Na gut, na gut. Die Geschichte ist nicht neu, aber was macht das schon, so lange sie gut in Szene gesetzt ist. Da bin ich auch bereit, den hundertsten Aufguss einer bereits bestehenden Geschichte zu ertragen.
Der kleine D'Artagnan musste mitansehen, wie der teuflische Fèbre (Glanzleistung von "Bellboy" Tim Roth) seine Eltern tötete. Als dieser auch ihm ans Leder will, zieht D'Artagnan Fèbre einen Scheitel, der ihn entstellt.
Gut, kenne ich schon aus "Showdown in Little Tokyo", aber geht in Ordnung, sowas will man ja ab und an mal sehen. Der Kleine wird vom alten Freund seines Vaters, die beide Musketiere waren, Planchet, erzogen und reift zu einem begnadeten Fechter heran. Es zieht in in die Dienste des Königs, denn D'Artagnan will ebenfalls ein Musketier werden. Doch finsterer hätten die Zeiten nicht sein können - der Anführer der Musketiere wurde von Richelieus Schergen eingekerkert und die Musketiere werden gejagt - eine kleine Mischung aus "Braveheart" und der Grundstory von "Krieg der Sterne"...was solls, stand nirgendwo drauf, daß man mitdenken soll.
Als es schließlich zur unvermeidlichen Endschlacht zwischen Königstreuen und Kardinalstreuen kommt, trifft D'Artagnan auf seinen Todfeind...
Die Story, wie schon gesagt, kennt ja sowieso jeder. Hier wurden nur einige Abwandlungen eingefügt, damit wenigstens etwas neu ist.
Neu ist vor allem die Kampfart von D'Artagnan. Mit temporeichen Martial-Arts-Einlagen erwehrt er sich hier der Soldaten des Kardinals, fliegt und wirbelt, springt gegen die Naturgesetze an und benutzt schonmal einen Kerzenständer als Waffenersatz. Die Choreographie der Kämpfe ist im Gegensatz zu den anmutig-eleganten Fechtorgien der Michael York-Ära einem typischen Eastern-Stil gewichen. Kraftvolle, schnelle Bewegungen und der Einsatz des ganzen Körpers beim Fechten lässt schnell und deutlich erkennen, daß hier ein Asiat die Finger im Spiel hatte.
Damit will ich nicht sagen, daß mir der Stil nicht zusagt, ganz im Gegenteil. Es hat mir richtig Spaß gemacht, daß die ewigen "Ich schniebel erstmal die Kerzen weg"-Szenen rasanten und ausgefeilten "Ich benutze das komplette Mobiliar"-Kämpfen weichen musste. Eine willkommene Abwechslung, obwohl manchen der schale Beigeschmack bleibt, wenn ein Film auf der Erfolgswelle eines anderen reitet.
Schlußendlich kann ich nur sagen, daß mir der Film beste Kurzweil geboten hat, die Charaktere mögen jetzt nicht so ausgefeilt sein, wie man es von A-Produktionen gewöhnt ist, doch Handlung, Kämpfe und Akteure kann man durchaus durchgehen lassen. Es sei nochmal herausgehoben, daß ich lange nicht mehr so einen charismatischen Bösewicht gesehen habe. Tim Roth ist einfach ein Vollblutschauspieler. Er ist auch der Einzige, der im Originalton die Betonungen wunderbar legt, und nicht beim Sprechen einzuschlafen droht.