Review

Die Zombies von nebenan

Selten zuvor hab ich mich darauf gefreut, nach ewig langem Suchen und Verhandeln, diesen, in vielen Foren absolut hochgehypten Zombieklassiker zu begutachten, doch selten schneller zuvor war Vorfreude in absolute Ernüchterung übergeschwappt, präsentiert sich uns dieser, nicht ganz so ernst gemeinte Zitatenzombie als billiges C-Movie mit ausserordentlich viel Amataurwurzeln. Das mag und soll wie so oft natürlich kein Grund für ein schlechtes und anödendes Filmerlebnis sein, doch muss man, wenn man schon mit soviel übereiferndem Lob gegenüber dem Film vollgeschüttet wird, dementsprechend unterhalten werden, gelingt ein Zombiefilm immer bloss dann, wenn man die Erwartungen auch dementsprechend runterschraubt. Man muss wirklich schon vorbereitet und in Stimmung für einen solchen Film sein, muss man sich doch eigentlich mit den vorhersehbaren, typischen Amateurdefiziten abgeben, die immerwährend mit gleichbleibender Dramaturgie, oftmals erheblicher Einfältigkeit und innovationsloser Präsentation zu kämpfen haben.

Dabei ist der Anfang noch recht unterhaltsam und symphatisch präsentiert, denn wenn eine Horde Zombies in die Videothek rennt, um die komplette Romerozombietrilogie zurückzugeben, dann weiss man wo der Hase lang läuft, beziehungsweise auch, dass sich The Dead next door als simpler Fanfilm nie so wirklich ernsthaft präsentieren möchte. Da beginnt man dann recht typisch mit der Einführung von Spezialeinsatzkräften, hier eine sogenannte Zombiesquad, die sich der Unmengen von Zombies entwehren wollen, als Kulisse dient dabei Night of the living dead (1968) mäßig die amerikanische Einöde aus Wiesen, Feldern, Kleinstadtgegenden und Räumlichkeiten. Dabei ist Dead next door im Gesamtkonzept eine Verschmelzung von Romeros Night-Dawn-Dead wobei sich dann noch Ärzte namens Dr. Savini, Dr. Franklin in die Söldnermenge um Herr Saimi einklinken, um das grosse Fanzitatekino perfekt zu machen. Und machen wir uns nichts. Das mag auch alles seht symphatisch für den geneigten Schundfilmfan sein, aber in seiner Präsentation ist das dann doch wieder der typische Amateureinheitsbrei um Zombies, wie wir es schon zu tausendfach gesehen und ertragen mussten.

Das ist natürlich selten so dilletantisch und inhaltlos wie Schnaas Zombie 90' beispielsweise, aber Spannung kann dieser Amischund auch nicht in seine desaströse feingefühllose Inszenierung entfachen, vorallem, wenn durch völlig belangloses Anreihen von Szenen ohne Absicht auf Tiefgang für Charaktere oder Wendungen, keinerlei Atmosphäre entstehen kann. Der wesentliche Fokus, das Hauptmotiv ist hier schnell ausgemacht, und das ist letztendlich die kleine, feine, blutrünstige Huldigung am Rande, aber mit so wenig Biss und Motivation, dass man dabei, auch wenn hier en masse Dawn, Day, Jason, Savini, Raimi, Romero und Tanz der Teufel erwähnt wird, selten von treffsicherer, oder augenzwinkernder Parodie reden kann. Denn dafür agieren die Schauspieler zu gewollt ernst, der Hintergrund um eine eintretende Sekte, die die Zombies beschützen, ist da dazu noch der letzte Arschtritt um das Ganze noch lächerlicher und unschlüssiger wirken zu lassen.

Ausser Splatter und Gore ists hier auch mal wieder nichts gewesen, denn ganz in seiner Tradition reiht sich hier Effekt nach Effekt, was wohl, in Bezug auf Herkunft, Motivation und Zielpublikum auch das grösste Klassenziel gewesen sein muss, wird das doch stellenweise vernünftig und recht gehoben erfüllt. Da sprechen wir aber leider grösstenteils bloss von billigen Beissattacken an Hälsen, Armen und Fingern, was letztendlich genügsam ist, aber die grosse Schlachtplatte nicht wirklich zum Höhepunkt treibt. Am aufwendigsten sind da auch allenfalls noch die Zombiemasken, die sich, wenn der Darsteller darin, nichtmal wieder zu doof oder overactend schaut, echt sehen lassen können, vorallem wenn sie durch das Doktorserum zu schmelzen beginnen. Also alles in allem ein recht ertragreicher Amateursplatter ohne Sinn und Verstand, der aber, aufgrund wenig Feingefühl, vieles an Partypotenzial verspielt, ist die ganze Inszenierung insgesamt zu träge und spannungstechnisch zu eindimensional.

