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"Ewiges Leben. Ich kann mir vorstellen, dass dies ziemlich einsam wäre."

Uih, uih, uih, wenn ich früher gewusst hätte, was der bisher recht unbekannte Regisseur Matthew Vaughn hier veranstaltet, hätte es letztes Jahr einen Kinobesuch mehr gegeben. Aber um dies festzustellen musste die Leihung der DVD, und baldige Anschaffung selbiger, herhalten.

In einem kleinen Ort mit dem Namen Wall im Südosten von England trennt eine Mauer die unsere Welt von dem Königreich Stormhold, einer fantastischen Welt, ab. Rund um die Uhr wird die Mauer von einem argwöhnischen Dorfbewohner bewacht. Eines Nachts fällt ein Stern vom Himmel herab, genau in besagtes Königreich, was nicht unbeobachtet bleibt. Der unscheinbare Tristran (Charlie Cox) möchte diesen gefallenen Stern seiner angebeteten Victoria (Sienna Miller) vermachen um seiner Liebe zu ihr Bedeutung zu verleihen. Mittels eines magischen Artefaktes, einer babylonischen Kerze, ist der Weg dorthin ein leichtes. Von einem Atemzug zum nächsten befindet er sich an der Stelle, wo der Stern aufprallte. Zu seiner Verwunderung gleicht dieser aber nicht einem Stein oder ähnlichem Fragment, sondern zeigt sich in Form der strahlend schönen Yvaine (Claire Danes). Da die Kerze so gut wie aufgebraucht ist, muss Tristran den Rückweg zu Fuße beschreiten... mit einem recht widerspenstigen Anhängsel. Wäre dies allein nicht schon nervig genug, hängen schon bald zwei weitere Parteien an ihren Versen: Die böse Hexe Lamia (Michelle Pfeiffer), welche sich durch das Herz des Sternes ewiges Leben und Jugend verspricht und eine Reihe von Königssöhnen für die der Stern den Thron des Königreiches bedeutet.

Fantasy muss sich seit der verfilmten Tolkien Trilogie immer wieder dessen Vergleich gefallen lassen, daher scheut kein Studio große Massenschlachten und epische Größe in ein Fantasyspektakel zu verwursten, auch wenn dabei die Story und die Charaktere zu kurz kommen. "Der Sternwanderer" geht hier andere Wege. Massenschlägereien fallen aus, desgleichen ist die epische Breite nicht vorgesehen, wobei es Augenblicke gibt, in denen Anleihen hierzu erkennbar sind. Stattdessen wird ein recht klassisches Märchen präsentiert, dass sich nicht allzu bierernst nimmt.

Der charmante Humor ist hier etwas ungewöhlich bringt aber äußerst viel Abwechslung in das beinahe schon angestaubte Fantasy-Genre. Man könnte meinen die Macher hätten mit Begeisterung "Shrek" gesehen und den Witz auf ihre Produktion umgeleitet. Charakter- und Situationskomik, selbst moderner Witz über steuerliche Einnahmen oder sexueller Ausrichtung finden ihren Platz, wirken allerdings in wenigen Fällen auch ein wenig überzogen und albern.

Effekte braucht das Land. Das Gewitter künstlich geschaffener Kreaturen oder Lichtspielereien fällt aus, stattdessen gibt es, im Vergleich zu den epischen Fantasywerken der letzten Jahre, "nur" verstreute Effekte dieser Art. Dadurch, dass das Auge mit nicht zu vielen Effekten überlastet wird fallen diese umso mehr auf und begeistern um ein Vielfaches, egal ob es sich um ausgesprochene Zauber, Verwandlungen, Luftschiffe oder Landschaften handelt. Ganz besonders zu betonen ist das geniale leuchten um Claire Danes, was zudem einen zusätzlichen Schmunzeleffekt bewirkt.
Viel Handarbeit wurde in Kostüme und Masken gesteckt. Gerade die Ausstattung ist sehr vielfältig und passend für ein Märchen, beispielsweise wallende Kleider, polierte Rüstungen oder das ein und andere Fältchen in den Gesichtern der Hexen.

Neben Zauberreien, kurzen überschaubaren Kämpfen, schrägen Charakteren und fantastischen Kreaturen wird viel Zeit für Liebe und Romantik geopfert. In der Mitte des Films entstehen dadurch ein paar Längen und teilweise wird etwas zu dick aufgetragen, wodurch es etwas schmalzig wird.

Der Soundtrack ist pompös, orchestral, typisch für ein Fantasyspektakel mit jeder Menge Pauken, Trompeten und Streichern besetzt und unterstreicht durchweg die Atmosphäre.

Ein Wort zu den Schauspielern.
Charlie Cox hat die meiste Zeit sein zwar charmantes aber auf Dauer etwas nervendes Lächeln auf den Lippen. Das Zusammenspiel zwischen ihm und Claire Danes funktioniert allerdings hervorragend. Insbesonders letztere bringt ihre Rolle als einerseits widerspenstiges aber ebenso verletzliche, zartes Sternenkind mehr als eindrucksvoll auf die Leinwand. Das sie dies gut kann hat sie schon einmal in der Neuverfilmmung von "Romeo + Julia" neben Leo DiCaprio bewiesen.
Michelle Pfeiffer, um die es in den letzten Jahren recht ruhig wurde, verkörpert den Charakter der bösen Hexe ebenso garstig wie hinreißend. Da kann eine Nicole Nicole Kidman im gern genannten Konkurrenzfilm "Der goldene Kompass" des letzten Jahres absolut nicht mithalten.
Sehr schräg und unerwartete kommt Robert De Niro als tuntiger Luftpirat daher und rundet die sehr unterschiedlichen Charaktere ab.

Nach langem warten begeistert endlich mal wieder ein klassisches Fantasymärchen mit viel Ironie und Witz, einem Hauch Philosophie, einer gehörigen Portion Romantik sowie jeder Menge Spaß und Unterhaltung. Hoffentlich rückt noch mehr dieser Art nach.

8 / 10

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