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"Vergiss alles was du eben gesehen hast, verstanden?"

Japan im Jahre 1966. Das mysteriöse Mädchen Saya ist Mitglied einer Dämonenjägereinheit. Ihr neuester Auftrag führt sie auf eine US-Militärbasis, nachdem es in der angrenzenden japanischen Stadt zu unerklärlichen Selbstmorden kam. Die amerikanischen Streitkräfte befürchten, dass blutsaugende Dämonen für die brutalen Übergriffe verantwortlich sind und sich nun unter ihnen verstecken. Schlecht gelaunt und mit einem Katana bewaffnet mischt sich Saya während einer Halloween-Party unter die Menschen. Als zwei Schülerinnen in das Krankenzimmer kommen stürmt Saya hinterher und tötet kurzerhand eine von den beiden. Tatsächlich erweist sich die Getötete als Dämon. Während der Jagd auf die zweite Kreatur bricht Saya's Katana und eine dritte Bestie verweist Saya in ihre Schranken.

"Blood - The Last Vampire" erweist sich als rein optisches Werk von dem Anime-Produktionsstudio Production I.G. Ungewöhnlich, denn das durch die "Ghost in the Shell"-Reihe bekannte Studio bewies bereits, neben visuellem Feuerwerk auch intelligente Geschichten erzählen und vielschichtige Figuren präsentieren zu können.

Die Handlung beschränkt sich durch die recht kurze Laufzeit von gerade mal 48 Minuten auf Saya's Jagd auf die Dämonen. Strikt und linear wird die Story ohne Wendungen oder großartige Überraschungen erzählt. "Blood - The Last Vampire" konzentriert sich dabei auf zwei Hauptfiguren, die trotz ihrer Priorisierung jedoch keine eigene Persönlichkeit entwickeln. Sämtliche Nebenfiguren bleiben völligst blass.
Durch die überschaubare Laufzeit bietet der Animationsfilm zwar nur wenige, kurzweilige Actionsequenzen, dafür wirken diese in ihrer visualisierten Form sehr dynamisch. Ebenso stimmig ist das Kreaturendesign, welches für europäische Verhältnisse ungewöhnliche Vampire präsentiert.

Gerade im erzählerischen Bereich fallen nach dem Sehen enorme Lücken auf. "Blood - The Last Vampire" wirkt unfertig, was besonders in nicht zusammenhängenden Handlungssträngen ersichtlich ist. So sind beispielsweise im Abspann Realbilder des Vietnamkrieges zu sehen, deren Bezug zum Animationsfilm jedoch völligst fehlen. Hier versteckt sich Potential, das leider nicht genutzt wird.

Dafür ist der Animationsfilm optisch auf höchstem Niveau. Die überschaubaren Schauplätze verbreiten durch kalte Farben eine düstere Stimmung und sind detailreich gefüllt. Handgezeichnete Hintergründe verknüpfen sich nahtlos mit opulenten Computeranimationen. Die Mischung aus comichaften Zeichnungen und digitaler Animationen zaubert einige surreale Motive, die ganz zu der Thematik des Films passt.

"Blood - The Last Vampire" ist ein sehr flacher, handlungsloser Animationsfilm, der seine Stärken nur in seiner Visualisierung ausspielt. Die Optik ist qualitativ sehr hochwertig, die wenige Action ansprechend inszeniert. Leider hat es das Animationsstudio Production I.G. nicht geschafft auch erzählerisch revolutionäre Wege zu gehen oder zumindest ansatzweise ihr bisheriges Niveau zu halten. Die Charaktere wirken allesamt äußerst schablonenhaft und die Handlung unfertig. So bleibt nach dem Sehen nicht wirklich viel hängen.
Eine Erweiterung findet der Animationsfilm in der Serie "Blood+", die jedoch völligst andere Pfade beschreitet.

5 / 10

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