Inhalt:
China zur Zeit der hochmittelalterlichen Martial World. Ding Peng (Erh Tung-Sheng aka Derek Yee) ist der aufstrebende Schwertkämpfer der es mit seiner "Shooting Star"-Technik zu absoluter Meisterschaft bringen will. Gerade erst hat er wieder zwei Duelle siegreich gestaltet, als er sich auf den Weg zum Oberhaupt des Wu Dang-Clans, Liu Ruo Song (Wong Yung) macht, um diesen herauszufordern.
Auf seinem Weg durch den Xiang Si Forest retter er eine junge Dame vor dem Missbrauch durch Angreifer. Als Dank bietet sie sich dem Helden für eine Nacht an. Am nächsten Morgen ist die junge Dame verschwunden so wie auch ein Teil des "Shooting Star"-Manuals. Im Hauptquartier des Wu Dang-Clans trifft er die junge Frau wieder, es ist Ke Xiao (Meg Lam), die Ehegattin von Liu Ruo Song. Es kommt zum Duell, und Ding Peng verliert dieses. Damit nicht genug, Liu Ruo Song bezichtigt Ding Peng des Diebstahls der "Shooting Star"-Technik, und demütigt ihn somit vor den gesammelten Führungs-Riegen der Martial World.
Ding Peng sucht darauf hin den Tod. Und landet dabei in der "Ghost World", einer Parallel-Welt der Geister und Untoten. Er begegnet der geheimnisvollen "Fox Ghost" Qing Qing (Liza Wang), einer Schönheit. Die beiden verlieben sich ineinander, und für Ding Peng setzt ein Training ein, um sich in der Martial World an Liu und den Wu Dang zu rächen. Hierzu erhält Ding Peng von Qing Qing ein besonderes Schwert, das sichelförmige Kurzschwert "Scimitar". Innerhalb kurzer Zeit wird Ding Peng zu einem nahezu unbesiegbaren Kämpfer.
Qing Qing begleitet Ding Peng in die Martial World, dieser sichert ihr zu, wieder mit ihr in die "Ghost World" zurückzukehren, sobald er seine Rache vollendet hat. In unmittelbarer Nähe der Residenz des Wu Dang-Clans bauen die beiden ihren eigenen Palast, die "Full Moon"-Villa, und Ding Peng fordert den völlig überraschten Liu Ruo Song zum Duell!
Diesmal siegt Ding Peng in diesem Duell, und Liu Ruo Song erkennt Ding Peng gar nunmehr als seinen Sifu an, dessen untertänigster Diener er jetzt sei. Ding Peng genießt das Leben in der Martial World, findet Gefallen als glamouröser und anerkannter Held in dieser Martial World. Auch von Qing Qing distanziert er sich immer mehr, er heiratet gar eine eine andere Frau, die schöne Nan Gong (Helen Poon) ist seine Auserwählte. Ding Peng wird immer ehrgeizzerfressener, arrogant verfällt er seiner Machtgier.
Und er hat sich viele Feinde gemacht: Darunter Master Suen (Ku Kuan Chung), dem Ding Peng die Hand abschlägt, der gewieft-intellektuelle "3rd Master" Xie Xiao Feng (Yue Hua), sowie der gefährliche Boss der "16 Schools", "Invincible Eagle" (Johnny Wang Lung Wei). Kann Ding Peng die tödliche Gefahr erkennen in der er steckt, und dass die Falle seiner Feinde alsbald zuschnappen wird...?
Es kommt zum alles entscheidenden Show-Down, zum blutigen Kampf auf Leben oder Tod...!
Kritik:
Im Jahre 1979 drehte Star-Regisseur Chu Yuan diesen insgesamt gefälligen und fantasievollen WuXia-Eastern für die Studios der Shaw Brothers mit Erh Tung-Sheng (aka Derek Yee) in der Hauptrolle.
In den einmal mehr luxuriös-surrealen, fantastischen Studio-Sets der Shaw Brothers, erzählt Chu Yuan eine zunächst recht einfache Story um eine Anti-Helden, der zum Star in der Martial World, jener illustren Welt der Helden, Schurken, schönen Frauen, Intrigen, illoyalen Bündnissen und den ewigen Kampf um die Vorherrschaft, aufsteigen will, dann fällt, und sich mit magischer Hilfe rächen will. All das in dieser surreal-künstlichen Atmosphäre ala Shaw Brothers, den typischen Kulissen wo "draußen" drinnen ist, Nebelschwaden en masse, und wo künstlich im Studio angelegte Gewässer die Residenzen, Brücken und Paläste sanft umschmeicheln.
