Review

“Lausbubengeschichten
für Erwachsene“

Es gibt Fortsetzungen und es gibt Fortsetzungen. Natürlich entstehen immer mal wieder Folgefilme, die dem Original ebenbürtig sind (Indiana Jones), es manchmal gar übertreffen (Star Wars, X-Men) oder zumindest ordentlich weiterspinnen (Stirb Langsam, Spider-Man). Leider handelt es sich hier um Ausnahmen. Das Gros der so genannten „Sequels“ versucht mühsam, Originalität, Charm und Erfolgsrezept des Ursprungsfilms zu wiederholen, was meist in einer aufgeblasenen und faden Kopie endet, bei der der Zuschauer das Kino ähnlich einem Fastfood-Restaurant verlässt. Auf den ersten Blick (Bissen) schmecken die vertrauten Zutaten hervorragend, hinterlassen aber nach dem Sättigungsgefühl einen äußerst faden Beigeschmack. Wer die überflüssigen Fortsetzungen von Matrix, Fluch der Karibik, Shrek (um nur einige Beispiele zu nennen) kennt, weiß, was ich meine.
Die von Steven Soderbergh und seinem Spezi George Clooney initiierte Ocean´s-Serie gehörte bisher eindeutig zur zweiten Kategorie. Das Sequel (Ocean´s 12) der Gaunerkomödie enttäuschte Publikum wie Filmkritik gleichermaßen und war eine überkandidelte Nummernrevue, bei dem die in Ocean´s 11 mitschwingende Coolness auf die Spitze getrieben wurde. Aus einem Coup machte man flugs deren drei, was auch den aufmerksamsten Zuschauer rasend schnell den Überblick verlieren ließ. Dass es trotzdem einen dritten Teil geben würde, war aber keineswegs überraschend:

1. Soderbergh braucht zwischendurch einfach immer wieder mal Geld, um seine ambitionierteren, kleineren Filme produzieren zu können (u.a. Solaris, The Good German). Besonders, da diese regelmäßig (finanziell) floppen.
2. Die Darsteller der Ocean-Bande sind teilweise auch privat eng befreundet (v.a. Brad Pitt und George Clooney) und hatten offenbar regelmäßig mächtig Spaß beim Dreh. Da trifft man sich gern auch ein drittes Mal.
3. Der eher maue zweite Teil war immer noch ein ordentlicher finanzieller Erfolg, so dass das produzierende Studio ein veritables Interesse an der Fortführung der Reihe gehabt haben dürfte. Nach dem Motto: „So lange die Kuh noch Milch gibt, sollte man sie möglichst auch melken.“

Aus Sicht des mit Ocean´s 12 geprellten Zuschauers war allerdings eine gehörige Portion Skepsis angesagt. Würde Soderbergh den eigenen Kultfilm endgültig beerdigen?
Auf den ersten Blick ist ganz klar ein „Back to the roots“ festzustellen. Wie im ersten Teil geht es in Ocean´s 13 um Rache. Casino-Besitzer Willie Banks (Al Pacino) hat Reuben Tishkoff (Elliott Gould) reingelegt und ruiniert. Um den herzinfarktgeplagten und deprimierten Freund wieder aufzupeppeln, trommelt Danny Ocean (George Clooney) die alte Gang zusammen. Der Auftrag ist klar: Bank soll bezahlen (im wahrsten Sinne des Wortes). Zu diesem Zweck soll sein neuestes Casino am Eröffnungstag nach allen Regeln der Kunst sabotiert werden. Erneut steht also ein übermächtiger, steinreicher und eiskalter Casinochef im Visier der Ocean-Bande. Und wie in Ocean´s 11 (mit „Pate“ Andy Garcia) holte man sich einen gangstererprobten Leinwandstar vor die Kamera: Schauspieltitan Al Pacino.
Ocean´s 13 atmet wieder den Charme und Esprit des ersten Teils. Das liegt in erster Linie an der goldrichtigen Entscheidung, zum Drehort Las Vegas zurückzukehren. Die künstliche Glamourstadt inmitten der Wüste von Nevada ist wie geschaffen für die gewitzten und generalstabsmäßig ausgeklügelten Raubzüge der Gentlemangangster. Da wird nach Herzenslust bestochen, manipuliert, experimentiert, intrigiert und mehrfach extrem flexibel reagiert. Da wird mit High tech und Millionenbeträgen um sich geschmissen, dass es eine wahre Freude ist. Da kommt ein Chunnel-erprobter Riesenbohrer zum Einsatz, um ein künstliches Erdbeben zu erzeugen, welches schließlich Banks neues Überwachungssystem lahm legen soll. Unglaubwürdigkeiten dieser Art werden von dem lässig-sympathischen Cast mit einem Augenzwinkern serviert, so dass man als Zuschauer denkt: Hey, warum eigentlich nicht?

Aber eigentlich spielt die Story nur eine untergeordnete Rolle. Es reicht ein loser roter Faden - der in Ocean´s 12 allerdings schmerzlich vermisst wurde -, um das Gesamtkonzept aufgehen zu lassen. Das ganze Unternehmen ist in erster Linie ein großer Jux. Der Film bietet eine Fülle an kleinen Gags, Tricks und genialen Einfällen (hier sei nur das Stichwort „Oprah Winfey“ genannt).
Wie in Teil 1 der Reihe überträgt sich die permanent gute Laune der Gaunerbande auf das Kinopublikum, das im Verlauf des Films einen sprichwörtlich diebischen Spaß an dem aufgeblasenen Mumpitz bekommt. Soderbergh schafft es erneut, eine im Kern unglaubwürdige Heist-Geschichte durch Rasanz, Wortwitz und ein wunderbar aufgelegtes Darstellerensemble vor dem Absturz in die Lächerlichkeit zu bewahren. Vor allem das Star-Trio Brad Pitt, George Clooney und Matt Damon glänzt durch enorme Spielfreude. Auch der häufig zum Overacting neigende Al Pacino fügt sich perfekt in den lässig-coolen Gesamtton des Films und nimmt sich erfreulich zurück. Das ist überhaupt eine der großen Stärken der Ocean-Filme, dass sich keiner der zahlreichen Stars in den Vordergrund zu spielen versucht.

Ocean´s 13
soll in erster Linie Spaß machen, und er macht ordentlich Spaß. Eindeutig ist der Film auf ein erwachsenes Publikum zugeschnitten, das sich eine kindliche Ader bewahrt hat. Keine platten Schenkelklopfer, Slapstick- oder Fäkalhumoreinlagen stören das stilvolle Amüsement. Fans von Adam Sandler, Eddie Murphy, Jim Carry oder Will Ferell sollten tunlichst die Finger von dem Film lassen. Die Witze sind zu subtil (wenn auch nicht alle zünden), die Charaktere und ihre Verhaltensweisen zu sophisticated und die Entwicklung des Plots zu gemächlich, um ein jugendliches Blockbuster-Publikum anzusprechen. Letzteres ist in den dritten Outings von Spider-Man, Fluch der Karibik und Shrek definitiv erheblich besser aufgehoben.
Ocean´s 13 ist ein gelungenes Lausbubenstück für Erwachsene. Ähnlich dem ersten Teil zaubert er dem geneigten Zuschauer ein wohliges Schmunzeln auf die Lippen und macht den schwachen Ocean´s 12 vergessen. Für Freunde der stilvoll-humorigen Unterhaltung absolut empfehlenswert.

(8,5/ 10 Punkten)

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