Review

Almodóvar bricht sich niemals die Haxen!

Weiter geht’s mit meiner wundervollen und prallbunten Reise durch Almodovars grandiose Gedankenwelt und Filmographie! Die Story von „High Heels“ aka „Die Waffen einer Frau“ aka „Tacones Lejanos“: Eine berühmte Sängerin, Schauspielerin und Mutter kommt nach zwei Jahrzehnten (!) als Soapstar in Südamerika zurück nach Spanien - wo ihre vernachlässigte Tochter verheiratet mit einem ihrer Ex-Liebhaber (!!) auf die Grand Dame wartet…

Geschlechterrollen und Mutterkomplexe

„High Heels“ hat vielleicht nicht mehr ganz diese sexuell-perverse wie unberechenbare Energie von Almodovars allerersten Werken, befindet er sich doch eher delikat auf dem Weg zu dessen späterer Reife und Tiefe. Vor allem die Beziehung der beiden Frauen, Mutter und Tochter, verleiht diesem quirligem Murder Mystery-Vexierspiel viel mehr Fläche und Emotionalität als oft bei anderen, schnippischeren, oberflächlicheren Werken Almodovars. Deswegen würde ich behaupten, dass „High Heels“ in seinem ergiebigen Oeuvre zu unrecht zu oft übergangen wird. Das ist ein klasse Film! Wie gesagt nicht ganz so überbordend und überschwänglich wie andere Knaller aus seiner Anfangszeit, aber nicht minder faszinierend. Und noch immer sexy genug. Es gibt Mütter und Töchter, Männer in Frauenkleidern, Musicaleinlagen und Playback, sogar der Frauenknast erstrahlt in Almodovars Farben und Formen. Flashmobs bevor das zu einem Ding wurde. Den Schatten der Mutter. Mord und Totschlag. Sex auf der Kleiderstange. Ein Muttermal auf der Eichel. Das sagt denke ich schon alles. Bizarr und doch fühlbar. 

Fazit: durch die komplexe Mutter-Tochter-Beziehung eines von Almodovars menschlichsten, geerdeteren Werken. Ohne seinen knalligen Style zu verlieren. Travestieshow mit Tiefe! 

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