Reporter aus Stirb langsam 1 und 2 ist, hat es ein bekannteres Gesicht in diesen Film geschafft.

Das Buch selbst habe ich nicht gelesen, einige Leser des Buches meinen aber, der Film würde nicht alles so wieder geben wie es der Roman vorgibt und sei bei weitem nicht so eindringlich und verstörend. Möglicherweise ist die Vorlage einen Blick wert.

Für ein so brisantes Thema bleibt einfach zu wenig hängen. Grobe Schnitzer wie die verhunzte Synchronisation, laienhafte Schauspieler, sich streckender Aufbau und vernachlässigte Charaktertiefe weisen den Zuschauer ab und lassen ihn kaum in das Horrorszenario eindringen.

3 / 10

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