So hat modernes Unterhaltungskino zweifellos auszusehen.
Wenn es zwischendurch mal etwas geistloser sein darf, ist es nicht das Schlechteste, wenn man sein Publikum in ein dichtes Geflecht versetzt, aus dem es bis zum Abspann nicht mehr herausfindet und vor allem auch gar nicht herausfinden will. Das hört sich eigentlich ganz einfach an: Klotzen, klotzen, klotzen, das muss die Devise sein. Keine Zeit anbieten für Verschnaufpausen. Der Plot muss eine gerade Linie sein, die so effizient beschritten werden soll wie die Stadionlaufbahn vom 100-Meter-Läufer.
Manche Blockbusterregisseure drehen auf ihrem eigenen Terrain manchmal aber ein paar Umrundungen zu viel, so dass sie - wie beispielsweise zuletzt Gore Verbinski mit seiner “Pirates of the Caribbean”-Trilogie” - orientierungslos auf die Nebenbahn rutschen, Schlenker machen, kontraproduktive Ellipsen drehen. Erwartungsgemäß ist das auch Steven Soderbergh mit “Ocean’s Twelve” passiert, nachdem er mit “Ocean’s Eleven” ein beachtlich gut funktionierendes Ensemblestück für die Masse vorgelegt hat. Und was “Pirates of the Caribbean 3" nicht gelang (nicht gelingen konnte, weil er zeitgleich mit dem zweiten Teil gedreht wurde), vermeidet Soderbergh nun. “Ocean’s 13" ist definitiv die weit bessere Fortsetzung als “Ocean's 12", weil “Ocean's 13" einfach “Ocean's 11" kopiert und nicht so dringend eigene Wege erkunden will wie “Ocean's 12". Na sowas.
Der dritte Auftritt der Gaunerbande Danny Oceans ist gewissermaßen noch mal weiter komprimiert worden, die Charaktere sind noch zweidimensionaler als ohnehin schon und überhaupt, der Streifen hat die schmale Form eines Blatt Papiers, ist dazu noch kontinuierlich und glatt, also eher sogar von der Form einer Rolle seidenweichen Klopapiers. Alles ist Handlung, alles läuft vorwärts, nichts dagegen geht in den dreidimensionalen Raum. Zum Guy Ritchie-Soundalike-Soundtrack wird der Coup zuerst motiviert (durch den Prolog), dann geplant, dann durchgeführt. Für die Konsequenz muss man Soderbergh loben, denn der lässt echt kein Tröpfchen über das Fass rollen. Eine effiziente Unterhaltungsmaschine ist sie geworden, die Franchise, gelackt und geölt, bereit zur Konsumtion.
Dabei läuft alles so glatt am Schnürchen, dass man gar nicht mitkriegt, was für einen Tanz auf dem seidenen Faden man da geboten bekommt. Mit den ohnehin schon reduzierten Charakterexpositionen und der sublimen Love Story des ersten Teils werden auch die letzten Griffe wegsubtrahiert, an denen man sich als empathisches Wesen irgendwie festklammern könnte, und in der verschwenderischen Abfolge von Starauftritten - den kompletten Cast samt Pitt, Clooney & Co. kann man als Cameo-Kollektion abhaken, der wie beim Staffellauf vonstatten geht - wird in Windeseile ein Konstrukt errichtet, dessen technische Feinheiten sich dem Zuschauer niemals erschließen.
Und so droht “Ocean’s 13" mehr noch als “Ocean’s 11" einen Ausschluss des Publikums aus seiner Handlung billigend in Kauf zu nehmen. Wozu das führen kann, hat das “Vermächtnis der Tempelritter” eindrucksvoll bewiesen. Doch Soderbergh fängt den abdriftenden Gucker wieder ein, er umhüllt ihn mit einer atmosphärischen Schicht namens “Las Vegas”.
Wo “Ocean’s 12" noch ein offenes Gebilde war, in dem man sich schnell verlaufen hatte, besinnt man sich jetzt wieder auf alte Stärken und beschränkt alles auf eine Location. Die einzelnen Interessengruppen müssen sich nicht mehr gegenseitig suchen, sie laufen praktisch in Vollzeit aneinander vorbei. Gespielt wird zweifellos ein Spiel mit offenen Karten, weil alle Mitspieler ja schließlich noch je ein Ass im Ärmel haben. Und auch oder gerade weil man nicht versteht, wie dieser und jener Job erledigt wird, man versteht aber doch, was dieser Job für den Casinobesitzer und sein Geschäft bedeutet.
Auf dieser Konstellation basiert auch die starke Leistung des endlich mal wieder durch und durch überzeugenden Al Pacino: ein chargierender und dennoch vollends kontrollierter Geschäftsmann. Das ist ein Anzug, der Pacino nach wie vor passt wie angegossen. Insbesondere insofern, als seine unnachahmliche Präsenz (als so ziemlich einziger aller Darsteller bleibt von ihm ein Eindruck zurück) hier so und nicht anders gefordert wird.
Pacinos letzte Szene ist dann auch ganz große Komödienkunst und fasst zusammen, was im Grunde bereits alle wussten: der große Coup ist gar keiner mehr. Es geht längst nur noch um den Weg. In einem höchst oberflächlichen Kalkül von Film ist der nämlich schon das Ziel.