Es dürften nicht wenige Zuschauer gewesen sein, die ein Besuch von "Oceans Twelve" davon abgehalten hat, sich den Schlußpunkt dieser Trilogie anzusehen.
Zu relaxt, zu entspannt, zu scheißegal kam der zweite Teil, die "European Connection" der Las-Vegas-Einbrecher daher, die so augenzwinkernd durch einen Zitateplot mit direkten Hollywoodanleihen stapfte, daß man dem Publikum sogar den finalen Einbruch vorenthielt - bescheißen als Kunst an allen Fronten.
Aber Steven Soderbergh und seine Kumpels von der Hollywood-Front haben natürlich jede Menge Spaß mit der Chose gemacht und die Tatsache, daß das alles schnelle Kohle für ambitionierte Nischenprojekte bringen sollte, hat dann letztendlich auch nicht so viele Leute gestört, als daß sie das Picknick nicht ein drittes Mal veranstalten wollten.
Wohin man sieht, so etwas wie Plot oder stringente Story ist auch diesmal gepflegte Nebensache geblieben, oberflächlich gehts um einen Rachecoup an einem sinistren Casinohotelbauer in LV (dargestellt von Al Pacino), der einen der 11, 12 oder 13 übers Ohr gehauen hat (namentlich Elliot Gould). Also will man das Hotel ruinieren, die Presse schlecht machen, den Laden ausnehmen und muß ganz nebenbei auch noch gut versteckte Juwelen klauen, weil Bösenase aus Teil 2, Andy Garcia, nämlich gezwungenermaßen mit ins Boot muß und auch so seinen Preis hat.
Tja, das wars dann auch schon, der Rest vom Film besteht aus Planung und Durchführung, was irgendwie verschachtelt und verquert, entweder parallel läuft oder durcheinander oder überkreuz, da wird fleißig improvisiert und an extrem vielen Fronten gekämpft, denn man muß ja mehrere Coups auf einmal durchziehen, das Gebäude per Erdbebenmaschine erschüttern, die Falschspieler ein- und wieder ausschleusen, die Steine klauen, die Hotelmanagerin verführen und noch so ein paar technische Details.
Soderbergh und Co. kümmern sich auch fortan wenig um einen zeitlich nachvollziehbaren oder logisch geplotteten Handlungsablauf, basteln jede Menge Versatzstücke der Handlung ohne Blick für Spannungsentwicklung oder Verknüpfungen im Ablauf zum Zwecke der Nachvollziehbarkeit zusammen und hoffen, daß das am Ende alles irgendwie Sinn macht. Jeder bekommt seinen kleinen Gastauftritt, aber da inzwischen schon gute 20 Leute an der Chose beteiligt sind, kommen so ziemlich alle außer Pacino und Garcia zu kurz.
Irgendwoher hat Soderbergh auch noch Ellen Barkin reanimiert, an der selbst unter dicken Schichten Make-Up deutlich der Zahn der Zeit genagt hat und Pacino liefert seine Gastauftritte ja schon seit Jahren mit launiger Chargerie ab, hier allerdings latent gebremst.
Wer so mit Aufbau, Tempo und Spannung umgeht, der darf natürlich auch keine echt herausgestellten Höhepunkte beim Showdown erwarten, wo sogar Vincent Cassel noch mal vorbei schauen darf, dafür wird weiterhin virtuos mit Split Screen, goldenem Licht, prachtvoller Ausstattung, körnigen Bildern und ohne Fokus gearbeitet und hie und da nölen zwei oder drei Teilnehmer dieser Afterworkparty mal fast sowas wie einen Dialog, damit man nicht ganz den Faden verliert.
Was uns zu dem Fazit bringt: alle nötigen Mittel aufgeboten, aber total banane der Film, wie eine Parade an der Croisette - jeder wills sehen, aber satt wird man davon nicht. Insofern also wieder ein stargespicktes Blendwerk, dem allein in Sachen Namen und Gesichter ein großer Publikumsanteil auf den Leim gehen wird, um sich dann der Illusion hinzugeben, unterhalten worden zu sein.
Und da hier nicht ganz so brüsk und provokativ vorgegangen wurde, wie bei Teil 2, kann man auch ein Pünktchen mehr geben, was die Halbwertzeit dieser cineastischen Seifenblase mit dem tollen Muster aber kaum verlängert.
Schicke Sachen für Madame - sieht gut aus und macht nicht dick...äh...satt. (6/10)