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Jan Díte (Ivan Barnev) ist ein kleiner, beweglicher Mann mit einem freundlichen, jungenhaften Gesicht, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Schon als junger Mann verfolgte er nur ein Ziel - er wollte reich werden und fing als Hilfskellner im kleinen Dorfrestaurant an der Ecke zu arbeiten an. Was wie ein unmögliches Unterfangen begann, erwies sich dank einer Ansammlung unglücklicher Zufälle als zunehmende Erfolgsgeschichte oder wie formuliert es der ältere Jan Dite so schön im Rückblick auf sein Leben :

"Glücklicherweise hatte ich im entscheidenden Moment immer Pech!"

Regisseur Jirí Menzel entwirft auf Basis des Romans von Bohumil Hrabal ein Zeitgemälde der Tschechoslowakei ausgehend der 20er Jahre bis zum Beginn der 60er mit einer Hauptfigur im Mittelpunkt, die trotz teilweise dramatischer Ereignisse nie ihre gute Laune verliert. Schon zu Beginn als der gealterte Jan Díte (Oldrich Kaiser) nach 15 Jahren aus dem Gefängnis in Prag entlassen wird und der kommunistische Staat ihn dazu zwingt, in einem Randgebiet nahe der deutschen Grenze zu leben, wird diese Haltung offensichtlich.

Entspannt beginnt er ein heruntergekommenes Gasthaus, aus dem die ehemaligen deutschen Besitzer vertrieben wurden, wieder herzustellen, hat einen Blick übrig für die hübsche junge Frau, die wegen sexueller Umtriebigkeit ebenfalls ins Randgebiet verwiesen wurde, und erzählt in Abschnitten seine Geschichte. Autor Hrabal wurde berühmt für seine Sittengemälde, in denen er die große Anpassungsfähigkeit seiner Landsleute ironisch, aber nicht ohne Verständnis schilderte, und Regisseur Menzel schuf daraus einen Film, der das finsterste Kapitel des letzten Jahrhunderts ohne Pathos und umfassende Historie, aber mit entlarvendem Witz auseinander nimmt. Das dabei der teuerste tschechische Film aller Zeiten herausgekommen ist, sieht man dem Werk an, denn Menzel nutzt das Budget zu bildgewaltigen Inszenierungen, die gezielt den Unterhaltungswert des Films steigern.

Allein die Einbettung der Zeit der Annektierung der böhmischen Gebiete an das "Grossdeutsche Reich" zwischen den 30er Jahren mit ihren dekadenten Auswüchsen und der nachfolgenden humorlosen Zeit des Kommunismus, macht die Lässigkeit des Umgangs mit diesem Thema deutlich. Menzel konzentriert sich nicht allein auf die Nazizeit, sondern entwickelt einen Spannungsbogen, der gerade inmitten der vielen skurrilen und keineswegs immer harmlosen Geschichten erst die Absurdität und menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus deutlich werden lässt.

Durch die subjektive Sicht, aus der "Ich habe den englischen König bedient" erzählt wird, werden Judenverfolgung, Gestapo-Methoden und Kampfhandlungen im Krieg nur am Rande erwähnt. Doch die einschneidenden und prägnanten Elemente, die auch ein nie gefährdeter Mitläufer wie Jan Díte erlebte, verdeutlichen erst den umfassenden Griff der Diktatur auf die gesamte Bevölkerung und lassen die nach dem Krieg oft geäußerte Behauptung, dass man von nichts etwas gewusst hätte, als Verleugnung offensichtlicher Tatsachen erscheinen.

Nach einigen, teils unfreiwilligen Karriereschritten ist Jan Díte im "Hotel Paris" angekommen, wo fürstliche und vermögende Besucher in den mondänen Prager Jugendstil-Räumlichkeiten ihre Unterkunft nehmen. Jan Díte steigt dank geschickten Körpereinsatzes schnell zum Kellner auf und wettet mit seinem Oberkellner, der schon viele Jahre hier arbeitet und über perfekte Manieren und Sprachkenntnisse verfügt, jedesmal, was ein neu ankommender Gast bestellen wird. Der Oberkellner behält dabei immer recht, denn bei ihm handelt es sich um den Mann, "der den englischen König bedient" hat.

Das der Titel des Films (und Romans) sich auf eine Nebenfigur bezieht, zeigt erst die Raffinesse und Haltung der Erzählung. Im Gegensatz zu dem Hauptdarsteller erweist sich der Oberkellner als Mann von Charakter. Als Teile der Tschechoslowakei von Deutschland "angeschlossen" werden, verweigert er die Bedienung von Deutschen und spricht auch nicht ihre Sprache. Jan Díte verliebt sich dagegen - nach einer Vielzahl von Amouren mit den hübschesten Mädchen - ausgerechnet in die Sudetendeutsche Líza (Julia Jentsch), die von der Befreiung aller Deutscher und ihrem Helden Adolf Hitler träumt. Als sie zu Jan ins Restaurant des "Hotel Paris" kommt, wird sie nicht bedient und Jan daraufhin rausgeschmissen. Doch nur kurz danach wendet sich das Blatt, denn Deutschland hat die Kontrolle über die gesamte Tschechoslowakei übernommen und damit auch über das "Hotel Paris". Nur der Oberkellner weigert sich weiterhin standhaft, das anzuerkennen, weshalb er verhaftet wird - von einem SS-Offizier, den er selbst einmal aus dem Restaurant geschmissen hatte.

Die Veränderungen, die der Nationalsozialismus über die Bevölkerung bringt, zeigt Menzel mit einer Vielzahl von absurden Szenen, die besonders den Rassenwahn und die sich daraus ergebende vermeintliche Überlegenheit der Deutschen karikieren. Wenn Soldaten auf Befehl ausgesuchte blonde Frauen schwängern oder Jan Dite zu Musik von Wagners "Parsifal" unter dem Konterfei von Adolf Hitler ein Kind zeugen soll, wird die Lächerlichkeit dahinter offensichtlich.

Wer das als Verharmlosung eines ernsten Themas begreift, erkennt nicht Menzels eigentliche Intention. Ihm sind die schrecklichen Folgen der Nazi-Zeit völlig bewusst - was er mit kurzen eingestreuten Szenen noch zusätzlich verdeutlicht - aber mit seiner entlarvenden, unangestrengten Umsetzung transportiert er nachhaltig die perfide und den Menschen zu einer lächerlichen Figur degradierende Ideologie in die Gegenwart. Auch wenn er einem Mann wie Jan Díte seine Sympathie schenkt und an diesem anpassungsfähigen Überlebenskünstler deutlich werden lässt, wie die menschliche Psyche funktioniert und wie weit sie von den nationalsozialistischen Kriterien entfernt ist, so gilt seine Anerkennung letztlich nur einem Menschen - dem Mann, der den englischen König bedient hat (9/10).

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