Ab der zweiten Hälft dann nimmt die Personenfülle immens zu, verschachtelt sich alles zusehends, packt Chu Yuan viel in seinen Film und übertreibt es dabei auch etwas. Dann mündet alles in ein turbulentes Finale, fast "jeder gegen jeden", lösen sich illoyale Bündnisse oder schmieden sich neue Allianzen, mit dem Anti-Helden im Zentrum des Geschehens. Weniger wäre mehr gewesen, aber das Ganze unterhält auf ansprechende Weise den eingefleischten WuXia-Easternfan und Anhänger der Shaw Brothers.
Erh Tung-Sheng (aka Derek Yee) ist der (Anti-)Held in Chu Yuans fast epischem WuXia-Drama, und führt quasi durch diesen Streifen. Kein strahlender, charismatischer Held, er lächelt nie, ist ehrgeizig, eigensinnig und -nützig, an sich unsympathisch, und hörnt auch die Geliebte, die ihm erst zum Rache-nehmen-können verhalf. So ala Ti Lung in "Soul of the Sword" (siehe mein Review auf dieser Webseite), warum auch nicht? Das ist eine interessantere Figur somit, die sich durch diesen WuXia ackert und fightet. Erh Tung-Sheng spielt das entsprechend fast trocken und er ist ein agiler Fighter!
An seiner Seite, Lisa Wong, als "Geister"-Frau aus der Welt der Untoten, hilft sie, und als sie erkennt, wie undankbar ihr Gelieber sie (ent)täuscht und hörnt, blickt sie ins Leere. Ihre Gedanken kann man als Betrachter denn aber durchaus lesen. Lisa Wong spielt das mehr als grundsolide.
Wong Yung ist sowas wie der "Haupt"-Villain, durchgängig der Rivale des Helden, in interessantem Rollenbild: Erst den arroganten Sieger mimend, dann den kriechenden "Schüler" und untertänigsten Diener des (Anti-)Helden markierend. Doch insgeheim schmiedet er die neue gegen Erh Tung-Sheng gerichtete Schurken-Allianz. Auch Wong Yung überzeugt da darstellerisch.
Meg Lam und Helen Poon agieren in weiteren weiblichen Rollen, sind attraktiv und solide im Spiel. Meg Lam lockt den (Anti-)Helden in die Falle als Gattin des Haupt-Villain, Helen Poon als fast naive "Zweit-"Frau des eigennützigen Erh Tung-Sheng.
Mehr geben da die weiteren Villains her, die Chu Yuan dann in der zweiten Hälfte seines WuXia-Dramas peu a peu einbaut: Ku Kuan Chun, dessen Figur die Hand abgeschlagen wird, zeitweise Norman Chu, dessen Figur dem Wahn verfällt, dann Yue Hua in einer sehr speziellen Rolle als intelektuell wirkender, fast philosophierender Opponent des Anti-Helden, der als er "auftaut" zum fast überraschend hyper-agilen Schwert-Fighter mutiert. So wie der Gaststar dieser Produktion... Johnny Wang Lung Wei. Shaw´s Villain-Ikone, sonst eher für Chang Cheh der Dauer-Schurke für Alexander Fu Sheng, David Chiang und Ti Lung, sorgt hier als charismatisch-gefährlicher Bösewicht mit Narbe für besondere Momente und Drive im actiongeladenen Finale.
Die Fightaction, überwiegend Swordplay aber auch gefällig-rasantes KungFu, überzeugt. Gleichwohl sie nie das Wichtigste in Chu Yuans WuXia-Dramen ist, kommt sie hier gut rüber, dynamisch und intensiv geht es mit Drive zur Sache. Die Choreografien sind indes so ausgefeilt, dass einiges an Action so tänzerisch wirkt, dass die Fightenden fast "miteinander" als gegeneinander zu agieren scheinen. Das ist gut gemeint, kann man aber auch als Manko werten. Das turbulent-blutige Finale, als beinahe "jeder gegen jeden" fightet, bringt indes "Full Moon Scimitar" dann aber noch ins Ziel.
"Full Moon Scimitar", ein sehr dicht inszenierter WuXia-Eastern im typisch-atmosphärischen Studio-Design der Shaw Brothers, bietet dem eingefleischten Genre-Fan und Anhänger des Studios eine anspechend-routinierte Unterhaltung.
7/10.