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In der Zeit nach Peter Jacksons Tolkien-Filmtrilogie müssen sich ambitionierte Fantasyproduktionen meistens den Vergleich mit dem Meilenstein gefallen lassen und da das Motto in den überwiegenden Fällen „Klotzen statt Kleckern“ heißt, wird meistens zwar unglaublich was fürs Auge, aber weniger für die Story aufgewendet, weil Simplifizierung ja größere Publikumsschichten verspricht.

„Stardust“ ist, wenn auch nicht das genaue Gegenteil, doch die wesentlich angenehmere Alternative.
Das Buch von Neil Gaiman ist ein wunderbares Fantasymärchen mit allem Drum und Dran für Heranwachsende und Erwachsene, das aber im Notfall auch Kindern vorgelesen werden kann.
Daraus geworden ist genau das Äquivalent in Sachen Zelluloid: kein ausgesprochener Kinderfilm, aber einer, den man endlich getrost mit ihnen ansehen kann, um sich vielleicht sogar noch mehr als sie zu amüsieren.

Dieser seltene Glücksfall von Film beruht auf einer ungewöhnlichen Kombination von Ereignissen vor und während der Produktion. Neil Gaiman gab nämlich die Rechte nicht einfach für einen Scheck ab, sondern plante die Verfilmung eigenhändig vor. Als er die Maschinerie, die folgen könnte, erahnte, lehnte er die meisten namhaften Regisseure ab und gab die Rechte dem Guy-Ritchie-Produzenten Matthew Vaughn, der ihm mit seinen Ideen am meisten entgegen kam. Und als der, bei der Arbeit am Drehbuch, mit der Romantik der Geschichte nur bedingt zurecht kam, stellte ihm Gaiman auch noch die komplett unbekannte TV-Autorin Jane Goldman vor, die gemeinsam mit ihm den Rest schrieb.

Das Skript folgte schließlich zu einem überraschend großen Teil der Vorlage und bietet ungewöhnliche Abwechslung von der Fantasykonfektionsware zwischen „Rettung des Märchenlandes“ und den ganz großen Schlachten. Tatsächlich kombiniert Gaiman in seinem Buch Romantik, Abenteuer und Märchenelemente mit einem dicken Augenzwinkern und kommt so William Goldmans „The Princess Bride“ ungewöhnlich nahe.

Interessant ist vor allem die leichthändige Verknüpfung mehrerer Handlungsstränge, die immer wieder zusammenfinden, sich kreuzen und wieder auseinander laufen. Im Zentrum steht natürlich die Suche nach einem vom Himmel gestürzten Stern, der die Gestalt von Claire Danes angenommen. Unser jugendlicher Held Tristan will ihn erbeuten für seine ungnädige Flamme daheim in der Menschenwelt, drei Hexen brauchen ihn zur baldigen Verjüngung und die letzten beiden von sieben Prinzen des regierenden Königreichs (die übrigen fünf haben sie schon umgebracht) jagen aufgrund der Thronfolge quer durchs Land.
Garniert ist das alles noch mit etwas Coming-of-Age, sardonischem Humor bisweilen, den fünf sarkastischen Geistern, einer „Ich-suche-meine-Eltern“-Story und einem schwulen Piraten, dargestellt von Robert de Niro.

Mag der letzte Teil eher dazu angetan sein, de Niros Niedergang zu dokumentieren, so lasse man sich gesagt sein, das seine zwischen aufgesetzter Härte (für die Männer) und verspielter Homosexualität (privat, beim Einkleiden Claire Danes) eins der Highlights des Films ist.
Fast ebenso stark Michelle Pfeiffer, die im Laufe des Films als Hexe reichlich Altersmasken über sich ergehen lassen muß, ihre Boshaftigkeit aber mit derselben Spielfreude garniert wie alle Anwesenden.
Freunde des Britischen dürfen sich außerdem noch über einen Nebenrolle für Ricky Gervais (The Office, Extras) freuen und über ein Who’s Who der Schauspielerschar der Insel (Nathaniel Parker, Rupert Everett, Sara Alexander, Jason Flemyng), die wohl als einzige den Humor der Vorlage treffend einfangen können.
Mit dem Verzicht auf große Schlachten zugunsten einer verwobenen Storyline mit vielen kleinen Höhepunkten und viel Charakter- und Situationshumor, bekommt man auch endlich wieder das längst vergessene Fantasyfeeling wieder, das bei vielen eher seelenlosen Produktionen (Narnia, Eragon...) eher zu kurz kommt.

In den Staaten war der Film an der Kinokasse nicht sonderlich erfolgreich, im Rest der Welt jedoch ließen sich beachtliche Ergebnisse erzielen und so kam der als Flop apostrophierte Film doch schon bei der Erstauswertung auf das Doppelte seines übrigens moderaten 70 Mio.-Budgets.
Man mag ihm ein langes und erfolgreiches Leben unter all den Fantasyfreunden wünschen, denn wenn denn mal etwas Ungewöhnliches und Frisches aus dem schon abgegriffenen Märchenland geritten kommt (oder vom Himmel fällt), dann sollte man solche Sterne auch hüten. (9/10)

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