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War es letztenendes Tobe Hooper (Texas Chainsaw Massacre, The Toolbox Murders) oder doch Steven Spielberg (Jurassic Park, Krieg der Welten) welcher "Poltergeist" in Szene setzte ? Jedenfalls kam es zu einigen Nachdrehs, bei denen Hooper nicht zugegen war. Spielberg der hierzu die Grundidee hatte, am Drehbuch mitschrieb und das Ganze zusammen mit Frank Marshall produzierte, musste Hooper tatenkräftig unterstützen, dem es hier wohl an Kreativität mangelte. Trotz der ganzen Diskrepanzen avancierte "Poltergeist" zum Genreklassiker und die Effekte von Robert Edlund sind auch heute noch absolut sehenswert. Es folgten zwei schwächere Sequels, mit denen Spielberg auch nichts mehr am Hut hatte.

Die Bilderbuchfamilie Freeling lebt in der hübschen Siedlung Cuesta Verde, doch plötzlich geschehen in ihrem Haus mysteriöse Dinge. Die jüngste Tochter Carol Anne (Heather O´Rourke) spricht mit dem Fernseher,  und Gegenstände bewegen sich wie von Geisterhand. Was anfangs noch für Erheiterung sorgt wird bald tödlicher Ernst, denn Carol Anne wird von einer unheimlichen Macht in eine Zwischenwelt entführt, das Haus der Freelings ist in der Hand eines bösartigen Poltergeistes. Nur Dr. Lesh (Beatrice Straight) und das Medium Tangina (Zelda Rubinstein) können dem Treiben jetzt noch ein Ende bereiten.

Ein weiterer Beweis, dass man sein Haus niemals auf einem alten Friedhof erbauen sollte. Dies muss nämlich als Erklärung für die unheimlichen Phänomene herhalten. Jedenfalls beginnt "Poltergeist" fast wie eine Familienkomödie. Wir sehen Baseball verrückte Männer ein Spiel anschauen, dazu wird kräftig gegrölt, Bier getrunken und es gibt Zoff mit dem Nachbarn, weil der die gleiche Fernbedienung hat und somit wechselt ständig das Programm. Auf jeden Fall sind die Freelings eine Familie wie sie im Buche steht. Aber man lässt nun mal jede Nacht die Glotze bis zum Zapfenstreich laufen und irgendwann entschwindet dort die unheimliche Macht. "Poltergeist" nimmt sich die Zeit, um die Idylle der Freelings ausführlich aufzuzeigen, denn dann ist der Zuschauer mehr berührt, wenn sie ins Verderben gestürzt werden. Das Ganze beginnt recht harmlos mit Gegenstände die sich bewegen, man macht sich sogar noch einen Spass daraus und lässt sich wie von Geisterhand über den Küchenboden katapultieren. Doch der bösartige Geist hat sein Zentrum im Wandschrank des Kinderzimmers und entführt Carol Anne in eine Art Zwischenwelt. Nur durch den Fernseher kann sich Kontakt zu ihrer Familie halten. Das Ganze klingt reichlich phantastisch, doch spannend ist die Chose allemal, besonders die Effekte beeindrucken noch heute, hier gab es noch keinen Computer, dem man die Arbeit überlassen konnte.

Besonders gruselig ist der Angriff des alten Baums, der versucht Robbie quasi zu verschlucken, oder die Vision des einen Wissenschaftlers, der sich die Haut vom Gesicht reißt. Trotzdem setzt man hier auf Atmosphäre, statt auf plumpe Brutalitäten, hier findet niemand den Tod. Bald ist Tangina die einzige Chance Carol Anne aus der Zwischenwelt zu retten, wo auch die Eltern fleissig mithelfen müssen. Nebenbei erfährt Steve (Craig T. Nelson) von seinem Arbeitgeber, dass Cuesta Verde auf einem riesigen Friedhof erbaut wurde, doch nur die Grabsteine wurden verlegt. Dies führt auch im Finale noch zu einem Höhepunkt, wenn die ganzen Skelette ans Tageslicht kommen. Das Happy End ist bei "Poltergeist" zwar nie in Gefahr, doch die Freelings müssen einige Attacken über sich ergehen lassen, bevor der Spuk für sie ein Ende hat. Der geniale Score von Jerry Goldsmith lässt den effektvollen Budenzauber noch mehr zur Geltung kommen. Nur einige banale Erklärungsversuche von Tangina oder Dr. Straight hätte man sich sparen können, denn das Gefasel klingt teilweise reichlich albern. Doch den Darstellern kann man keine Vorwürfe machen, von JoBeth Williams (Wyatt Earp, Poltergeist II) über Craig T. Nelson (Action Jackson, Showdown) bis in zu Heather O´Rourke (Poltergeist II, Poltergeist III) machen alle ihre Sache gut. Auch die kauzige Zelda Rubinstein (Im Augenblick der Angst, Prisoners) als Tangina.

Ich habs nicht so mit Geisterfilmen, aber "Poltergeist" ist völlig zurecht ein Genreklassiker. Atmosphärische Grusel mit tollen Effekten und trotz knappen zwei Stunden Lauflänge zügig erzählt.

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