Review

Tja, es gibt viel zu viele Filme, die in Deutschland einfach untergehen. Meist sind es kleine Independent-Perlen, die sich hier einfach nicht etablieren und kein Publikum finden. Dies wären z.B. Filme wie "Rushmore", "Donnie Darko", "Bottle Rocket" oder eben auch "Last Exit Reno".

Das Spieler-Drama ist das Regiedebüt des damals 26-jährigen Regisseurs Paul Thomas Anderson, von Fans auch PTA genannt. Und bereits dieser erste Film zeigte Andersons Potenzial mit dem er schließlich in meinen Augen zwei der besten Filme der 90er Jahre, "Boogie Nights" (1998) und "Magnolia" (1999) drehte.

Der Film handelt vom altgedienten Spieler Sydney, der den verzweifelten jungen John unter seine Fittiche und nach Las Vegas nimmt. Dort bringt er ihm das Spielen bei und ein Jahr später hat sich schon fast eine Vater-Sohn-Beziehung entwickelt, wäre da nicht die Prostituierte Clementine, die zwischen den beiden steht.

In der allerersten Einstellung sehen wir nur schwarz untermalt von einem Gänsehaut machendem Ton, von PTA "Clementine's Loop" genannt (diesen Ton hört man übrigens auch in "Boogie Nights" und "Magnolia"), als das Bild dann schließlich aufblendete folgen wir den Beinen eines anscheinend etwas älteren Herren. Er geht auf ein Café zu, doch ein junger Mann, der zusammenkauert vor dem Café auf dem Boden sitzt, erregt die Aufmerksamkeit des älteren Mannes. Schnitt. Die beiden sitzen zusammen im Café und unterhalten sich.
Allein schon diese erste Einstellung ist meisterhaft inszeniert und bietet zwei großartige Darsteller, die in Deutschland auch völlig unbekannt sind: Philip Baker Hall als der ältere Herr mit Namen Sydney und John C. Reilly als der junge, verzweifelte Mann namens John.
Hall, der auch in PTAs darauf folgenden Filmen zu sehen war, hat ein äußerst mitgenommenes Gesicht, das einem die Lebenserfahrung dieses Schauspielers geradezu vor die Nase reibt. Halls Schauspielkunst besteht hauptsächlich aus seiner ruhigen und emotionalen Art und wie auch bei Robert De Niro oder Al Pacino macht es einfach Spaß, ihm beim Schauspielern zuzusehen.
Ein etwas anderes Kaliber ist da schon John C. Reilly, der ebenfalls zu PTAs Stammschauspielern gehört. Er spielt eher aufgebracht, fast schon entsetzt und kommt perfekt in Szenen zur Geltung, in denen Panik herrscht.
In eine ihrer großen unbekannte Rolle sehen wir den heutigen Superstar Gwyneth Paltrow als die Prostituierte Clementine. Sie spielt zwar nicht herausragend, aber immer noch akzeptabel genauso wie Samuel L. Jackson, bei dem es mich noch immer wundert wie PTA ihn nach "Pulp Fiction" für ein derartig kleines Projekt engagieren konnte.

Die Handlung des Films ist sehr interessant und ausgearbeitet. PTA inszenierte hier sehr ruhig, doch man erkennt schon seine spätere Handschrift.
Die Gesamtatmosphäre des Films ist ziemlich bedrückend, fast schon depressiv und das Ende ist ziemlich beeindruckend, vor allem im Bezug auf die Tat die Sydney am Ende begeht.

Alles in allem ein wirklich hervorragendes Drama, das man als Filmfan wirklich gesehen haben sollte. In Deutschland gibt es eine sehr gelungene DVD-Umsetzung des Films mit Audiokommentar von PTA und vielem mehr.
Zu empfehlen sind auch PTAs darauf folgenden Filme "Boogie Nights", "Magnolia" und der am 23. Oktober auf DVD erscheinende "Punch-Drunk Love".

Humor: 2 / 5
Musik: 2 / 5
Spannung: 3 / 5
Darsteller: 5 / 5
Inszenierung: 5 / 5
Erotik: 0 / 5

Gesamt: 10 / 10

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