Fazit:
Öder, aber blutrünstiger Zombiekult, der seine Amateurherkunft und daraus resultierenden Schwächen selten verstecken kann, aber in gestählter Runde, sofern man bloss ordentliches Gemantsche erwartet, durchaus unterhalten kann. Ohne das und in falscher Situation ists bloss ein wehleidig nerviglangweiliger Hirnlosfilm mit Klamaukzombies und Billiggore.

42%

(Splatterkids dürfen gerne 20-30 % dazurechnen)

Couchstellungswechsel: 15+
Schmunzelfaktor: 71%
Langeweile: 65%
Atmosphäre: 17%

Vergleichbar:
Eine Metamorphose aus Flesheater (1988) + The Rising dead (2006) + Zombie 90 (1990) und Zombi 4: After Death (1988)

Anhang:
Stellungnahme aus dem Gemeinschaftsforum für mein missverständliches Fazit:

Dead next door ist für mich so ein typisches Beispiel dafür, wo sich Professionalität und typische Amateurhaftigkeit überschneiden. Dead next door wirkt im Gegenzug zu vielen anderen Amateurfilmen, allen voran deutschen natürlich, eher wie ein C-Movie, dem es gelingt, seine Herkunft vergessen zu lassen, professioneller zu wirken auch wenn man sich immer bewusst ist, dass es eine Amateurproduktion ist.
Hierbei geht es in meinen Augen auch nicht darum, zu behaupten, dass der Film seine Herkunft verstecken möchte, schliesslich steht er, wie du auch sagst, fest dazu...schliesslich ist Dead next door eine reine Huldigung von Fans, die mit simplen Mitteln versucht in ihrer Leidenschaft für Zombiefilme und Romero eine eigene Interpretation abzuliefern. Meist ist es diese unbefangene Amateurhaftigkeit und das Untalent, die die Schwächen zu Stärken werden lässt, aber Dead next door schafft in meinen Augen diesen Spagat nicht, weil ich einerseits augenzwinkernde Zitate in Richtung Parodie feststellte, aber er auch einerseits vollkommen ernst rüberkommen wollte. Mit meinem Schlussatz wollte ich eigentlich bloss nochmals untermauern, dass Dead next door trotz seiner teilweise überdurchschnittlich guten Inszenierung (für Amateurverhältnisse), selten einen Kompromiss findet, was er denn sein möchte. Aber in der Tat, je mehr ich mir meinen Satz durchlese, stelle ich fest, dass er etwas falsch gewählt wurde...Das muss ich wohl nochmal überdenken, denke ich.

Mir machen gewiss Amateurfilme Spass, sehr sogar. Das sieht man vorallem an den Violent Shit Teilen, die teilweise auch unter Amateurjunkies wenig Beachtung und vorallem Hohn finden. Die finde ich grossartig, nur mal so nebenbei, aber da wusste ich auch, was mich erwartete...Bei Dead next door hingegen, wie ich es auch erwähnte, erwartete ich etwas professionelleres, zumindest waren meine Erwartungen so ausgelegt, keinen Amateurzombiefilm zu sehen. Ich ging einfach mit falschen Erwartungen an den Film und ich denke heute war einfach nicht mein Tag für hirnlosen Zombiemüll...(daher auch das Zurechnen von 20-30 % zudenen ich mich wohl auch zähle, wenn die Situation passt)
Aber allgemein war Dead next door für mich einfach zu unausgeklügelt und wusste meist selbst nie was er will. Einerseits mit Augenzwinkern, dann wieder toternst, wobei er bloss Spass machen soll...Und wie gesagt, ich glaub ich wiederhole mich, der Film will nicht professionell wirken, tut es aber, in Bezug auf deutsche Standards, und kann dann stellenweise die typischen Defizite, die einem solchen Film anlasten nicht verstecken. Liegt halt dann immer im Auge des Betrachters, wie man diese Defizite auf ,- bzw. abwertet.

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