Da der Film keinen Zweifel daran lässt, wess Geistes Kind er ist frage ich mich einen Tag nach der Sichtung, ob Zombie - König George Romero zu Lebzeiten von "The Dead next Door" wusste. Qualitativ durchaus beachtlich produziert haut das Regiedebut eines Herrn namens J. R. Bookwalter in eine ähnliche, wenn auch humorvollere Kerbe wie Romero. Der hat zu Lebzeiten in seiner Trilogy of the Dead (die mittlerweile eine Sixtologie ist und post mortem um Teil 7 erweitert werden soll) alles abgewatscht, was ihm nicht in den Kram passte, vom Rassismus über Kapitalismus, Militarismus bis zum menschlichen Unvermögen im Allgemeinen. Ich denke, wie Bookwalter hier die Dummheit vermeidlicher Topwissenschaftler, vor allem aber den zelotisch zelebrierten Schwachsinn selbsternannter Zombierechtler und religiöser Gruppierungen parodiert dürfte Romero gefallen haben. Dass man hier nebenbei noch die angeborene geistige Inkompetenz des Homo sapiens als Haupthumorquell nutzt stellt sich mir zusätzlich die Frage, ob die Crew hinter dem großartigen "Shaun of the Dead" den Film vielleicht nicht auch gesehen und etwas höher auf ihre Liste der inspirationsquellen gesetzt haben. Auch wenn der Humor hier, zugegeben, eher unfreiwillig ist.
In Akron, Ohio ist die Hölle los: Die Forschungen des Wissenschaftlers Bow, der in bester Frankensteintradition den Tod besiegen wollte, zog eine Epidemie watschelnder Toter nach sich, die sich (nicht) gewaschen hat. Fünf Jahre später und einige Kilometer weiter muss eine Spezialeinheit der Polizei, die Zombie Squad, den Karren voll Gammelfleisch wieder aus dem Dreck ziehen. Bedeutet im Klartext: möglichst viele tote Zombies und möglichst viele gerettete Zivilisten bei möglichst geringem Personalverlust. Ein schweres Unternehmen, wenn die Aufmerksamkeitsspanne der eigenen Mitarbeiter keinen Fußbreit misst.
Sehr früh im Film erfährt der Auftrag der Einsatztruppe ein kleines Update und man schickt die Überreste der Einheit nach Akron, um dort Bows Formel für ein vermeidliches Antiserum zu bergen. Theorethisch könnte man abwarten, bis die Zombies sterben, da das Virus ohne Fleischzufuhr laut neuester Forschungsergebnisse seinen Wirt verdaut und sich dann selbst frisst, da das aber Wochen dauern und in der Zeit mutmaßlich immer neuer Untote hinzukommen würden muss man halt hinreisen und die Forschungsergebnisse aus den Klauen einer christlich - fundamentalistischen Pro Zombie - Sekte mit Menschenopfermacke und Apokalypsenneurose reißen, deren Vorgehensweisen reichlich schizophren sind: Mal sperrt man Zombies ein, mal nicht, mal füttert man sie mit den eigenen Toten oder designierten Opfern, mal vermaulkorbt man sie und setzt sie in der Pampa Akrons aus, je nach Lust und Laune.
Klingt ziemlich nach Clusterfuck, macht aber Spaß und ist für ein Geringbudget sehr effektiv verfilmt. Mal ehrlich, die Zombies kommen schon recht nahe an Savinis Goldstandard heran und auch die Muppetanimatronik, derer sich hier gelegentlich bedient wird geht vollkommen in Ordnung. Auch kopiert man hier die offensichtlichen Vorbilder nicht stumpf, sondern entwirft eigene Ideen wie künstliche Stimmbänder für die lebenden Leichnahme und kreative Nebenwirkungen für das hauseigene Serum. Deren unerwünschten Seiteneffekt will ich nicht spoilern, aber das berühmte Zitat "Wesssst... You Bastard!" (na, welcher Film?) geht mir da durch den Kopf.
Im O - Ton hat man übrigens das Vergnügen, Killerkinn und Tanz der Teufel - Star Bruce Campbell als Stimme des Squad - Leaders Raimi zu hören. Wer die Anspielung mit einem Schmunzeln auf den Lippen erkannt haben, der darf sich auf eine ganze Tonne an Anspielungen freuen, die heute so lala wirken, aber in einer Zeit, wo diese Art von Metagags noch nicht üblich war gezündet haben dürfte.
Knapp über 70 Minuten gut investiert würde ich mal sagen: "The Dead next Door" ist die Kurzweil in Perfektion und für mich ab heute einmal im Jahr lebloses, aber unterhaltsames Pflichtprogramm. So kann man ein Jahr Schreiberei auf der OFDB feiern.