Ab einer gewissen Zeit wurden Belmondos Filme vor allem auf seine Stunts und seine Komik zugeschnitten, selten so offensichtlich wie in „Ein irrer Typ“.
Mike Gaucher (Jean-Paul Belmondo), Stuntman, steht kurz vor der Hochzeit mit der Stuntfrau Jane Gardner (Raquel Welch). Allerdings brockt er ihnen einen fatalen Unfall kurz vor der Zeremonie ein, der in Trennung und Arbeitslosigkeit resultiert. Daraus könnte ein Sozialdrama machen, doch nicht bei Belmondo und Claude Zidi: Da werden das dreiste Betrügen des Sozialamtes, Alkoholismus und drittklassige Jobs im Supermarkt noch auf Pointen hin abgeklopft.
Mike bekommt eine Chance, als er den Star Bruno Ferrari (ebenfalls Jean-Paul Belmondo), dem er zum Verwechseln ähnlich sieht, doubeln soll. Er sorgt dafür, dass auch Jane angestellt wird, um sie zurückzuerobern…
„Ein irrer Typ“, das ist eine reinrassige Belmondo-Show mit einem gewissen Anteil Raquel Welch, Hauptsache die beiden blödeln und zanken sich bis die Schwarte kracht. Die Spielfreude ist dem Duo anzumerken, zudem stimmt die Chemie zwischen dem Komödianten und der Pin-Up-Ikone (deren Leistung allerdings überraschend gut ist), während der Rest vom Fest zu bloßen Stichwortgebern degradiert wird. Sichtlichen Spaß hat vor allem Belmondo, der laufend Seitenhiebe gegen all jene Stars austeilt, die ihre Stunts nicht selbst machen, und liefert als tuntiger Bruno Ferrari eine böse Karikatur des affektierten Starimages ab.
Als Film über Stuntmänner und –frauen versucht „Ein irrer Typ“ noch nicht mal zu verschleiern, dass die Einlagen einfach nur eingestreut sind, um Schauwerte zu liefern, alle paar Minuten darf man sich über Treppenstürze, Seilakrobatik oder halsbrecherische Kletterpartien auf Hubschraubern und Flugzeugen freuen. Ehrensache, dass Belmondo ungedoubelt kraxelt, fällt und schwingt, ohne eine richtige Handlung drumherum wirken die Actioneinlagen aber nicht ganz so packend wie z.B. die berühmte Verfolgungsjagd aus „Angst über der Stadt“.
Anstelle von Spannung wird hier vor allem Witz groß geschrieben, aber da bietet „Ein irrer Typ“ wirklich amüsanten Klamauk, hierzulande natürlich mal wieder vorzüglicher Synchro von Rainer Brandt, die dem Affen noch mal so richtig Zucker gibt. Gewohnt schnoddrige Sprüche passen zu den groben Slapstickeinlagen, wenn Mike bei einer betrunkenen Darbietung im Affenkostüm einen Supermarkt demoliert oder einen Behinderten mit Kinderhorde mimt, um das Sozialamt zu bescheißen. Political correctness sucht man da vergebens, aber gerade dadurch wirkt „Ein irrer Typ“ echt erfrischend.
Allerdings kann „Ein irrer Typ“ nicht verschleiern, wie dünn das Konstrukt ist, auf dem der Film fußt, ohne große Dramaturgie werden hier episodenhaft Stunts und Komikeinlagen aneinandergeklebt und wenn man gerade nicht Geblödel oder Action anstehen, dann wirkt der Film schon recht öde. Sicher, allzu lang sind die Durststrecken nicht, aber zwischendrin driftet das Zuschauerinteresse immer weg.
Ringen mit Tigern, Kletterpartien auf Flugzeugen und Knutschen beim Fallschirmsprung – schräge Ideen fehlen „Ein irrer Typ“ ebenso wenig wie Schauwerte und Comedytiming beim groben Klamauk. Doch zu dünn ist die Handlung, immer wieder hat der Film seine Hänger, wenn Verschnaufpause angesagt ist, trotz eines spielfreudigen Hauptdarstellerduos.