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Drehbuch und Produktion Steven Spielberg, Regie Tobe Hooper und dazu reichlich Gerüchte, dass Spielberg mehrfach selbst auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Die Autorenschaft bei „Poltergeist“ ist also nie so ganz klar, aber zum Klassiker hat es gereicht.
Parallelen zu Spielbergs eigenem Regie-Megahit „E.T.“ aus dem gleichen Produktionsjahr lassen sich einfach finden, wieder geht es um die amerikanische Vorstadtfamilie, in deren Leben die Phantastik auf rabiate Weise Einzug erhält, wieder sind die Kinderzimmer vollgestopft mit Merchandise-Artikeln aus dem Filmbereich – vor allem natürlich mit „Star Wars“-Fanartikeln, denn den hatte ja Spielberg-Kumpel George Lucas fabriziert.
Das Grauen kommt langsam und schleichend, äußert sich anfangs nur in Kleinigkeiten wie dem seltsamen Verhalten der kleinen Carol Anne (Heather O’Rourke) und eigenständig rückenden Stühlen. Stattdessen stellt man ausgiebig das Leben der Bilderbuchfamilie Freeling vor: Papa Steve (Craig T. Nelson) ist als Angestellter einer Baufirma auf dem aufsteigenden Ast, Mama Diana (JoBeth Williams) ist als Hausfrau und Mutter ausgelastet, Tochter Dana (Dominique Dunne) emanzipiert sich als Teenager langsam vom Elternhaus und die jüngeren Geschwister, Robbie (Oliver Robins) und Carol Anne, sind ganz normale Kinder.

Insofern geht man anfangs noch humorvoll mit dem Phänomen um – bis die Geister Carol Anne entführen. Nun ist guter Rat teuer und man wendet sich an Parapsychologen zwecks Hilfeleistung…
Es scheint beinahe so, als habe sich Spielberg hier getraut jene Ader auszuleben, die er in „E.T.“ noch unterdrückt hatte, denn „Poltergeist“ geht mit der Vorstadtidylle weitaus rabiater um als der Alien-Film. Die Eltern kiffen heimlich im Schlafzimmer und werden prompt von Junior dabei gestört, ein toter Kanarienvogel macht Probleme, weil Mutter ihn lieber heimlich ersetzen und das Klo hinunterspülen würde, die hinzukommende Carol Anne dann allerdings auf eine Beerdigung besteht usw. Hier kriegen diverse US-Eigenarten ihr Fett weg, vom gemeinschaftlichen Bier-plus-Sportfernsehen-Event über Fernbedienungsduelle bis hin zur gierigen Baufirma, die den American Dream auf Kosten anderer verscherbelt – selbst wenn diese längst tot sind.
Doch „Poltergeist“ ist nicht nur satirisch angelegt, denn neben den Spitzen wider das Spießertum ist das Ganze eben auch ein astreiner Gruselfilm, der über zwei Stunden hinweg gekonnt Spannung aufbaut, den Zuschauer erst in scheinbare Sicherheit entlässt, um dann mit dem eigentlichen Finale noch einen draufzusetzen. Erzählerisch sitzt das Meiste hier ziemlich gut; allenfalls das eine oder andere zu lange Gespräch mit den Parapsychologen reißt den Zuschauer etwas aus dem sonst sehr homogenen Filmfluss, denn mal ehrlich: Will man wirklich soviel Wissen über das Wesen des Poltergeistes mitnehmen, oder reicht die Tatsache, dass er da ist, nebst kurzer Ursprungsbegründung nicht aus?

Manch einer mag angesichts des eher harmlosen Gruselfilms nach mehr Blut und Toten schreien, denn es gibt kein einziges Opfer zu beklagen, aber darum geht es „Poltergeist“ nicht und man kann dankbar sein, dass den Machern gut platzierte Schockeffekte und ein konsequenter Spannungsaufbau wichtiger waren als derbe Bluteffekte. Nebenbei bietet „Poltergeist“ diverse wirklich tolle Geister-FX, wenn sich der Poltergeist bzw. sein Wirken manifestiert, und selbst fast 30 Jahre nach Entstehen des Films sind diese Tricks, nicht zuletzt ihres handgemachten Charmes wegen, durchweg überzeugend. Solche Momente bleiben haften, während man das Spielberg-typische Hochhalten der Familiengemeinschaft dann gerne ignoriert.
Craig T. Nelson wurde später ja gern als harter Knochen besetzt, hier gibt er den Pantoffelhelden allerdings mindestens ebenso überzeugend, während JoBeth Williams da problemlos mithalten kann. Auch die Kinderdarsteller sind überraschend gut aufgelegt, gerade Heather O’Rourkes zu Bekanntheit gelangter Ausspruch „They’re heeeeeere“ wirkt nach, und auch die Nebendarsteller kann man nur durch die Bank weg loben.

Gelegentlich hängt „Poltergeist“ bei den Gesprächen mit den Parapsychologen, ansonsten ist die Tobe Hooper/Steven Spielberg-Kooperation aber ein zeitloser Klassiker des Gruselfilms: Stringent erzählt, famos getrickst und mit satirischen Spitzen inszeniert – immer wieder gut.

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