Spektakuläre Gerichtsfälle sind schon lange ein Garant dafür, dass die Medien sich dafür interessieren. Vor allem wenn Promis die Angeklagten sind, reißen sich Presse und Fernsehen nur so um ihre Fälle. Aber auch bei Nicht-Promis laufen die Journalisten heiß, wenn es sich um einen mächtig spektakulären Fall handelt. Und nicht selten werden diese Fälle dann auch verfilmt. Mit "Seawind - Segeltörn ins Jenseits" haben wir nun wieder so einen Fall. Und mit Tommy Lee Wallace wurde auch ein Regisseur verpflichtet, der durchaus das Zeug dazu hat, die Spannungsschraube bis auf die Spitze zu treiben, so wie er es z. Bsp. bei "Stephen Kings ES" getan hat. Und somit ist es auch nicht verwunderlich, dass auch "And the Sea Will Tell" mitunter sehr spannend geworden ist, wenn auch leider von einigen gar heftigen Längen unterbrochen.
Der Film basiert auf der wahren Geschichte! Es geht um das Paares Buck Walker und Jennifer Jenkins, die sich auf der Flucht vor der Polizei befinden und sich als Zielpunkt dafür eine einsame Insel ausgesucht haben, die über 1000 Meilen vom Festland entfernt ist. Dort treffen sie allerdings auf Mac und Muff Graham, die zwar nicht auf der Flucht sind, aber ebenfalls auf der Insel leben möchten und nicht selten mit dem windigen Buck Walker aneinander raten. Bis Mac und Muff eines Tages spurlos verschwinden. Als Buck und Jennifer daraufhin beschließen zurück aufs Festland zu segeln, werden sie dort gleich, wegen Diebstahl, verhaftet. Bis die Leiche von Muff auftaucht und die Staatsanwaltschaft nun auf Mord plädiert. Buck wird schnell der Prozess gemacht, doch Jennifer hofft, in einem spektakulären Fall, auf Freispruch... So oder so ähnlich soll es sich damals wirklich zugetragen haben. Der Film beruft sich auf das Buch, welches Vincent Bugliosi und Bruce B. Henderson daraufhin geschrieben haben. Einige filmische Verschönerungen kann man zwar sicher nicht so ganz übersehen und ob alles wirklich 100% so war, wie es hier geschildert wird, darf auch in Frage gestellt werden, zumal die Logik zeitweise austritt. Aber im Grunde bleibt das Skript dennoch größtenteils glaubwürdig und hat somit schon mal einen großen Schritt getan, um beim Zuschauer auf Interesse zu stoßen.
Und fürwahr, größtenteils bleibt das ganze Treiben auch bis zum Schluss spannend. Im Grunde läuft der Film auf zwei unterschiedlichen Schienen. Auf der einen Schiene wird in Rückblenden noch einmal alles erzählt, was für den Fall relevant ist. So erfahren wir u.a. wie Buck und Jennifer sich kennengelernt haben, wie sie sich bis zur einsamen Insel durchgeschlagen haben und was nun auf der Insel, laut Jennifer, genau passiert ist. Dabei spannen die Drehbuchschreiber wirklich einen mitunter schweißtreibenden Spannungsbogen, der bis zum Ende erhalten bleibt.
Auf der anderen Schiene geht es dann um das Gerichtsverfahren an sich. Die Staatsanwaltschaft bringt ihre Beweise vor, die Verteidigung versucht diese zu wiederlegen. Ein schwieriges Unterfangen, wenn die Beweise so stichhaltig sind wie hier. Und auch hier bleibt die Spannung eigentlich auf einem guten Niveau, vor allem wenn die Geschworenen sich zum Schluss lange nicht entscheiden können. Die "12 Geschworenen" lassen da, für einige Minuten, grüßen.
Und auch die persönliche Beziehung zwischen dem Verteidiger und der Angeklagten wird nicht außer acht gelassen. Denn je länger der Fall dauert, um so unsicherer ist sich der Gesetzesmann, ob seine Angeklagte wirklich Unschuldig ist oder nicht. Vor allem als der Kläger eine schier unfassbare Bombe platzen lässt, ist der Verteidiger hin und her gerissen. Und diese Unsicherheit wird dem Zuschauer sehr gut und glaubwürdig vermittelt, was vor allem auch an Darsteller Richard Crenna liegt! Aber später mehr mehr.
Das der Film aber trotz all der positiven Eigenschaften ganz knapp an einem "gut" vorbeischrammt, dass hat er vor allem den mitunter mächtigen Längen zu verdanken, die vor allem in den Rückblenden immer wieder präsent sind. Vor allem das Szenario in dem sich Buck und Jennifer kennen lernen, wurde viel zu sehr in die Länge gezogen und mit allerlei Informationen gefüllt, die den Zuschauer nicht wirklich interessieren. Bevor man hier auf den wichtigen Punkt kommt, vergehen viele Minuten wertvoller Film. Aber auch die anderen Szenarien sind nicht minder langatmig geraten. Zwar bleibt die, oben bereits angesprochene, Spannung irgendwie stetig erhalten, aber wirklich gefördert wird sie eben auch nicht, wenn sich schon wieder eine Szene ankündigt, die zwar nur 10 Minuten an packenden, und für das Vorantreiben der Geschichte wichtigen, Inhalten bietet, aber dennoch fast ne halbe Stunde geht. Hätte man die 196 Minuten Film auf gut 100 - 120 Minuten Laufzeit gestutzt und dafür so manches überflüssiges Szenario weggelassen, dann hätte hier draus durchaus ein Top-Gerichtsstreifen werden können! Schade eigentlich!
Was die Darsteller angeht wird größtenteils typisches TV-Mittelmass geboten, sieht am einmal von Richard Crenna, als Verteidiger Vincent Bugliossi, ab! Wie schon erwähnt, leistet er in seinem Part gar Meisterhaftes! Er verleiht seiner völlig hin- und hergerissenen Figur eine perfekte Glaubwürdigkeit und beweist somit einmal mehr, dass er eigentlich zum Besten gehört, was das amerikanische Fernsehen an Darstellern zu bieten hat. Rachel Ward und Hart Bochner sind dagegen zwar auch nicht schlecht, verblassen aber mitunter viel zu schnell, wenn Bugliossi die Bühne betritt. Na ja, für einen TV-Thriller kann man aber dennoch zufrieden sein.
Fazit: Größtenteils recht spannender TV-Gerichts-Thriller, der auf einer wahren Geschichte basiert und diese auch relativ glaubwürdig und spannend auf den Zuschauer überträgt. Schade nur, dass man sich dazu entschieden hat, den Film auf unnötige 196 Minuten aufzublassen, obwohl der Stoff maximal für 2 Stunden spannungsgeladenen Film gereicht hätte. Somit bleibt "Nur die See kennt die Wahrheit", unterm Strich, dann leider dennoch "nur" überdurchschnittlich, wenn auch, in dieser Kategorie, sicher auf einem guten Posten. Freunde des Genres schalten auf alle Fälle mal rein!
Wertung: 6,5/10 Punkte